Habeck in Niedersachsen: „Rammschlag“ für Unabhängigkeit von Russland

Deutschland hat sich vier schwimmende LNG-Terminals zugelegt, um russisches Erdgas so schnell wie möglich zu ersetzen. [EPA-EFE/Marcin Bielecki POLAND OUT]

Angesichts des anhaltenden Ukrainekrieges sucht die deutsche Regierung nach Alternativen zu russischem Pipeline-Gas. Schwimmende Tanker, die für die Verarbeitung von LNG verschiedener Lieferanten umfunktioniert wurden, bieten die Lösung.

Um Gas über große Entfernungen transportieren zu können, muss es auf -160° Celsius abgekühlt werden, wobei sich sein Volumen um ein Sechshundertstel reduziert und in einem als Verflüssigung bezeichneten Prozess zu Flüssigerdgas (LNG) wird.

Um den fossilen Brennstoff für energetische Zwecke nutzen zu können, bedarf es anschließend einer Regasifizierung, für die ein spezielles Terminal benötigt wird. Dessen Bau dauert etwa fünf Jahre.

Angesichts der Notwendigkeit, Alternativen zur russischen Energie zu finden, setzt die deutsche Regierung auf flexiblere schwimmende Terminals und Onshore-Anlagen. „Auf dem Weg aus der Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen sind wir in Niedersachsen bereit, Verantwortung zu übernehmen“, erklärte der niedersächsische Energieminister Olaf Lief.

Das Bundesland wird mindestens ein Onshore- und ein schwimmendes LNG-Terminal bekommen, kündigte Vizekanzler Robert Habeck bei seinem Besuch am 5. Mai an. „Wir müssen unsere Energieversorgung auf solidere Säulen stellen – heute mehr denn je“, so Habeck. Er fügte hinzu, dass neben dem Aufbau einer LNG-Importstruktur auch der Ausbau der erneuerbaren Energien unerlässlich sei.

Durch das „maximal pragmatische Handeln“ aller Akteure würde die Abhängigkeit von Russland rasch voranschreiten, erklärte Habeck in Wilhelmshaven.

Bei den schwimmenden Speicher- und Regasifizierungsanlagen handelt es sich häufig um ehemalige Supertanker. Während für Terminals an Land strenge Bauvorschriften gelten, ist für schwimmende Terminals lediglich ein Tiefwasserhafen erforderlich, der große Schiffe aufnehmen kann.

Deutschland plant, sein erstes Terminal in Wilhelmshaven noch in diesem Jahr in Betrieb zu nehmen, was die Einfuhr von mehr als 5 Milliarden Kubikmetern pro Jahr ermöglichen würde. Das zweite Schiff, ebenfalls von der norwegischen Firma Hoegh, soll bis Anfang 2023 in Betrieb genommen werden.

Zusammen genommen könnten sie den Import von 10 bis 14 Milliarden Kubikmetern Erdgas ermöglichen, teilte der Energieversorger RWE mit. „Bereits im nächsten Jahr wird es dadurch möglich sein, einen Teil des russischen Erdgases zu ersetzen“, erklärte Andree Stracke, Vorsitzender des Bereichs Handel und Versorgung bei RWE.

Uniper wird im Auftrag der deutschen Regierung zwei weitere Terminals vom griechischen Unternehmen Dynagas übernehmen.

Sobald die griechischen Anlagen im kommenden Jahr in Betrieb sind, wird Deutschland über eine jährliche Regasifizierungskapazität von mindestens 20 Milliarden Kubikmetern verfügen.

Das entspräche 50 Prozent der deutschen Gaseinfuhren aus Russland aus dem vergangenen Jahr, mit Einsparungen lasse sich so das russische Gas größtenteils ersetzen.

Der temporäre Erwerb der Terminals wird durch die von Finanzminister Christian Lindner zur Verfügung gestellten 3 Milliarden Euro finanziert.

EU-Länder setzen auf schwimmende LNG-Terminals

Der Krieg in der Ukraine hat die Nachfrage nach Flüssigerdgas (LNG) als Ersatz für die russischen Pipeline-Lieferungen in den Mittelpunkt gerückt.

Wachsende Nachfrage

Auch wenn schwimmende Terminals eine schnelle Möglichkeit darstellen, zusätzliche LNG-Importkapazitäten aufzubauen, sind die Märkte weit weniger flexibel.

Bloomberg zufolge waren Ende 2001 weltweit nur insgesamt 48 Terminals in Betrieb. Als Deutschland jedoch begann, Interesse an den Tankern zu zeigen, reihten sich die potenziellen Verkäufer ein, so ein hochrangiger deutscher Beamte gegenüber EURACTIV.

Da Deutschland sich nun aufgrund seiner finanziellen Möglichkeiten vier solcher Schiffe gesichert hat, nimmt der Kampf um die verbleibenden Terminals weiter zu.

[Bearbeitet von Alice Taylor]

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