Gas-Lieferstopp: Berlin versetzt Öl- und Kohlekraftwerke in Bereitschaft

Deutschland bemüht sich intensiv darum, genügend Kohle- und Ölkraftwerkskapazitäten bereitzustellen, um russisches Gas ersetzen zu können, falls die Lieferungen ausfallen sollten. [EPA-EFE/SASCHA STEINBACH]

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz will sicherstellen, dass erhebliche Kohle- und Ölkraftwerkskapazitäten für den Fall bereitstehen, dass die russischen Gaslieferungen ausfallen, wie aus einem Plan hervorgeht, der EURACTIV vorliegt.

Die Vorkehrungen deuten darauf hin, dass sich Berlin nach dem Hin und Her um Gazprom Germania und der jüngsten Entscheidung des Kremls, die Lieferungen an drei EU-Länder zu kürzen, auf das Schlimmste vorbereitet.

Deutschland ist nach wie vor sehr stark von russischem Erdgas abhängig. Im Jahr 2021 betrug der Anteil von Erdgas an der deutschen Stromerzeugung etwa 15 Prozent, obwohl der Anteil im Jahr 2022 aufgrund der hohen Preise voraussichtlich etwas geringer sein wird.

Darüber hinaus wird Deutschland am 31. Dezember dieses Jahres seine letzten Kernreaktoren abschalten, was die inländische Stromerzeugung vorübergehend verringern wird.

Um eine ausreichende Stromversorgung zu gewährleisten, steht die Kohle wieder im Mittelpunkt der Diskussion. Rund 6,9 Gigawatt (GW) Steinkohlekraftwerkskapazität, 1,9 GW Braunkohle und 1,6 GW Öl sollten bereitstehen, falls die russischen Gaslieferungen ausfallen, so der Plan des Ministeriums.

Die EU habe „keine andere Wahl“, als weiterhin Kohle zu verbrennen, die bei weitem der kohlenstoffintensivste fossile Brennstoff ist und zur Luftverschmutzung beiträgt, räumte EU-Green-Deal-Chef Frans Timmermans am 18. Mai ein.

Deutschland wird möglicherweise ebenfalls genau das tun müssen. Berlin will zwar ab 2030 ganz aus der Kohle aussteigen, wird aber den Betreibern von Kohlekraftwerken bis zu 1 Milliarde Euro pro Jahr für die Bereithaltung der Anlagen zahlen.

Der Plan sieht vor, dass die Kraftwerksbetreiber verpflichtet werden, ab einem bestimmten Datum den vollen und kontinuierlichen Betrieb aufzunehmen. Im Gegenzug werden ihre Ausgaben bis dahin übernommen. Außerdem werden die Betreiber verpflichtet, ausreichende Mengen an Brennstoff zu lagern.

Inzwischen treibt Deutschland auch den Aufbau der Infrastruktur voran, die für den Import von Flüssigerdgas (LNG) aus Ländern wie Katar, Senegal und den USA erforderlich ist.

Bundeskanzler Olaf Scholz hat bereits sein Interesse an Gasimporten aus dem Senegal bekundet und sagte am 22. Mai: „Es ist eine Angelegenheit, die es sich lohnt, intensiv zu verfolgen, es liegt in unserem gemeinsamen Interesse, hier Fortschritte zu erzielen.“

Insgesamt sollten diese Maßnahmen einen Rückgang der Stromerzeugung verhindern können, sollten die Gaslieferungen aus Russland eingestellt werden.

Um sicherzustellen, dass das verbleibende Gas zum Heizen und für die industrielle Nutzung verwendet wird, wird die deutsche Regierung die gasbefeuerte Stromerzeugung bestrafen.

Dies wird zu einer höheren CO2-Bilanz führen, da die Stromerzeugung aus Kohle und Öl in der Regel doppelt so viel CO2-Äquivalent ausstößt wie die aus Gas.

Damit wird die Klimawirkung der deutschen Energiewende erneut infrage gestellt, die fossiles Gas als Übergang von Kohle- und Atomstrom zu erneuerbaren Energien einsetzen wollte.

EU-Länder setzen auf Kohle aus Sorge um Gasversorgung

Mehrere EU-Länder haben ihre Kohleausstiegspläne auf Eis gelegt, da ihre Fortsetzung bedeuten würde, dass sie auf Erdgasimporte aus Russland angewiesen wären. So wird nun die Ausweitung des Kohleabbaus als die schnellste und praktikabelste Lösung angesehen.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Kira Taylor]

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