Die Wahl einer neuen Regierung in Polen hat es dem Land ermöglicht, sein von Kohle abhängiges Energiesystem in Angriff zu nehmen. Zudem konnte Polen dadurch mit den EU-Klimazielen in Einklang gebracht werden.
Nach acht Jahren an der Macht verlor die nationalkonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PIS) Jahr 2023 gegen die konservativ-liberale Opposition. Die neue Regierung, die hofft, Polen auf einen grünen Weg zu bringen, steht vor einer großen Herausforderung.
„Wir haben eine sehr schwierige Ausgangslage, denn wir haben die Ziele für 2020, einschließlich der Ziele für erneuerbare Energien, nur knapp geschafft“, sagte der polnische Staatssekretär für Klima und Umwelt, Krzysztof Bolesta, auf einer Bloomberg-Konferenz in Brüssel am 4. Februar.
Kohle macht 70 Prozent der in Polen erzeugten Elektrizität aus und fast die Hälfte der polnischen Haushalte heizt mit ihr. Der Kohlebergbau ist nach wie vor ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in ländlichen Gebieten.
Obwohl das offizielle Datum für den vollständigen Ausstieg aus der Kohle das Jahr 2049 ist, unterliegt die Einführung erneuerbarer Energiequellen weiterhin administrativen Hindernissen.
Das hat zur Folge, dass Polen trotz eines Bevölkerungsanteils von nur acht Prozent der EU-Bevölkerung zwölf Prozent der CO2-Emissionen der Union verursacht. „Wir müssen überall handeln“, erklärte Bolesta.
Prioritäten der neuen Regierung und Ausstieg aus der Kohle
Polens Luft ist durch einen fossilen Brennstoff vergiftet, der als „schmutzig“ gilt. Bolesta sagte: „Das zu ändern hat oberste Priorität, denn man kann nicht in einem Land leben, das einen im Grunde umbringt.“
Das Programm „Saubere Luft“ zielt darauf ab, Smog-Episoden in Polen zu beseitigen. Es verfügt über ein Budget von 25 Milliarden Euro bis 2030, wobei ein Teil dieser Mittel von der EU kommt. Es wird strengere Normen einführen, aber auch umfangreichere Investitionen in erneuerbare Energien, Energiespeicherung und die Elektrifizierung des öffentlichen Verkehrs auf lokaler Ebene umfassen.
Eine weitere politische Priorität der neuen Regierung ist die Vorlage eines Aktionsplans für die Elektrifizierung des Landes mit einem Ziel von 35 Prozent bis 2030.
In den meisten Wirtschaftssektoren gilt die Elektrifizierung aufgrund ihrer positiven Auswirkungen auf die Luftqualität als beste Option. Allerdings wird der Strombedarf steigen, der derzeit durch Kohlekraftwerke gedeckt wird.
„Polen befindet sich in einer schwierigen Situation, denn wir müssen aus der Kohle aussteigen und gleichzeitig eine Überinvestition in Gas vermeiden“, erklärte die Präsidentin des Think-Tanks Forum Energii, Joanna Maćkowiak-Pandera.
Lösungen für den Wandel
Der neue polnische Energie- und Klimaplan für 2030 sieht vor, dass der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung mindestens 50 Prozent und am Endenergieverbrauch 30 Prozent betragen soll.
Bei den Parlamentswahlen versprach Ministerpräsident Donald Tusk jedoch, bis 2030 einen Anteil von 68 Prozent an erneuerbarer Elektrizität zu erreichen.
„Es muss ein Portfolio von Lösungen sein“, sagte Bolesta. Die enorme Aufgabe, Polen zur Klimaneutralität zu führen, erlaube es nicht, sich sofort auf den Strom zu konzentrieren. Für Warschau heißt das: Atomkraft.
Der Bau des ersten polnischen Atomkraftwerks soll 2026 beginnen. Bis 2033 soll das Kraftwerk ans Netz gehen. Es soll in der Nähe von Choczewo an der Ostsee errichtet werden.
Die Regierung setzt auch auf die Windenergie. Frühere Regierungen hatten diese Technologie eingeschränkt, indem sie den Bau von Turbinen verboten, weil sie zu nahe an Wohngebieten standen. Nach einigem Druck seitens der EU wurde das Verbot gelockert.
Die Windkraftindustrie hofft, dass die neue Warschauer Regierung die Mindestabstände weiter verringern wird. Dadurch könnte die für Windkraftanlagen an Land zur Verfügung stehende Fläche verdoppelt werden.
Bolesta kündigte auch an, dass Polen in Technologien zur CO2-Entnahme und in Biomethan investiert. Für Letzteres gibt es aufgrund der großen Agrarindustrie in Polen ein erhebliches Potenzial.
[Bearbeitet von Rajnish Singh und Nikolaus J. Kurmayer]

