Solarenergie kommt in Klimaplänen der französischen Kandidaten kaum vor

"Im Allgemeinen haben die meisten Kandidaten keine quantifizierten Ziele angegeben", was die Möglichkeit erschwert, die Umsetzung ihrer Programme objektiv zu bewerten", so Nguyen, Forscher für europäische und französische Energiepolitik am Jacques Delors Institut. [Esther Snippe]

Der Ausbau der Solarenergie in Frankreich wird in den nächsten fünf Jahren wohl kaum zunehmen, da die meisten Präsidentschaftskandidat:innen dem Thema trotz der positiven Wahrnehmung durch die Wählerschaft keine Priorität eingeräumt haben. EURACTIV Frankreich berichtet.

Obwohl Frankreich im Durchschnitt 200 Sonnentage im Jahr genießt, ist die Solarstromtechnologie noch immer nicht weit verbreitet.

Im Jahr 2021 machte Photovoltaik-Energie drei Prozent der Stromerzeugung aus, was 13,6 Terawattstunden (TWh) entspricht. Obwohl diese Zahl sehr niedrig ist, stieg die Produktion im Vergleich zum Vorjahr an, als sie 2,5 Prozent betrug (12,6 TWh).

„Bis zum Jahr 2021 hat Frankreich im Laufe eines Jahres bestenfalls zwei Gigawatt (GW) an Solarstrom installiert. Dieser ‚Rekord‘ wurde 2021 mit einem Einsatz von 2,7 GW gebrochen, was ermutigend ist, auch wenn es nicht ausreicht“, unterstreicht Phuc-Vinh Nguyen, Forscher für europäische und französische Energiepolitik am Jacques Delors Institut.

Im Vergleich dazu hat Deutschland zwischen 2014 und 2021 jährlich 5 GW an Photovoltaikanlagen installiert.

„Das Potenzial der Sonnenaussetzung ist hier jedoch viel größer als in Deutschland“, sagte Nguyen gegenüber EURACTIV.

Positiv gesehen

In einer Umfrage unter dem Titel „Die Franzosen und die Umwelt“, die 2018 von der französischen Agentur für die ökologische Wende (Ademe) durchgeführt wurde, gaben 63 Prozent der Befragten an, dass die Solarenergie die erneuerbare Energie ist, die in Frankreich vorrangig ausgebaut werden sollte.

Doch wie lässt sich eine derart große Kluft in der Verbreitung von Solarenergie in Frankreich im Vergleich zu Deutschland erklären?

„Das Haupthindernis für die Entwicklung der Solarenergie ist der mit jedem Antrag verbundene Verwaltungsaufwand“, sagt Nguyen. Das Ziel des mehrjährigen Energieprogramms für 2023 ist es jedoch, 20,1 GW an Solarenergie zu erreichen“, erklärt der Forscher. „Das bedeutet, dass in den Jahren 2022 und 2023 3,5 GW pro Jahr installiert werden müssen, um die Zielvorgaben zu erfüllen.“

Dennoch haben die meisten Präsidentschaftskandidat:innen in ihren Wahlprogrammen keine konkreten Zusagen zur Solarenergie gemacht.

Bundesregierung will Klimaretter Solarzellen und Moorböden kombinieren

Für die grün geführten Klimaschutz-, Agrar- und Umweltministerien ist es ein großer Coup: Landwirtschaft soll mit erneuerbaren Energien kombiniert werden. Die für die Umwelt kritischen Moorböden sollen mit Agri-Solarzellen verbunden werden.

Keine konkreten Ziele

Jean-Luc Mélenchon – Kandidat der Linksaußenpartei La France Insoumise („Unbeugsames Frankreich“), hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien zu setzen, gibt aber keine quantifizierten Ziele in diesem Bereich an. In seinem Wahlprogramm heißt es lediglich, dass er „die Nutzung der verschiedenen Energiequellen, die für die klimatischen und geografischen Bedingungen am besten geeignet sind“, landesweit fördern will.

Emmanuel Macron hat einen klareren Vorschlag, nämlich „eine Verzehnfachung unserer Solarenergie.“ Der Kandidat „bleibt im Rahmen seiner fünfjährigen Amtszeit bei einem moderaten Ziel und strebt 100 GW im Jahr 2050 an, das heißt eine Verlängerung der Rate von +3 GW/Jahr“, fügt Nguyen hinzu.

Was Les Républicains-Kandidatin Valérie Pécresse betrifft, so hat sie keine besonderen Pläne für die Solarenergie. Sie möchte lediglich die erneuerbaren Energien zusätzlich zur Kernenergie ausbauen, indem sie die Entscheidungsfindung dezentralisiert.

Marine Le Pen (Chefin des rechtsextremen Rassemblement National) erklärte am 2. April auf Twitter, sie wolle „ein Moratorium für Solar- und Windenergie, zwei intermittierende Energiequellen, die sich als ineffizient und extrem teuer erwiesen haben.“

Nach Ansicht von Nguyen ist ihre Position jedoch schwer nachvollziehbar. „Der Verzicht auf Solarenergie würde bedeuten, dass die Klimaneutralitätsziele nicht erreicht werden und dass ein bestehendes und zukünftiges Arbeitsplatzangebot in Frankreich zerstört wird.“

Schließlich soll auch der umstrittene Rechtspopulist, Éric Zemmour, laut den Shifters, einer Gruppe von Freiwilligen des Think-Tanks Shift Project, die die Wahlprogramme der Kandidat:innen zu Energie- und Klimafragen analysiert haben, gegen die Solarenergie sein.

„Im Allgemeinen haben die meisten Kandidaten keine quantifizierten Ziele angegeben“, was die Möglichkeit erschwert, die Umsetzung ihrer Programme objektiv zu bewerten“, so Nguyen.

Greenpeace Frankreich verwies auf die Schlussfolgerungen des dritten Teils des Berichts des Weltklimarats (IPCC), der am 4. April veröffentlicht wurde. Er erinnerte daran, dass „Energieeffizienz, die Reduzierung der Energienachfrage und die Entwicklung von Solar- und Windenergie der Schlüssel zum Kampf gegen den Klimawandel im Energiebereich sind.“ Daher scheint es wichtiger denn je, den politischen Willen im Bereich der Solarenergie zum Ausdruck zu bringen.

[Bearbeitet von Alice Taylor]

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