Sicherheitsbedenken: Ein Hindernis für Wasserstoff?

"Für die erfolgreiche Entwicklung einer EU-Wasserstoffwirtschaft müssen hohe Sicherheitsstandards festgelegt werden", sagt Angelika Niebler, deutsche Gesetzgeberin von der Europäischen Volkspartei (EVP). [Jackthumm / Shutterstock]

Die hohe Entflammbarkeit von Wasserstoff – einem farb-, geruch- und geschmacklosen Gas – hat die EU-Gesetzgeber dazu veranlasst, mehr gegen potenzielle Sicherheitsprobleme vorzugehen, damit die Marktakzeptanz dieses recht neuartigen Energieträgers nicht behindert wird.

Die Europäische Kommission betrachtet sauberen Wasserstoff als „ein wichtiges fehlendes Puzzleteil“, um Schwerindustrien wie die Stahlerzeugung zu dekarbonisieren und der EU zu helfen, ihr Klimaneutralitätsziel für 2050 zu erreichen.

Ein zentrales Thema ist jedoch die Sicherheit: Das Gas ist leicht entflammbar, so dass für den Transport und die Verwendung strenge Protokolle eingehalten werden müssen.

„Für die erfolgreiche Entwicklung einer EU-Wasserstoffwirtschaft müssen hohe Sicherheitsstandards festgelegt werden“, sagt Angelika Niebler, eine deutsche Gesetzgeberin der Europäischen Volkspartei (EVP), der Mitte-Rechts-Fraktion im Europäischen Parlament.

Technologien müssen zunächst sicher sein, wenn man ihnen vertrauen soll, sagte sie gegenüber EURACTIV.

Niebler gehört zu den Gesetzgebern, die einen Bericht des EU-Parlaments über die von der Europäischen Kommission vorgeschlagene Wasserstoffstrategie verfasst haben, der im Juli letzten Jahres vorgelegt wurde.

Das Europäische Parlament ist „fest davon überzeugt, dass die öffentliche Akzeptanz der Schlüssel zum erfolgreichen Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft ist“, heißt es in dem Bericht. Zusätzlich werden Maßnahmen zur Förderung einer starken Sicherheitskultur in der Wasserstoff-Wertschöpfungskette gefordert.

Andere EU-Gesetzgeber scheinen weniger besorgt zu sein. „Die Industrie hat jahrzehntelang Wasserstoff produziert und gehandhabt“, sagt Jens Geier, ein deutscher Gesetzgeber von den Sozialisten und Demokraten (S&D), der der Hauptautor des Parlamentsberichts war.

„Daher ist das Fachwissen für Sicherheitsstandards in Bezug auf die Verwendung von Wasserstoff bereits vorhanden“, so der deutsche Abgeordnete gegenüber EURACTIV.

Wasserstoff ist keine neue Technologie. Aber er hat aufgrund seiner hohen Entflammbarkeit und der Assoziation mit der Wasserstoffbombe und der Hindenburg-Katastrophe – dem berühmten Zeppelin LZ 129, der 1937 während einer Flugschau in Deutschland in Flammen aufging – unter Imageproblemen gelitten.

Angesichts der Bedeutung von Wasserstoff für die Dekarbonisierung der Industrie haben die politischen Entscheidungsträger verschiedene Initiativen gestartet, um sicherzustellen, dass die Herstellung, der Transport und die Verwendung von Wasserstoff so sicher wie möglich sind.

Mehr Sicherheit für die Industrie

Um Sicherheitsaspekte in Angriff zu nehmen, beauftragte die Europäische Kommission ihre öffentlich-private Partnerschaft, das Gemeinsame Unternehmen für Brennstoffzellen und Wasserstoff (FCH JU), mit der Einrichtung eines Expertengremiums. Dieses soll sicherstellen, dass „die Wasserstoffsicherheit angemessen behandelt und verwaltet wird“.

Das 2017 gegründete Europäische Gremium für Wasserstoffsicherheit (European Hydrogen Safety Panel, EHSP) hat zwei Hauptziele: die Behandlung der Wasserstoffsicherheit sowie die Verbreitung von Wissen und einer Sicherheitskultur in der Wasserstoff-Wertschöpfungskette.

Während große Unternehmen in der Regel über strenge Sicherheitsprotokolle verfügen, zielt das FCH JU darauf ab, Protokolle für einen sicheren Umgang zu entwickeln, die für jeden, der mit Wasserstoff umgeht, frei verfügbar sind – auch für kleine Unternehmen.

Das EHSP arbeitet mit der Gemeinsamen Forschungsstelle (GFS) der Kommission zusammen, um die Sicherheitsrisiken von Wasserstoff besser zu verstehen. Zu diesem Zweck haben die beiden eine Datenbank eingerichtet, in der wasserstoffbedingte Unfälle aus der Zeit vor 1990 erfasst werden.

In der Europäischen Datenbank für Wasserstoffzwischenfälle und -unfälle (HIAD 2.0) wurden bis zu ihrem letzten Bericht am 21. September fast 600 Ereignisse erfasst.

Die immense Ansammlung von Daten und ihre anschließende Analyse haben wertvolle Erkenntnisse gebracht. Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist, dass mehr als ein Viertel der wasserstoffbedingten Unfälle durch bessere Schulung und Ausbildung hätten verhindert werden können.

Die Kostenfrage

Aus- und Weiterbildung wird auch als kosteneffiziente Lösung in der Debatte zwischen Sicherheit und Marktfähigkeit angesehen.

„Es gibt immer einen Kompromiss zwischen Sicherheit und Kosten“, sagte Garcia Hombrados, Diejenigen, die auf möglichst strenge Sicherheitsvorschriften drängen, machen die Vermarktung von Wasserstoff zu teuer, erklärte er weiter.

„Dies ist ein klassischer Optimierungskonflikt“, fügte Georg Mair, Mitglied der EHSP, hinzu. Unfälle um jeden Preis zu verhindern, sei keine wirtschaftlich tragfähige Lösung, sagte er und forderte einen effektiveren „Safety-first“-Ansatz.

[Bearbeitet von Frédéric Simon]

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