Ärzte ohne Grenzen: „Der Kampf gegen Ebola ist wie Krieg“

Die Ebola-Epidemie breitet sich weiter aus. Foto: European Commission DG ECHO (CC BY-ND 2.0)

Die Westafrika heimsuchende Ebola-Epidemie breitet sich weiter aus. Die Bekämpfung der tödlichen Krankheit durch die internationale Gemeinschaft sei bislang aber unkoordiniert und chaotisch, kritisiert Brice De Le Vingne von Ärzte ohne Grenzen in einem Interview mit EURACTIV Frankreich.

Brice De Le Vingne, der zuständige Programmdirektor bei Ärzte ohne Grenzen (MSF), kritisiert den Kampf der EU gegen Ebola. Nur verspätet beginne Europa und die internationale Gemeinschaft sich der Krise anzunehmen. Dabei gebe es aber keine klare Führungsstruktur. 

„Der Kampf gegen Ebola ist wie Krieg, wir brauchen eine klare Befehlskette. […] 3.000 amerikanische Soldaten werden nach Liberia geschickt, und die britische Armee schickt ebenfalls Truppen, zur Unterstützung der NGOs. Wir wissen immer noch nicht genau, wer die Notfall-Gesundheitszentren betreiben wird. Im Moment ist der Einsatz langsamer als die Epidemie, also verlieren wir an Boden“, so De Le Vingne.

Die EU und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) reagierten beide langsam auf die Krise, aber die Kommission kündigte 180 Millionen Euro Soforthilfe an. Davon stammen 140 Millionen Euro aus einem Entwicklungshilfebudget, das ursprünglich für andere Projekte in der Region vorgesehen war. 

Die WHO bezeichnete die Ebola-Epidemie bereits im August als „den schwersten, akuten Gesundheitsnotstand der Neuzeit“. 

Liberia ist das am meisten betroffene Land. Bis zum 8. Oktober gab es dort 4.706 Ebola-Fälle und 2.316 Tote. Im benachbarten Sierra Leone waren es 2.950 Fälle und 930 Tote, in Guinea 1.350 Fälle und 778 Tote. Nigeria, der Senegal, Spanien und die Vereinigten Staaten verzeichneten ebenfalls einige Krankheitsfälle. 

De Le Vingne sagt, dass „die Gesundheitssysteme in diesen Ländern unterentwickelt sind. Zum Glück funktioniert das Gesundheitswesen in Guinea noch, aber in Liberia kam es zu einem teilweisen Zusammenbruch, weil die großen Krankenhäuser geschlossen haben. Es ist ein Land, dass vor dem Ausbruch der Epidemie nur 40 Ärzte hatte, und dessen Gesundheitswesen für eine Epidemie dieses Ausmaßes komplett unvorbereitet war“.

In Liberia müsse die internationale Gemeinschaft „einen Notfall-Gesundheitsdienst einsetzen“, fordert De Le Vingne.

Die problematische jüngste Vergangenheit der Region wirkt sich negativ auf die Krisen-Reaktion der betroffenen Länder aus. Eine Zusammenarbeit wird durch den zehnjährigen Krieg zwischen zwei der drei am stärksten betroffenen Länder erschwert. 

Die Beendigung der Epidemie

„Wir werden ein Ende der Epidemie nur erreichen, wenn wir einen Impfstoff entwickelt haben. Aber die Entwicklung eines Impfstoffs hängt von Privatunternehmen ab, die einen Gewinn erzielen wollen. Um sie zu motivieren, müssen wir ihnen einfach Bestellungen versprechen“, sagt Le Vingne. 

Die europäischen Gesundheitsminister trafen sich letzte Woche. Dabei diskutierten sie schärfere Kontrollen für Einreisende aus afrikanischen Ländern und eine Maßnahmenkoordinierung im Falle eines Ausbruchs. 

Dem MSF-Direktor zufolge bleibt das Risiko eines Ausbreitens der Epidemie sogar mit sehr genauen Kontrollen bestehen. Er gibt sich aber auch optimistisch. Man könne von unseren Gesundheitswesen eine wirksame Reaktion gegen die Ebola-Epidemie erwarten, so Le Vingne. Mit einem leistungsstarken Gesundheitswesen sollte das recht einfach sein. 

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