EastMed-Gaspipeline: Griechenland entrüstet nach US-Rückzug

"Wir setzen uns weiterhin für die Vernetzung der Energie aus dem östlichen Mittelmeerraum an Europa ein. Wir verlagern unseren Schwerpunkt auf Stromverbindungsleitungen, die sowohl Gas als auch erneuerbare Energiequellen unterstützen können", so das US-Außenministerium [Shutterstock/Dabarti CGI]

Die Vereinigten Staaten unterstützen den Bau der EastMed-Gaspipeline nicht mehr, da sich das Interesse Washingtons nun auf erneuerbare Energiequellen verlagert, heißt es in einer Erklärung des amerikanischen Außenministeriums. Griechischen Medien zufolge profitiert die Türkei von diesem Schritt.

„Wir setzen uns weiterhin für die Vernetzung der Energie aus dem östlichen Mittelmeerraum mit Europa ein. Wir verlagern unseren Schwerpunkt auf Stromverbindungsleitungen, die sowohl Gas als auch erneuerbare Energiequellen unterstützen können“, so das US-Außenministerium.

Die Erklärung fügte hinzu, dass in einer Zeit, in der die Energiesicherheit Europas mehr denn je eine Frage der nationalen Sicherheit sei, „wir uns verpflichtet haben, unsere regionalen Beziehungen zu vertiefen und saubere Energietechnologien zu fördern“.

Die USA unterstützen nun Projekte wie die geplante EuroAfrica-Unterwasser-Stromverbindung von Ägypten nach Kreta und zum griechischen Festland sowie die vorgeschlagene EuroAsia-Verbindungsleitung, die die Stromnetze Israels, Zyperns und Europas miteinander verbinden soll.

„Solche Projekte würden nicht nur wichtige Energiemärkte miteinander verbinden, sondern auch dazu beitragen, die Region auf den Übergang zu sauberer Energie vorzubereiten“, heißt es in der Erklärung weiter.

Zypern, Griechenland und Israel unterzeichneten im Januar 2020 ein „historisches“ Abkommen über den Bau der EastMed-Pipeline, die als ein Projekt von gemeinsamem Interesse für die Energieinfrastruktur in Europa gilt.

Sie soll jährlich zwischen 9 und 12 Milliarden Kubikmeter Offshore-Gas, das in Feldern zwischen Israel und Zypern gefördert wird, nach Griechenland und dann weiter nach Italien und anderen südosteuropäischen Ländern transportieren.

Mehrere griechische Medien berichteten, dass Joe Bidens Schritt ein politisches Augenzwinkern gegenüber der Türkei sei, die sich von Anfang an gegen das EastMed-Abkommen gewehrt habe, da es an ihr vorbeigehe.

„Jedes Projekt, das die Türkei, die die längste Küste des östlichen Mittelmeers hat, und die türkischen Zyprioten, die gleiche Rechte an den natürlichen Ressourcen der Insel Zypern haben, außer Acht lässt, kann keinen Erfolg haben. Wir machen die internationale Gemeinschaft einmal mehr auf diese Tatsache aufmerksam“, erklärte das türkische Außenministerium damals.

Der griechische Fernsehsender OPEN TV berichtete außerdem, dass die Amerikaner der Meinung sind, dass EastMed zu Spannungen in der Region führt, und dass sie daher wollen, dass sich die betreffenden Akteure auf andere Projekte konzentrieren, die ebenfalls zu politischer Stabilität in einer äußerst angespannten Region führen würden.

Außerdem sind die USA daran interessiert, ihr eigenes Flüssigerdgas zu verkaufen, und wollen möglicherweise kein konkurrierendes Pipelinegas unterstützen.

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Was sagt Europa dazu?

Die Europäische Kommission sollte bis Ende 2021 eine Studie veröffentlichen, die die kommerzielle und wirtschaftliche Machbarkeit des Projekts untersucht.

Ende Oktober 2021 erklärte ein Beamter der Europäischen Kommission gegenüber EURACTIV Griechenland, dass EastMed ein „komplexes Projekt“ sei und dass die Bewertung die Dekarbonisierungsziele der EU und die zukünftige Gasnachfrage widerspiegeln müsse, um die wirtschaftliche Machbarkeit zu bestimmen.

„Die Analyse der Kommission aus der Klimaziel-Folgenabschätzung zeigt, dass die ungebremste Nutzung von Erdgas nicht mit dem langfristigen Dekarbonisierungsziel vereinbar ist“, so der Beamte.

Der Übergang zur Klimaneutralität werde auf einer breiten Palette von Energiequellen und Technologielösungen sowie auf einer intelligenteren Nutzung unserer natürlichen Ressourcen beruhen, so der Beamte weiter.

Der EU-Beamte erklärte, dass Brüssel zwar die Rolle von Erdgas als Übergangskraftstoff sehe, der Schwerpunkt der Unterstützung aus dem EU-Haushalt aber auf Investitionen in klimasichere Energielösungen, einschließlich kohlenstoffarmer Gase wie Wasserstoff, liegen werde.

„Kohlenstoffarme Gase wie Wasserstoff, Biogas und synthetisches Gas sollten Erdgas nach und nach ersetzen. Entscheidend wird sein, dass die Infrastruktur, die wir haben oder in die wir investieren, bereit ist, diese neuen Energieträger zu unterstützen“, sagte der Beamte.

Eine andere Quelle, die mit der Angelegenheit vertraut ist, sagte, dass sich der Gasmix der EU im Zusammenhang mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2050 erheblich verändern wird.

„Der Erdgasverbrauch wird um 66-71 % sinken und die Nachfrage nach erneuerbaren und kohlenstoffarmen Gasen, insbesondere Biogas, Wasserstoff und synthetischem Gas, wird auf etwa das Doppelte der Erdgasnachfrage ansteigen“, so die Quelle.

„Daher wird die wirtschaftliche Rentabilität von Eastmed unter anderem stark davon abhängen, wie viel Gas letztendlich in der Region vorhanden sein wird, das nach Griechenland und Italien transportiert werden kann, und wie hoch die Nachfrage nach Einfuhren sein wird“, so die Quelle weiter.

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