„Game-changer“ für geothermische Energie: britische Anlage erschließt riesige Lithiumvorkommen

Das geothermische Kraftwerk United Downs in Cornwall wird voraussichtlich 2022 in Betrieb gehen und könnte bis Ende 2023 1500 Tonnen Lithium produzieren [Geothermal Energy Ltd]

In einem geothermischen Kraftwerk im Vereinigten Königreich wurde die höchste Lithiumkonzentration entdeckt, die jemals in geothermischer Flüssigkeit gefunden wurde. Dieser Fund öffnet die Tür zu einem neuen Geschäftsmodell für die erneuerbare Energiequelle.

Bei Tests, die in diesem Sommer von dritter Seite durchgeführt wurden, wurden mehr als 250 Milligramm Lithium pro Liter der Flüsssigkeit festgestellt. Lithium wird für die zur Übertragung von Wärme aus dem Erdinneren verwendet und ist damit ein entscheidenes Metall für den grünen Wandel.

„Es ist ein echter Wendepunkt für die Industrie, wenn wir sagen können, dass wir nicht nur Strom und Wärme produzieren, sondern auch Lithium, insbesondere kohlenstofffreies Lithium“, sagte der Gründer von Geothermal Energy Ltd, Ryan Law, gegenüber EURACTIV.

Das in Cornwall ansässige Unternehmen hat Pläne für vier neue geothermische Standorte im gesamten Landkreis, die zusammen 45.000 Haushalte mit Strom versorgen sollen. Die Fertigstellung jeder Anlage wird voraussichtlich 18 Monate dauern, und alle sollen bis 2026 in Betrieb sein.

Sobald sie in Betrieb sind, rechnet das Unternehmen mit einer jährlichen Lithiumgewinnung von 4.000 Tonnen. United Downs – die bereits errichtete geothermische Anlage – wird je nach Technologie bis Ende 2023 möglicherweise 1.500 Tonnen produzieren.

Geothermische Energie macht nur einen Bruchteil der in Europa genutzten erneuerbaren Energien aus, obwohl sie im Großteil des Kontinents in irgendeiner Form verfügbar ist. Das liegt zum Teil daran, dass sie extrem hohe Anlaufkosten hat, was sie als Investition weniger attraktiv macht.

Doch nun wächst das Interesse der Investoren an dieser Technologie, zum Teil wegen der Aussicht auf Lithiumgewinnung.

„Es ist eine große Sache, Lithium zu gewinnen, das sowohl unglaublich kohlenstoffarm ist – in unserem Fall kohlenstofffrei – und, aus geopolitischer Sicht, im eigenen Land produziert wird“, so Law.

Lithium wird durch geothermische Flüssigkeit an die Oberfläche gebracht. Im Falle der Anlage in Cornwall handelt es sich um Wasser aus einem unterirdischen Reservoir, das zwischen zwei Bohrlöchern gepumpt wird, um die Wärme an die Oberfläche zu bringen.

Das Wasser kann Temperaturen von fast 200 °C erreichen, steht aber unter einem solchen Druck, dass es flüssig bleibt. Bei dieser hohen Temperatur kann es Mineralien wie Lithium aus dem umgebenden Gestein absorbieren.

Laws Unternehmen erprobt kohlenstofffreie Methoden, um das Lithium aus der Flüssigkeit zu entfernen. Derzeit ist es in der Lage, Extraktionsraten von 95 % zu erreichen, sagt Law.

Die Entdeckung bedeute die Möglichkeit einer großen Verarbeitungsanlage, möglicherweise sogar einer Gigafactory in Cornwall, sagte er gegenüber EURACTIV. Dies wäre eine große Kehrtwende für den Landkreis, der zu den ärmsten Englands gehört. Zudem könnte es eine teilweise Rückkehr zum Bergbau bedeuten, für den die Gegend berühmt-berüchtigt ist.

Laut Cherilyn Mackrory, einer konservativen Abgeordneten aus Cornwall, hat die Bergbaugeschichte neben den Bemühungen des Unternehmens auch dazu beigetragen, die Gemeinde einzubinden.

„Es ist wichtig zu sagen, dass sie die Gemeinde bei diesem Projekt mitgenommen haben, denn dies hätte ein potenziell beängstigendes Projekt für eine lokale, ländliche Gemeinde sein können. Aber die Gemeinde hat sich wirklich engagiert, weil sie die Vorteile der neuen Anlage sieht“, sagte sie gegenüber EURACTIV.

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Es wird erwartet, dass die Nachfrage nach Lithium in den kommenden Jahren aufgrund der Umstellung auf Elektrofahrzeuge stark ansteigen wird. Nach Angaben der von der Regierung unterstützten Faraday Institution wird das Vereinigte Königreich bis zum Jahr 2035 eine Inlandsnachfrage nach Lithium decken müssen, die 59.000 Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent pro Jahr erreichen könnte.

Derzeit sind die fünf größten Lithiumproduzenten Australien, Chile, China, Argentinien und Simbabwe. Importe aus diesen Ländern können jedoch Probleme im Zusammenhang mit Menschenrechtsverletzungen oder der CO2-Bilanz des Lithiums aufgrund der langen Transportwege mit sich bringen.

Aus diesem Grund könnte eine Lithiumversorgung in Cornwall für den Aufbau einer heimischen Lieferkette im Vereinigten Königreich von entscheidender Bedeutung sein, so die Abgeordnete Mackrory.

„Lithium ist ein Mineral der Zukunft – ein entscheidender Bestandteil für die Batterien von Elektroautos und andere Hightech-Anwendungen. Daher wird der Abbau und die Herstellung vor Ort ein wichtiger Motor für die Energiewende sein und Cornwall einen wichtigen Beitrag zur Verwirklichung der Klimaziele des Vereinigten Königreichs leisten“, sagte sie.

Im Rahmen seines Ziels, bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen, plant das Vereinigte Königreich, den Verkauf neuer Benzin- und Dieselfahrzeuge bis 2030 zu beenden und den Verkauf neuer Hybridfahrzeuge bis 2035 auszuschließen.

Auch in Europa wird mit einem enormen Anstieg der Nachfrage nach Lithium gerechnet, wobei das erklärte Ziel darin besteht, bis 2030 eine Flotte von 30 Millionen Elektrofahrzeugen aufzubauen.

Parallel dazu wird die Europäische Union bald Maßnahmen zur Einführung der Rückverfolgbarkeit in den Lieferketten von Lithiumbatterien beschließen, und Law erwartet, dass eine ähnliche Regelung auch im Vereinigten Königreich eingeführt wird.

„Einige der großen Autohersteller, nicht nur Tesla, sondern auch Renault und andere, unterzeichnen bereits Vereinbarungen darüber, wie sie ihr kohlenstoffarmes Lithium beziehen. Sie wissen, was auf sie zukommt – in Europa wird es schon bald nicht mehr möglich sein, eine Lithiumbatterie mit hohem Kohlenstoffgehalt zu produzieren“, sagte er.

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[Bearbeitet von Frédéric Simon]

 

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