Aufsichtsbehörde: EU-ETS weist keine größeren Anomalien auf

In dem Bericht schlägt die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) mehrere Empfehlungen zur Verbesserung der Transparenz und Überwachung des EU-Kohlenstoffmarktes vor. [Ronald Wittek / EPA-EFE]

Es liegen keine größeren Anomalien auf dem EU-Kohlenstoffmarkt vor, aber strengere Kontrollen könnten die Transparenz und Aufsicht verbessern, erklärte die EU-Wertpapieraufsichtsbehörde am Montag (28. März).

Das EU-Emissionshandelssystem (ETS) legt einen Preis für bestimmte Sektoren fest, darunter Energieerzeuger und C02-intensive Industriezweige, um Anreize für Emissionssenkungen zu schaffen. Das System, das aus einem Primärmarkt für Zertifikate und einem Sekundärmarkt besteht, der hauptsächlich aus Derivaten auf Basis von Zertifikaten besteht, bildet ein Kernelement der europäischen Pläne für die Reduzierung seiner CO2-Emissionen.

Der C02-Preis hat jedoch in den letzten Wochen starke Schwankungen verzeichnet. Im Februar erreichte der CO2-Preis auf dem EU-Kohlenstoffmarkt ein Rekordhoch von 98,49 Euro pro Tonne, nachdem er im Jahr 2021 um rund 150 Prozent gestiegen war. Anfang März stürzte er dann im Zuge des Krieges in der Ukraine auf knapp unter 60 Euro ab. Im weiteren Verlauf des März blieb der Preis dann bei etwa 75 Euro stabil.

Der Preisanstieg veranlasste Länder wie Polen dazu, die EU aufzufordern, die Beteiligung von Finanzspekulanten am Markt zu beschränken.

Ein am Montag veröffentlichter Bericht der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) stellte jedoch keine größeren Defizite auf dem CO2-Markt fest.

„Auf der Grundlage der uns zur Verfügung stehenden Daten können wir nicht mit Sicherheit behaupten, dass wir eine Marktabschottung feststellen konnten“, sagte Carsten Ostermann, Leiter der Handelsabteilung der ESMA, laut Reuters bei einem Pressegespräch.

Der Bericht stellte fest, dass Kaufpositionen in CO2-Derivaten hauptsächlich von Nicht-Finanzunternehmen zu Absicherungszwecken gehalten werden, während Verkaufspositionen hauptsächlich von Banken und Wertpapierfirmen gehalten werden, die für Liquidität und CO2-Finanzierung sorgen.

In der Zwischenzeit halten sich die Positionen von Investmentfonds in Grenzen und werden hauptsächlich von Fonds in außereuropäischen Ländern gehalten. Hochfrequenzhandelsunternehmen und Marktmacher, die im algorithmischen Handel tätig sind, stammen häufig aus Großbritannien und den Vereinigten Staaten, halten aber nur geringe Nettopositionen.

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Mehr Transparenz

In dem Bericht schlägt die Aufsichtsbehörde mehrere Empfehlungen zur Verbesserung der Transparenz und Überwachung des EU-Kohlenstoffmarktes vor. Dazu gehören die Ausweitung der Kontrollen des Positionsmanagements beim Handel mit Emissionszertifikaten und die Veröffentlichung wöchentlicher Berichte über offene Positionen.

Die ESMA sagte auch, sie werde prüfen, ob die Transparenzanforderungen für Emissionszertifikate und ihre Derivate verschärft werden müssten.

In der Zwischenzeit könnten die politischen Entscheidungsträger:innen der EU noch einen Schritt weiter gehen, indem sie eine Begrenzung der Positionen, die in CO2-Derivaten gehalten werden können, in Erwägung ziehen – eine Maßnahme, die für einige Rohstoffe bereits in Kraft gesetzt worden ist – sowie eine zentralisierte Marktüberwachung des CO2-Marktes auf EU-Ebene, so die ESMA.

Auch Transparenz und Marktüberwachung werden im Zusammenhang mit dem Brexit in Frage gestellt. So ist beispielsweise ICE Endex, das mit einem Marktanteil von 85 Prozent die offenen Positionen im Sekundärhandel dominiert, aufgrund des Brexit im Jahr 2021 von London in die Niederlande umgezogen, was es für die ESMA schwieriger macht, die Nutzer:innen in Großbritannien zu verfolgen.

„Diese Herausforderungen erschweren es, sich ein klares Bild davon zu verschaffen, wer von wo aus handelt, und müssen angegangen werden, um die künftige Überwachung der EU-Kohlenstoffmärkte zu verbessern“, so die ESMA.

„Lasst den Markt einfach laufen“

Die Befunde der Aufsichtsbehörde zeigen, dass es keinen Bedarf für eine radikale Reform der C02-Marktmechanismen gibt, so der EU-Gesetzgeber, der die Position des Europäischen Parlaments in Bezug auf die Reform des ETS vertritt.

„Es ist wichtig, den Markt arbeiten zu lassen und es den Unternehmen, insbesondere den KMU, zu ermöglichen, Hilfe von Finanzakteuren zu erhalten, um ihre Verpflichtungen zu erfüllen“, sagte der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese, der die Reform im Europäischen Parlament leitet.

„Auf jeden Fall ist es aber wichtig, die Transparenz noch zu erhöhen, um Manipulationen zu vermeiden und Spekulationen einzuschränken“, fügte er hinzu.

Liese forderte auch eine strengere Preisregulierung, um die Volatilität auf dem Markt zu begrenzen.

„Obwohl der ETS-Preis nur einen kleinen Teil der derzeit extrem hohen Energiepreise ausmacht, drängen uns diese hohen Preise und die Abhängigkeit von russischen Energieimporten dazu, effiziente und wirksame Lösungen zu finden, um die Preise unter Kontrolle zu bringen und den Unternehmen das Überleben zu ermöglichen, auch wenn sie vorübergehend auf Kohle zurückgreifen müssen“, erklärte er.

Im Jahr 2020 hatte die EU den Unternehmen die Möglichkeit geboten, Zertifikate später als üblich zu kaufen, und Liese fordert, dies zu wiederholen.

Sein Amtskollege der Grünen, der EU-Abgeordnete Michael Bloss, stimmte zu, dass der CO2-Preis nicht das Ergebnis von Finanzspekulationen sei, was die Europäische Kommission schon seit einigen Monaten bekräftigt hat.

„Allerdings ist der Preis immer noch zu niedrig, um die tatsächlichen Klimaschäden sichtbar zu machen. Für all diejenigen, die den Preis senken wollen, bedeutet dies eine Niederlage. Die Aufgabe muss nun darin bestehen, den Emissionshandel so zu reformieren, dass der Markt funktioniert“, erklärte Bloss gegenüber EURACTIV.

„Dazu muss der Markt transparenter werden. Das können wir erreichen, indem wir ein Transparenzregister mit allen Handelspartnern erstellen. Bislang ist nicht öffentlich, wer was wann kauft. Dieser Schutzschirm für Machenschaften muss abgeschafft werden“, fügte er hinzu.

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[Bearbeitet von Frédéric Simon]

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