Wiederbelebung von Gasbohrprojekten in ganz Europa

Während die EU-Kommission drei Hauptwege zur Verringerung der russischen Energieabhängigkeit aufgezeigt hat - Energieeinsparungen, erneuerbare Energien und Diversifizierung -, haben sich viele Länder für ihre eigenen Methoden entschieden, zu denen auch die Wiederbelebung von Projekten für fossile Brennstoffe gehört. [Shutterstock/James Jones Jr]

Neben der Diversifizierung, dem Energiesparen oder der Förderung erneuerbarer Energien haben sich einige Länder dafür entschieden, bestehende Gasbohrstellen auszubauen oder bisher nicht genutzte Reserven zu erschließen. Dies geschieht im Zuge der Vorbereitungen der EU, ihre Abhängigkeit von russischem Gas zu beenden.

Während die EU-Kommission drei Hauptwege zur Verringerung der russischen Energieabhängigkeit aufgezeigt hat – Energieeinsparungen, erneuerbare Energien und Diversifizierung -, haben sich viele Länder für ihre eigenen Methoden entschieden, zu denen auch die Wiederbelebung von Projekten für fossile Brennstoffe gehört.

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat die EU-Mitgliedstaaten kürzlich davor gewarnt, bei ihren langfristigen Bemühungen um eine Verringerung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe zurückzustecken, als sich eine Handvoll Länder nach der Entscheidung Russlands, ihre Gaslieferungen einzuschränken, der Kohle zuwandten.

Andere Länder beschlossen, ihre Gasbohrungen zu beschleunigen oder auszuweiten, und machten eine Kehrtwende von früheren Entscheidungen gegen solche Bohrungen.

Ein Beispiel ist das gemeinsame niederländisch-deutsche Bohrprojekt in der Nordsee. Das Projekt ist bereits seit einiger Zeit geplant, aber die niedersächsische Landesregierung hatte sich zuvor gegen die Erteilung von Genehmigungen entschieden.

Das niederländische Ministerium teilte jedoch kürzlich mit, dass in Niedersachsen „aufgrund des Krieges in der Ukraine nun eine andere Entscheidung getroffen wird“. Die Bohrungen sollen im Jahr 2024 beginnen.

Gesperrte Reserven?

Auch in Italien wird die Ausweitung der Gasbohrungen vorangetrieben. Italien fördert jährlich etwa 3,3 Milliarden Kubikmeter Gas.

Die Regierung schätzt, dass im italienischen Untergrund Reserven von 70-90 Milliarden Kubikmetern vorhanden sind. Allerdings sind die Reserven derzeit gesetzlich verschlossen, und das Gas kann nicht gefördert werden.

Als Reaktion auf die Energiekrise und die steigenden Energierechnungen hat die Regierung des italienischen Ministerpräsidenten Mario Draghi im Februar Überlegungen zu einer Verdoppelung der Förderung angestellt.

Der Krieg in der Ukraine hat die Diskussion über die Energiestrategie des Landes zur Ausbeutung seiner Ressourcen beschleunigt. Nachdem Gazprom die Lieferungen an Italien eingestellt hatte, öffnete sich der Umweltminister Roberto Cingolani für eine Überprüfung der Bohraktivitäten und nannte es einen „Fehler, dass wir von 20 Prozent inländischem Gas im Jahr 2000 auf 3-4 Prozent im Jahr 2020 gegangen sind“.

Rumänien ist der größte Ölproduzent unter den EU-Mitgliedstaaten und verfügt auch über nachgewiesene Offshore-Gasreserven. Bis April waren diese Reserven verschlossen.

Die Regierungskoalition stimmte jedoch einer Änderung des Offshore-Gesetzes zu und erlaubte Investoren die Ausbeutung der Reserven.

Norwegen ist traditionell der zweitwichtigste Gaslieferant für die EU. Nach dem Einmarsch in der Ukraine versprach Norwegen, die EU dabei zu unterstützen, ihre Abhängigkeit von russischem Gas zu verringern.

Um das russische Gas zu ersetzen, genehmigte die norwegische Regierung eine Erhöhung der Produktion, was bei der linken Opposition auf starke Ablehnung stieß, da sie vor der Bindung von Investitionen in fossile Brennstoffprojekte warnten.

Kleine Länder, große Träume

Pläne für Gasbohrprojekte gibt es nicht nur in großen Ländern mit einer Bohrtradition, sondern auch in kleineren Ländern.

In der Slowakei wurde vor einigen Jahren ein Gasvorkommen entdeckt, das Schätzungen zufolge etwa zehn Prozent des Inlandsverbrauchs abdecken könnte.

In der Vergangenheit wurden die Bohrungen von Umweltschützern heftig bekämpft, die das Projekt für schädlich und unnötig hielten. Der Krieg hat dies geändert und das Projekt ist wieder auf dem Tisch.

Nach Angaben von Investoren könnten die Bohrungen in zwei Jahren beginnen, wenn alles wie geplant verläuft. Regierungsvertreter haben das Projekt nicht ausgeschlossen.

Albanien verbraucht derzeit kein Gas. Das Land verfügt jedoch über Reserven, und die Regierung drängt auf eine Vergasung sowohl bei der Produktion als auch bei der Energienutzung.

Doch nicht alle

Trotz dieser Initiativen haben sich nicht alle Länder für die Nutzung ihrer Gasreserven entschieden.

Bulgarien verfügt über schätzungsweise 480 Milliarden Kubikmeter Schiefergas, doch die derzeitigen Rechtsvorschriften verhindern den Abbau. Die Regierung hat auch nicht die Absicht, den Status quo zu ändern.

Frankreich verfügt über ein beträchtliches Potenzial an Reserven sowohl Offshore als auch Onshore, aber wie in Bulgarien oder Italien verbietet das Gesetz die Erteilung neuer Genehmigungen.

Mit der bemerkenswerten Ausnahme des Abgeordneten David Habib, der sich für die Wiedererschließung der Gasfelder im Elsass einsetzt, gibt es keinen Anstoß, die Situation zu ändern.

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