Die Situation in der Ukraine bedroht Finnlands Atomprojekt

Die eskalierende Situation in der Ostukraine hat den Plänen Finnlands, sein sechstes Kernkraftwerk zu bauen, einige Hindernisse in den Weg gelegt. [EPA-EFE/JUHA SINISALO]

Die eskalierende Situation in der Ostukraine hat auch Auswirkungen auf den finnischen Energiesektor. Die Pläne Finnlands für den Bau seines sechsten Kernkraftwerks, die bereits langsam vorankommen, könnten sich durch Lieferengpässe aus der Ostukraine weiter verzögern.

Der Druckbehälter des Reaktors wird in der Ukraine in einer Fabrik in der Nähe des Donbass, etwa 50 Kilometer von der Frontlinie entfernt, hergestellt.

Die finnische Behörde für Strahlenschutz und nukleare Sicherheit (STUK) soll den Prozess überwachen und inspizieren. In Anbetracht der aktuellen Situation könnte sich der Zugang zu den Produktionsstätten jedoch als zunehmend schwierig erweisen.

In einem Interview mit der Wirtschaftszeitung Kauppalehti erklärte Sakari Kotola, Kommunikationsdirektor des Kernenergieunternehmens Fennovoima, dass es bisher keine Verzögerungen gegeben habe und das Projekt des Kernkraftwerks Hanhikivi1 reibungslos laufe.

Die Eigentumsverhältnisse bei Fenovoima könnten das 7-Milliarden-Euro-Projekt jedoch erschweren. Das Unternehmen befindet sich zu 66 % im Besitz der finnischen Voimaosakeyhtiö SF, während der Rest im Besitz von RAOS Voima Oy, der finnischen Tochtergesellschaft der russischen Rosatom, ist. Die Russen sind dem Konsortium beigetreten, nachdem das deutsche Unternehmen E.ON 2014 beschlossen hatte, das Projekt aufzugeben. Sollte Russland die Ukraine angreifen, würde Rosatom wahrscheinlich sanktioniert werden.

Der kommerzielle Betrieb von Hanhikivi1 soll 2029 aufgenommen werden. Die Anlage verfügt jedoch noch immer nicht über eine Baugenehmigung, und der russische Lieferant hat die erforderlichen Sicherheits- und sonstigen Unterlagen nur schleppend vorgelegt. Auch die Frage des Endlagers für nukleare Abfälle muss noch geklärt werden.

Auch geopolitische Aspekte spielen eine Rolle. Das finnische Verteidigungsministerium hat um eine Sicherheitsbewertung des Projekts und mögliche Verbindungen zu anderen russischen Interessen gebeten. Für Russland geht es bei dem Projekt auch um Prestige, da es zeigen will, dass seine Nukleartechnik westlichen Standards entspricht.

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