Ärzte ohne Grenzen kritisiert Kampf der EU gegen Ebola

Ärzte ohne Grenzen kritisiert die zögerliche Haltung der EU im Kampf gegen Ebola. Foto: EC DG Echo

Die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ kritisiert EU und WHO im Kampf gegen die Ebola-Epidemie. Die europäischen Regierungen sollten sich dringend ein Beispiel an dem Engagement der USA nehmen.

Zu zögerlich, zu zaghaft, zu unentschlossen – die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ hält den bisherigen Kampf der EU gegen das Ebola-Virus für gescheitert. „Durch früheres entschiedenes Handeln hätte die Epidemie eingegrenzt werden können“, sagte Tankred Stöbe, Vorstandschef der deutschen Sektion, der „Frankfurter Rundschau“

Die Kritik Stöbes trifft auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO): „Wir haben schon im März vor der Ausbreitung des Ebola-Virus gewarnt. Spätestens im Juni war die Epidemie außer Kontrolle. Aber selbst die WHO reagierte nur zögerlich.“

Bei einem Sondertreffen am gestrigen Donnerstag beschlossen die EU-Gesundheitsminister, zusammen mit der WHO Kontrollen an Flughäfen in Sierra Leone, Liberia und Guinea durchzuführen. Eine EU-weite Kontrolle an den europäischen Flughäfen für Passagiere aus Westafrika ist indes nicht vorgesehen. 

Die EU-Staaten wollen sich nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe aber enger über Maßnahmen an den Airports bei Direktflügen austauschen. Nach Deutschland gibt es keine Direktflüge aus den drei am stärksten betroffenen afrikanischen Staaten. Bei der Verbindung aus Nigeria Richtung Deutschland würden die Passagiere bereits umfassend informiert. Unabhängig von den EU-Maßnahmen haben sich Frankreich und Großbritannien zu eigenen Schritten wie Fiebermessungen an Flughäfen entschlossen.

Für Ärzte ohne Grenzen ist das zu wenig: „Wir brauchen tropen-medizinisch geschultes Personal und mehr Bettenplätze in den drei am stärksten betroffenen Ländern Liberia, Sierra Leone und Guinea“, sagte Stöbe. Auch müsste „endlich“ Geld in die Erforschung von Impfstoffen und Medikamenten gegen Ebola investiert werden.

Stöbe rief die EU-Staaten auch auf, nach US-Vorbild Soldaten nach Afrika zu entsenden: „Bei der Bekämpfung der Ebola-Epidemie werden alle Kapazitäten benötigt, inklusive das Militär.“

Deutschland beteiligt sich an Impfstoff-Erprobung

In einem Interview mit EURACTIV Frankreich erklärte der Vorsitzende der französischen Sektion von Ärzte ohne Grenzen, Brice De Le Vigne, dass nur ein Impfstoff die Ebola-Epidemie wirksam eindämmen kann. „Die Entwicklung eines Impfstoffs hängt jedoch von der Pharmaindustrie ab, die profitorientiert denkt. Deshalb muss die internationale Gemeinschaft umgehend eine feste Zahl an Bestellungen garantieren“, so De Le Vigne. 

Deutschland will sich an der Erprobung eines Impfstoffs zum Schutz vor der Ebola-Seuche beteiligen. Es gebe die Hoffnung, Anfang nächsten Jahres mit den Tests einer kanadischen Produktion beginnen zu können, hieß es am Donnerstagabend in Berliner Regierungskreisen. Denkbar sei, dass dann auch deutsche Helfer im westafrikanischen Seuchengebiet von einem Impfschutz profitieren könnten, wenn sie sich an der Studie beteiligten. Allerdings wird vermutlich weltweit nur eine kleine Impfstoffmenge zur Verfügung stehen. Schätzungen liegen bei rund 10.000 Impfdosen, wovon auf Deutschland nur ein kleiner Teil fallen würde.

Deutschen Experten zufolge sind weltweit zwei erfolgversprechende Impfstoffe in Arbeit. Hinter der kanadischen Produktion stehe ein US-Unternehmen. Allerdings forschen deutlich mehr Firmen an einem Impfmittel gegen die tödliche Krankheit.

Sorge um Ebola-Ausbreitung wächst

Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte derweil eine deutlich stärkere internationale Kooperation, um Ebola zu besiegen. Die „schreckliche Heimsuchung“ für die Menschen Westafrikas sei in der globalisierten Welt „nur mit einer deutlich engeren Zusammenarbeit und mit deutlich effektiveren Strukturen einzudämmen als wir sie im Augenblick haben“, sagte Merkel im Bundestag. Ebola mache nicht an Grenzen Halt, mahnte sie.

Weltweit wächst die Sorge vor einer Ausbreitung der Ebola. US-Präsident Barack Obama sagte mehrere Termine und Auftritte ab und kündigte wegen der offenbar mangelhaften Vorsorgemaßnahmen in Kliniken des Landes ein schärferes Vorgehen der Behörden an.

Auf dem Flughafen von Madrid wurde am Donnerstag Ebola-Alarm ausgerufen, weil ein Passagier aus Nigeria während eines Flugs Schüttelfrost bekam. Auch in Dänemark und im US-Bundesstaat Connecticut werden Personen mit ebola-typischen Symptomen untersucht. 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat knapp 4.500 Tote registriert, vor allem in Liberia, Guinea und Sierra Leone. Die Zahl der Infizierten dürfte noch in dieser Woche die Marke von 9.000 überschreiten. Die Dunkelziffer liegt höher.

Die internationale Gemeinschaft wollte eigentlich einen Fonds in Höhe von einer Milliarde Dollar einrichten, um die Seuche zu bekämpfen. Nach UN-Unterlagen sind davon nach knapp einem Monat erst 100.000 Dollar wirklich eingetroffen. Bis Donnerstag waren Zusagen in Höhe von 365 Millionen Dollar eingegangen. Zu den Geldgebern gehören etliche Nationalstaaten, die Afrikanische Union, die EU und die Weltbank.

Subscribe to our newsletters

Subscribe