Afrika wehrt sich gegen EU-Elektroschrott

Elektroschrott häuft sich auch an, weil viele Geräte weggeworfen werden, obwohl sie noch funktionieren.

Afrikanische Staaten wollen nicht länger hinnehmen, dass giftiger Elektroschrott aus Europa auf ihrem Gebiet abgeladen wird. Mehr als 20 Jahre nach dem Bamako-Abkommen wollen die Länder nun konkrete Maßnahmen gegen den Giftmüll-Export ergreifen.

Afrika will dem Import von Elektroschrott einen Riegel vorschieben. In einer am Dienstag (6. August) veröffentlichten Erklärung halten afrikanische Regierungsvertreter fest, ihre nationalen Gesetzgebungen entsprechend verschärfen zu wollen.

Die Grundlage für den jüngsten Vorstoß bildet die "Bamako Convention" über ein Exportverbot gefährlicher Abfälle nach Afrika von 1991, die mehr als die Hälfte aller afrikanischen Länder unterzeichnet haben. Im Juni trafen sich die Vertragspartner zum ersten Mal seit der Unterzeichnung in der malischen Hauptstadt Bamako.

Das Treffen in Bamako markiere "das erste Mal, dass afrikanische Teilnehmer von sich aus drastische Maßnahmen gegen das Abladen von Elektroschrott gefordert haben", heißt es in einer Mitteilung des Basel Action Networks, einer Umwelt-NGO die sich gegen den Giftmüllhandel engagiert.

Als Spenden getarnter Schrott

Weggeworfene Elektronikartikel wie Handys und Laptops enthalten oft gesundheitsgefährdende Materialien. Zum Teil werden die Produkte als Spenden deklariert, obwohl sie nicht mehr funktionstüchtig sind.

2009 wurden 220.000 Tonnen elektronische Güter von der EU nach Westafrika verschifft, so ein Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) von 2012. Demnach waren alleine in Ghana 30 Prozent aller "Second-Hand-Produkte" unbrauchbar. 85 Prozent aller via Container in Ghana eintreffenden Elektrogüter stammen aus Europa, lediglich 4 Prozent aus Asien. Illegale Abfälle werden dabei oft zusammen mit regulären Waren transportiert, um die Zollinspektionen zu umgehen.

EU will mehr recyceln

Die EU leitete 2012 Schritte zur Verschärfung ihres Exportrechts ein, um das Abladen von elektronischen Abfällen in Afrika zu unterbinden. Der Revision der mehr als zehn Jahre alten Richtlinie über Elektro- und Elektronikaltgeräte (WEEE) gingen harte Verhandlungen voraus. Es herrschte Uneinigkeit darüber, wie die Wiederverwertung von Elektromüll verbessert werden soll. Der Elektroschrott wurde bisher entweder auf Deponien gelagert oder in Entwicklungsländer verschifft, da die Recyclingkosten in Europa verhältnismäßig hoch sind.

Die neue WEEE-Richtlinie sieht vor, dass EU-Länder ab 2016 von 100 Tonnen verkauften Elektroartikeln 45 Tonnen Elektroschrott wiederverwerten müssen. Ab 2019 soll dieser Anteil auf 65 Prozent der Verkäufe ansteigen – das entspricht 85 Prozent des entstehenden elektronischen Abfalls. Neuere EU-Mitgliedsstaaten erhalten eine Fristverlängerung bis 2021. Sämtliche EU-Länder müssen die Richtlinie bis zum 14. Februar 2014 in ihre nationalen Gesetzgebungen übernehmen.

EURACTIV/pat

Links

EURACTIV Brüssel: African nations vow tougher stance on dumping of electronic waste (8. August 2013)

Bamako Convention

Basel Action Network

Richtlinie über Elektro- und Elektronikaltgeräte (WEEE)

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