Bulgarien und Albanien ebnen Weg für neuen Gaskorridor

Das Abkommen wurde zwischen Overgas (Bulgarien), Linden Energy (USA) und Albgaz (Albanien) unterzeichnet, wobei erstere sein Interesse an der Lieferung von Gas aus dem bisher stillgelegten Terminal in Vlora bekundete. [Overgas-Website]

Eine Absichtserklärung für die Gasifizierung Albaniens wurde diese Woche zwischen drei Unternehmen in Anwesenheit von Premierminister Edi Rama und dem ehemaligen US-Außenminister Mike Pompeo unterzeichnet. Damit wurde der Startschuss für einen neuen potenziellen Erdgaskorridor zwischen Albanien und Bulgarien gegeben.

Das Abkommen wurde zwischen Overgas (Bulgarien), Linden Energy (USA) und Albgaz (Albanien) unterzeichnet, wobei erstere sein Interesse an der Lieferung von Gas aus dem bisher stillgelegten Terminal in Vlora bekundete.

Energieministerin Belinda Balluku, die ebenfalls anwesend war, sagte, dass ein großer Schritt getan worden sei und auch andere Länder der Region Interesse bekundet hätten.

„Wir machen einen großen Schritt, indem wir es von einem lokalen Projekt zu einem regionalen Projekt umwandeln. In den letzten Wochen, nachdem wir unsere Bemühungen mit unseren amerikanischen Partnern bekannt gegeben haben, haben wir den Wunsch geäußert, dass sich auch Nordmazedonien und der Kosovo an diesem Projekt beteiligen“, sagte sie.

Matthew Bryza, Vorstandsmitglied von Overgas und ehemaliger US-Diplomat, sagte der bulgarischen Tageszeitung SEGA: „Das Ziel ist es, mit den Bemühungen privater Unternehmen und der starken Unterstützung der albanischen und der US-Regierung einen neuen Energiekorridor zu schaffen, der allen Balkanländern sowie der Ukraine und Moldawien hilft, ihre Abhängigkeit von russischem Erdgas zu verringern.“

Pompeo wurde mit den Worten zitiert, dass die Balkanregion eine der anfälligsten Regionen für einen Mangel an Energievielfalt sei und dass die Unterzeichnung dieser Absichtserklärung „ein starker Schritt in die richtige Richtung“ sei.

„In einer Zeit großer Unsicherheit auf dem europäischen Energiemarkt bin ich stolz darauf, Teil eines Teams zu sein, das direkt an diesem Thema arbeitet“, sagte der ehemalige US-Außenminister, der jetzt Vorsitzender des Linden Energy Advisory Board ist.

Overgas ist das größte private Gasunternehmen Bulgariens und wird von Sasho Dontchev geleitet. Das Unternehmen verwaltet mehr als 2400 km Gaspipelines und versorgt mehr als eine Viertelmillion bulgarische Haushalte und 60.000 Fabriken mit Gas.

Rama schrieb auf Facebook, dass die Unterzeichnung des Abkommens durch Albgaz, ein zu 100 Prozent staatliches Unternehmen, ein weiterer wichtiger Schritt zur Verwirklichung der Vision „Albanien2030 Nettoenergieexporteur“ sei.

Albanien erzeugt derzeit fast 100 Prozent seiner Energie aus Wasserkraftwerken. Da diese Energie nicht gespeichert werden kann, wird sie im Frühjahr und Sommer, wenn die Produktion höher ist, an andere Länder exportiert. Doch im Winter muss der Staat aufgrund der Nachfrage fossile Brennstoffe aus den Nachbarländern kaufen, um den Bedarf zu decken.

Die Regierung hat jedoch vor kurzem Pläne zur Vergasung des Landes angekündigt. Die Kommission für industrielle Aktivitäten (KVP) erklärte, dass sechs Projekte mit einem Kostenaufwand von über 4 Milliarden Euro im Land umgesetzt werden müssten, um eine effiziente Erdgasversorgung zu erreichen.

Dazu gehören insbesondere der Ausbau der ionisch-adriatischen Pipeline und die Entwicklung des Wärmekraftwerks in Vlora.

Das Kraftwerk in Vlora befindet sich an einem der naturbelassensten Strände der Region. Seit seinem Bau und seiner Fertigstellung im Jahr 2005 hat es kein einziges Watt Strom erzeugt und wurde von Problemen mit seinem Kühlsystem geplagt.

Im Februar 2022 gab das amerikanisch-italienische Konsortium Excelerate Energy-Renco bekannt, dass es die Leitung der Anlage übernehmen werde. Renco ist in den Bereichen Beratung, Engineering und Bau im Energiesektor tätig, während Excelerate Energy mehrere schwimmende LNG-Terminals besitzt.

Es werden mehrere schwimmende Gasterminals errichtet, die mit dem bestehenden Kraftwerk zusammenarbeiten sollen. Die Beteiligten sind der Ansicht, dass das Projekt Albanien zu einem wichtigen Partner im Gasgeschäft in der Region machen würde.

Doch der Einsatz von Gas, insbesondere in Ländern, die derzeit nicht davon abhängig sind, hat bei Umweltschützern für Kritik gesorgt. Sie befürchten, dass Geld für teure, zeitaufwändige Projekte verschwendet wird, die nicht nachhaltig sind und die Region an Gas binden, während der Rest Europas auf erneuerbare Energien umsteigen will.

Albanien verwendet derzeit weder im öffentlichen noch im privaten Sektor Gas zur Energieversorgung.

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