Slowakei setzt auf Geothermie um Kreml-Abhängigkeit zu mindern

Die Geothermie ist die letzte aller erneuerbaren Energiequellen, die im Energiemix der inländischen Stromerzeugung nicht vertreten ist, obwohl Experten auf ihr großes Potenzial hinweisen. Derzeit wird die Geothermie nur in einem kleinen Teil der Ostslowakei zum Heizen genutzt. [Shutterstock/Johann Helgason]

Bemühungen um eine geringere Abhängigkeit von russischer Energie beschleunigen lokale Geothermieprojekte in der Slowakei, die bereits vor dem Einmarsch in die Ukraine in Schwung gekommen waren.

Jetzt investiert schon eine der Holdings des wichtigsten Stromversorgers in der Slowakei, die SSE Holding, in das Pilotprojekt eines geothermischen Kraftwerks in der slowakischen Stadt Žiar nad Hronom. SSE ist sowohl in staatlichem Besitz, als auch der EPH-Gruppe des tschechischen Milliardärs Daniel Křetinský.

Ursprünglich hatte der Energieversorger PW Energy das Pilotprojekt gestartet, am Donnerstag gab allerdings EPH bekannt, dass es nun Miteigentümer des kleineren Unternehmens ist. Jetzt soll das Projekt von 13 auf 20 Megawatt aufgestockt werde.

Die Geothermie ist die letzte aller erneuerbaren Energiequellen, die im Energiemix der slowakischen Stromerzeugung nicht vertreten ist, obwohl Experten auf ihr großes Potenzial hinweisen. Derzeit wird die Geothermie nur in einem kleinen Teil der Ostslowakei zum Heizen genutzt.

„Der Krieg in der Ukraine zeigt, dass die Abkehr von fossilen Brennstoffen nicht nur ein Umwelt-, sondern auch ein Sicherheits- und strategisches Interesse der Slowakei ist. Es gibt ein riesiges Potenzial für geothermische Energie unter dem Erdboden, aber der Staat nutzt es kaum“, sagte Michal Mašek von PW Energy.

Das geothermische Potenzial der Slowakei wird auf 5.500 Megawatt geschätzt. Wenn es voll ausgeschöpft würde, könnte die Slowakei Hunderttausende von Haushalten mit Wärme und in geringerem Umfang auch mit Strom versorgen.

Die Slowakei verschläft womöglich das Potenzial der Geothermie, was daran deutlich wird, dass sie in keinem ihrer Strategiedokumente Erwähnung findet.

Angesichts des Krieges in der Ukraine spricht die EU-Kommission nun jedoch offener über das geothermische Potenzial. Nach Ansicht von Energiekommissarin Kadri Simson könnte die Geothermie in Zukunft vor allem für Heizzwecke, aber auch für die Stromerzeugung genutzt werden.

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