Bulgarien wütend über griechisches Unternehmen wegen Pipeline-Bau

Bulgarian energy minister Alexander Nikolov in Parliament. [Dnevnik/Yuliya Lazarova]

Bulgarien fehlen weiterhin Einnahmen aufgrund anhaltender Verzögerungen bei der Fertigstellung der Gasverbindungsleitung mit Griechenland, sagte Energieminister Alexander Nikolov am Donnerstag (6. Januar) im Parlament.

Ein griechisches Unternehmen baut derzeit die IGB-Verbindungsleitung (auch bekannt als Stara Zagora-Komotini oder ICGB).

Wegen der Verzögerungen verliere Bulgarien täglich 750.000 Euro, wobei sich die entgangenen Gewinne für Sofia im letzten Jahr auf über 250 Millionen Euro beliefen, sagte Nikolov während einer parlamentarischen Anhörung.

Seit über einem Jahrzehnt äußern sich Unternehmen und Politiker:innen in Sofia und Athen optimistisch über die ICGB-Verbindungsleitung, aber der Bau ist immer noch nicht abgeschlossen.

Die Verbindungsleitung ist für Bulgarien von entscheidender Bedeutung, da ihre Fertigstellung zum ersten Mal das Monopol des russischen Gases auf dem bulgarischen Markt brechen würde. Die IGB wird an die Transadriatische Pipeline (TAP) angeschlossen, die aserbaidschanisches Gas von Griechenland nach Italien befördert.

Nach vielen Verzögerungen begann der Bau der 182 km langen Pipeline im Mai 2019 und sollte laut Vertrag bis Ende 2021 abgeschlossen sein.

Bulgarien droht das Gas auszugehen

Die staatliche bulgarische Gasgesellschaft Bulgargaz läuft Gefahr, nach dem 25. Oktober kein Geld für Lieferungen aus Russland und Aserbaidschan zu haben.

Bulgarien wird durch die endlosen Bauarbeiten noch mehr Einnahmen verlieren, warnte Nikolov. Das Land hat einen Vertrag mit Aserbaidschan über den Import von einer Milliarde Kubikmeter Erdgas pro Jahr, was ungefähr einem Drittel des bulgarischen Verbrauchs entspricht.

Derzeit ist das aserbaidschanische Erdgas viel billiger als das Gas, das Bulgarien aus Russland importiert, und der Ausfall des aserbaidschanischen Gases bedeutet für Sofia einen Einnahmeverlust.

Ende letzten Jahres teilte der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew seinem bulgarischen Kollegen Rumen Radev mit, dass Baku bereit sei, größere Gasmengen nach Bulgarien zu exportieren als die vereinbarten Lieferungen von einer Milliarde Kubikmeter pro Jahr im Rahmen des derzeitigen Vertrags.

Bulgarien kann diese Chance jedoch nicht nutzen, da die Pipeline noch nicht fertiggestellt ist. Geringe Mengen aserbaidschanischen Erdgases wurden über bestehende Verbindungen importiert, deren Kapazität jedoch begrenzt ist.

Der Bau der Gasverbindung wird hauptsächlich vom griechischen Unternehmen Avax durchgeführt. Das Unternehmen hat eine weitere Fristverlängerung für die Inbetriebnahme der Verbindungsleitung beantragt, die von den bulgarischen Behörden jedoch abgelehnt wurde. Es besteht die Gefahr, dass das neue Zieldatum für die Inbetriebnahme der Gasverbindung – der 1. Juli 2022 – nicht eingehalten wird.

Bulgarische Gewächshäuser schließen wegen hoher Gaspreise

Fast 70 Prozent aller Gewächshäuser für den Gemüseanbau haben aufgrund der hohen Gaspreise ihre Produktion im Winter eingestellt, was zu einem Mangel an bulgarischen Tomaten und Gurken auf dem heimischen Markt geführt hat.

Bulgarien besteht darauf, dass dieser Termin nicht verhandelbar ist. „Das Ziel ist, dass die Gasverbindungsleitung mit Griechenland bis zum 1. Juli in Betrieb genommen wird, so dass sie für die nächste Heizsaison bereit ist und Bulgarien die gesamte Menge an Erdgas aus dem Abkommen mit Aserbaidschan erhält“, sagte Nikolov den Abgeordneten.

Er schlug vor, dass ein neuer Auftragnehmer für die Fertigstellung der Pipeline gesucht werden könnte. Laut Bauvertrag schuldet das Unternehmen seit dem 1. Januar dieses Jahres 90.000 Euro pro Tag an Vertragsstrafen. Dieses Geld wurde noch nicht gezahlt, aber es kann die Verluste ohnehin nicht ausgleichen.

Die nationalistische Oppositionspartei Vazrazhdane, die im Parlament vertreten ist, hat Griechenland vorgeworfen, die Inbetriebnahme der Verbindungsleitung absichtlich zu verzögern.

Vertreter der vier politischen Kräfte in der Regierungskoalition gingen nicht so weit, sondern machten die drei aufeinander folgenden Regierungen von Bojko Borissow für die erhebliche Verzögerung beim Bau verantwortlich. Sie verwiesen darauf, dass die Fortsetzung der „Turkish Stream“ durch Bulgarien, von der Russland profitiert, in nur einem Jahr gebaut wurde und dass diese Pipeline eine Priorität für Borissov war.

Am 20. Dezember gaben die Premierminister Bulgariens und Griechenlands, Kiril Petkov und Kyriakos Mitsotakis, eine gemeinsame Erklärung ab, wonach die ICBG in wenigen Monaten fertiggestellt sein werde. Sie stellten fest, dass die Gasverbindungsleitung für beide Seiten lebenswichtig sei. Mitsotakis sagte, dass Athen und Sofia bei dieser Gelegenheit „eine neue Phase“ ihrer Zusammenarbeit beginnen werden.

Experten: Foulspiel auf Bulgariens Gasmarkt zugute Russlands

Das staatliche bulgarische Bulgargaz wandte sich schriftlich an die Staatliche Nationale Sicherheitsbehörde (DANS), um zu berichten, dass konkurrierende Interessen darauf abzielen, das Gasimportabkommen zwischen Bulgarien und Aserbaidschan zu gefährden. EURACTIV Bulgarien berichtet.

Anfang Dezember war die Verbindungsleitung jedoch erst zu 70 Prozent fertiggestellt, und die Verzögerung auf griechischer Seite war Berichten zufolge noch größer. Es sind noch nicht alle Rohre entlang der Strecke verlegt, und es wurden weder Tests noch Rekultivierungen durchgeführt.

Ziel des Baus der Verbindungsleitung ist es, das bulgarische Erdgasnetz mit dem griechischen Netz zu verbinden, was auch den Import von Gas aus den Flüssiggasterminals des Landes ermöglichen würde. Die Verbindungsleitung mit Griechenland wird von den europäischen Institutionen und den Vereinigten Staaten als entscheidend für die Energiesicherheit Bulgariens betrachtet.

[Bearbeitet von Georgi Gotev]

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