Vor 30 Jahren unvorstellbar, heute Realität: Der von sowjetischen Ingenieuren gebaute Großtransporter An-124 Ruslan fliegt für Nato und Uno schweres Gerät rund um die Welt. Am Drehkreuz Leipzig/Halle werden die Riesen für künftige Herausforderungen gewartet und aufgerüstet.
Beeindruckendes Spektakel am Flughafen Leipzig/Halle: Die Antonow An-124 Ruslan ist groß. So groß, dass die Feierlichkeiten zum 30. Jubiläum ihres Jungfernfluges kurzerhand im Laderaum der Maschine selbst stattfanden. Mit bis zu 150 Tonnen Nutzlast hat das größte serienmäßig gefertigte Frachtflugzeug der Welt mittlerweile seinen festen Platz im internationalen Langstreckenlufttransport.
"Diese Maschinen fliegen nun für die Uno, die Nato und die Wirtschaft, transportieren Güter, die für andere Flugzeuge nicht geeignet sind", so der ukrainische Botschafter Pavlov Klimkin am Montag (8. April) in seiner Ansprache vor zahlreichen Ehrengästen aus Politik, Wirtschaft, Militär und Gesellschaft. Die Antonow halte 30 Weltrekorde, darunter in Nutzlast, Geschwindigkeit und Reichweite, zählt der Diplomat stolz auf.
Seit 2006 sind am Flughafen Leipzig/Halle ständig zwei der Großmaschinen aus ukrainischer Produktion stationiert. Im Januar wurde nun eine neue, riesige Wartungshalle eingeweiht, so dass die Versorgung der Maschinen nicht mehr vom Wetter abhängig ist. Zuvor erfolgte ihre Wartung im Freien. Außerdem sollen die etwas in die Jahre gekommenen Flugsaurier technisch aufgerüstet werden. Die russische Betreibergesellschaft Volga-Dnepr Airlines ist jedenfalls optimistisch und hat die Halle vorsorglich für 30 Jahre angemietet.
Gefragt bei Nato und Uno
Die An-124 sind für das Nato-Projekt "Strategic Airlift Interim Solution" (Salis) weltweit im Einsatz. Auch die Bundeswehr stützt sich bei ihrem Truppenabzug aus Afghanistan auf die Riesenflugzeuge. Bundeswehr Brigadegeneral Gerd Kropf bestätigt ihre wichtige Bedeutung am Hindukusch: Zum Einfliegen des Materials habe man jahrelang Zeit. Beim Abzug müsse es dagegen oft ganz schnell gehen. Deshalb brauche man Flugzeuge mit riesigen Transportvolumen.
Nicht nur ihre Größe macht die Ruslan einzigartig: Ihr Bug lässt sich hochklappen und absenken, so dass die Fracht über eine flache Rampe – ohne Einsatz von Ladekränen oder Hebebühnen – in die Maschine gelangt. Das spart Zeit beim Be- und Entladen. PKW, LKW und selbst Panzerfahrzeuge können direkt vom Boden aus in den Laderaum fahren. Das robuste Design der Antonow erlaubt außerdem Start und Landungen auf nichtpräparierten Pisten. Damit sind die Maschinen wie geschaffen für den Einsatz in Krisengebieten.
Auch die Uno setzt deshalb auf die An-124, bestätigt Alexander Grytsenko von der Ruslan Salis GmbH gegenüber EURACTIV.de. Dank ihres riesigen Transportvolumens und der großen Reichweite können die Maschinen vergleichsweise zügig und kostengünstig umfangreiche Ladungen in die Einsatzgebiete befördern. Von den großen Verteilungszentren beispielsweise in Bamako (Mali), N‘Djamena (Tschad) und Libreville (Gabun) können dann kleinere Transportmaschinen das Material an ihre Bestimmungsorte verteilen.
Patrick Timmann

