Gazprom liefert 50% weniger Gas nach Österreich

Auch in Deutschland, Tschechien, Italien, Frankreich und der Slowakei wurden reduzierte Gaslieferungen aus Russland gemeldet. Gazprom begründet die Reduzierung der Liefermengen mit den gegen Russland verhängten Wirtschaftssanktionen. [EPA-EFE/ANATOLY MALTSEV]

Österreich wird den vierten Tag in Folge weniger Gas erhalten, wie der russische Energiekonzern Gazprom am Sonntag mitteilte. Die Nachfrage ist jedoch derzeit gering und die Versorgung zunächst gesichert.

Die österreichische Öl- und Gasgesellschaft OMV erklärte, dass derzeit Käufe auf dem Spotmarkt getätigt würden, um die Versorgung und Speicherung zu sichern.

Der Handel am Spotmarkt, also die kurzfristige Erteilung von Aufträgen, erfolgt zum aktuellen Tagespreis und ist das Gegenstück zum Terminmarkt.

„Seit dem Einmarsch in der Ukraine ist klar, dass Russland kein verlässliches Gegenüber mehr ist“, erklärte Leonore Gewessler, Klimaschutz- und Energieministerin, in ihrem schriftlichen Statement am Samstag (18. Juni). In Österreich sei vor einigen Wochen die Frühwarnstufe für den Gas-Notfallplan ausgerufen worden, so die Ministerin.

Bundeskanzler Karl Nehammer berief am Sonntagabend einen Krisengipfel ein.

Das Klimaschutzministerium, die zuständige Behörde E-Control und der österreichische Gasinfrastrukturbetreiber AGGM sind im täglichen Austausch mit allen Marktteilnehmern sowie internationalen Partnern, um die täglichen Liefermengen, die am Markt verfügbaren Gasmengen und die Preisentwicklung zu beobachten.

Das Ministerium erklärte, der nächste Schritt im Notfallplan sei die Alarmstufe. Dazu gehöre der Aufruf an die Industrie, Gas zu sparen und durch andere Energieträger zu ersetzen.

„Das entscheidende Kriterium ist der Fortschritt beim Speicheraufbau. Wir wollen mit Speichern in den Winter gehen, die zu 80 Prozent befüllt sind. Dann sind wir gut gerüstet. Wenn dieses Ziel gefährdet ist, werden wir Maßnahmen ergreifen“, sagte Gewessler.

Derzeit sind die Gasspeicher zu 41,89 Prozent gefüllt.

Auch in Deutschland, Tschechien, Italien, Frankreich und der Slowakei waren reduzierte Gaslieferungen aus Russland gemeldet worden. Gazprom begründet die Reduzierung der Liefermengen mit den gegen Moskau verhängten Wirtschaftssanktionen.

Wie die russische Nachrichtenagentur RIA berichtet, könnten die Gaslieferungen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 bald ganz eingestellt werden.

Nach Ansicht des deutschen Wirtschaftsministers Robert Habeck handelt es sich dabei nicht um ein technisches Problem, sondern um eine politische Entscheidung. Die vergangenen Tage hätten gezeigt, dass es notwendig sei, die Energieunabhängigkeit von Russland zu sichern.

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