Putin belohnt Serbien mit vorteilhaftem Gasvertrag

Zwar betonte Vučić, dass Serbiens Gaspreise weiterhin durch eine Formel berechnet werden, die auf den Preisen des Weltmarktes basiert, im Vergleich zu anderen europäischen Staaten fallen die Gaspreise allerdings wesentlich günstiger aus. [EPA-EFE/ANDREJ CUKIC]

Während Russland inmitten des Krieges in der Ukraine seine Gasimporte vermehrt als politische Waffe gegen unangenehme Regierungen einsetzt, belohnte der Kreml die russlandfreundliche Haltung Serbiens mit einem vorteilhaften Gasvertrag.

Das am Sonntag vereinbarte neue Gasabkommen zwischen Serbien und Russland wartet hierbei mit im internationalen Vergleich sehr günstigen Konditionen auf.

Die Einzelheiten des Abkommens werden in den kommenden Tagen bekannt gegeben, so Präsident Aleksandar Vučić nach einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten.

Zwar betonte Vučić, dass Serbiens Gaspreise weiterhin durch eine Formel berechnet werden, die auf den Preisen des Weltmarktes basiert, im Vergleich zu anderen europäischen Staaten fallen die Gaspreise allerdings wesentlich günstiger aus.

Serbien habe so den bei weitem günstigsten Gaspreis in Europa erhalten, sagte der Präsident und verwies auf das „sehr gute Gespräch über mehrere Themen, von denen das wichtigste unsere bilateralen Beziehungen und der Gasvertrag waren.“

„Wir werden einen Dreijahresvertrag unterzeichnen und morgen oder übermorgen werden wir über die Gasmenge sprechen. Serbien braucht große Mengen an Gas, aber, wenn ich so sagen darf: Wir werden einen sicheren Winter haben. Wie viel das Gas kosten wird, hängt von weiteren Gesprächen ab“, sagte Vučić.

Der Preis, den Serbien für das Erdgas an die russische Firma Gazprom zahlen würde, betrage ein Drittel des Preises, der derzeit von anderen europäischen Ländern gezahlt wird, so Serbiens Präsident.

Der Preis könnte während des Winters auf ein Zehntel oder ein Zwölftel davon sinken. Die Preise dürften dann zwischen 340 und 350 Dollar für 1.000 Kubikmeter liegen, fügte er hinzu.

Die Energiewirtschaft Serbiens ist mit Russland eng verflochten.

Gazprom ist der Mehrheitseigentümer der serbischen Erdölindustrie, entweder direkt oder über Tochterunternehmen. Außerdem ist Gazprom der einzige Erdgaslieferant in Serbien und Haupteigentümer der beiden Pipelines, die russisches Gas nach Serbien liefern.

Serbien hat sich seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine geweigert, sich den EU-Sanktionen gegenüber Russland anzuschließen. Zwar verurteilte das westliche Balkanland den Einmarsch Russlands aufgrund von Druck der EU und der USA in der entsprechenden UN-Resolution, trotz der formalen Verurteilung stärkt Vučić Russland jedoch weiterhin den Rücken und hält an der engen Zusammenarbeit mit dem Kreml fest.

Die beiden Staatsoberhäupter tauschten ihre Meinungen zudem zu einer Reihe von weiteren Themen aus, darunter die Lage in der Ukraine und die Ereignisse im Kosovo.

Überdies bekräftigten die beiden Staatsoberhäupter „die gegenseitige Bereitschaft“, die strategische Partnerschaft ihrer Länder auf der Grundlage der traditionell engen Beziehungen zwischen den beiden Nationen konsequent zu stärken, so der Kreml in einer Pressemitteilung.

Borrell warnt Belgrad: Serbiens Russland-Politik nicht mit EU vereinbar

Der EU-Spitzendiplomat Josep Borrell hat endlich klargestellt, dass die Nichtanpassung Serbiens an die EU-Außenpolitik „nicht mehr“ mit den Ambitionen des Landes auf einen Beitritt zur Union vereinbar ist.

Für die EU ist der pro-russische Kurs Vučićs besonders problematisch, da Serbien eines der EU-Kandidatenländer am westlichen Balkan ist. Aufgrund des Kandidatenstatus erwartet man sich in Brüssel daher, dass sich Serbien mit der EU bei deren Russlandpolitik eng koordiniert.

Erst Mitte Mai fand der EU-Chefdiplomat Josep Borrell daher sehr deutliche Worte gegenüber der serbischen Zurückhaltung.

„Für mich ist klar […], dass die Aufrechterhaltung enger Beziehungen zum Regime von Putin nicht länger mit dem Aufbau einer gemeinsamen Zukunft mit der Europäischen Union vereinbar ist,“ sagte Borrell.

Moldau unter Druck

Putin hat die Regulierung der Gaspreise seit Ausbruch des Krieges dazu benutzt, unliebsame Regierungen abzustrafen. So warnte etwas das Europäische Parlament Anfang Mai, dass Putin die Gaspreise als politische Waffe einsetze.

Besonders hart trifft die russische Gaspolitik hierbei Moldau. Das pro-europäische Land, das erst vor kurzem einen Antrag auf EU-Mitgliedschaft, stellte, ist zu 100 Prozent von russischem Gas abhängig.

Aufgrund der pro-europäischen Haltung Moldaus, hat der Kreml die Gaspreise ordentlich nach oben geschraubt. Zwischen September und April sind die Gaspreise in Moldau daher um  360 Prozent gestiegen.

Während Moldau im April 1.193 Dollar per 1000 Kubikmeter Gas zahlen musste, wird Serbien unter dem neuen Gasvertrag mit Russland lediglich 350 Dollar für dieselbe Menge bezahlen.

Moldau wirbt um finanzielle Unterstützung in Berlin

Auf einer heute stattfindenden Geberkonferenz wirbt das an der ukrainischen Grenze liegende Moldau um finanzielle Unterstützung. Dem ärmsten Land Europas droht aufgrund der Folgen des Krieges der wirtschaftliche Kollaps.

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