Auf Eis gelegt: Kommission verschiebt Aktionsplan für Wärmepumpen

Die EU-Kommission hat bereits ähnliche Initiativen für den Wind- und Solarenergiesektor vorgeschlagen, um die Einführung zu beschleunigen und die heimische Produktion zu unterstützen. [Shutterstock]

Die Europäische Kommission hat ihre Vorschläge zur Förderung der Einführung von Wärmepumpen durch einen speziellen Aktionsplan von der Agenda genommen. Damit wird die Initiative wahrscheinlich bis nach den EU-Wahlen im Juni verschoben.

Die EU-Kommission hat bereits ähnliche Initiativen für den Wind- und Solarenergiesektor vorgeschlagen, um die Einführung zu beschleunigen und die heimische Produktion zu unterstützen.

Wärmepumpen, die neueste Lieblingstechnologie der EU, werden auf ihren Aktionsplan warten müssen. Eine für das vierte Quartal 2023 geplante Initiative wurde von der Kommissionsspitze auf Eis gelegt, um sich auf andere Prioritäten zu konzentrieren, heißt es aus der Wirtschaftsbranche.

Die Nachricht war eine Enttäuschung für die europäische Industrie, die mit schwächelnden Verkaufszahlen in Europa zu kämpfen hat.

„Europa hinkt bei der Dekarbonisierung der Wärmeversorgung hinterher“, sagte Thomas Nowak, Generalsekretär des Europäischen Wärmepumpenverbandes (EHPA). Anstatt die Probleme anzugehen, „hat die Kommission [den Aktionsplan] in die Tonne getreten“, fügte er hinzu.

Es wird erwartet, dass Wärmepumpen in den kommenden Jahren nach und nach die Heizkessel für fossile Brennstoffe in den Haushalten ersetzen werden. Bis 2030 will Brüssel mindestens 30 Millionen Geräte in der EU installieren, um den Sektor zu dekarbonisieren und die Abhängigkeit der EU von russischen Gasimporten zu verringern.

Laut einer breiten Koalition aus Industrie, NGOs und Think-Tanks erschweren jedoch mehrere Hindernisse die Erreichung dieses Ziels.

Zunächst einmal haben viele EU-Staaten den Verkauf herkömmlicher fossiler Heizgeräte noch nicht eingeschränkt. In Deutschland brachte der Versuch, sie ab 2024 zu verbieten, die Regierung an den Rand des Zusammenbruchs und wurde seitdem auf die späten 2020er Jahre verschoben.

Zweitens ist fossiles Gas häufig immer noch billiger als Strom, was den Effizienzvorteil von Wärmepumpen praktisch zunichtemacht. Es mangelt an qualifizierten Installateuren und die Stromnetze sind nicht immer auf die zusätzliche Belastung vorbereitet.

Absatz von Wärmepumpen in Europa bricht ein

Die vierteljährlichen Verkaufszahlen von Wärmepumpen in Europa sind im Vergleich zum Vorjahresquartal um 14 Prozent gesunken. Die Industrie führt dies auf politische Unsicherheit und sinkenden Gaspreise zurück.

Aktionsplan verzögert sich

Um die Einführung von Wärmepumpen zu beschleunigen und dabei die heimische Produktion anzukurbeln, hat die Europäische Kommission im April eine öffentliche Konsultation zu ihrem bevorstehenden Aktionsplan eingeleitet. Der Plan sollte ursprünglich noch vor Ende des Jahres veröffentlicht werden.

Laut EHPA wurde der Plan jedoch inzwischen von der Agenda der Kommission gestrichen.

Auf Nachfrage von Euractiv erklärte die Europäische Kommission, dass die „Vorbereitungsarbeiten“ noch im Gange seien. „Zum jetzigen Zeitpunkt können wir kein genaues Datum nennen, wann der Aktionsplan vorgelegt wird“, teilte ein Sprecher mit.

Das bedeutet, dass der Aktionsplan wahrscheinlich erst nach den Europawahlen im Juni und der Ernennung einer neuen Europäischen Kommission vorgelegt werden wird. Dieser Prozess wird erst im Laufe des Jahres abgeschlossen sein.

„Die Fertigstellung dieses Plans auf die Zeit nach den Wahlen zu verschieben, kann nur als Fehler bezeichnet werden“, so Nowak.

Wärmepumpen werden als entscheidend für die Dekarbonisierung des Gebäudesektors angesehen, der für 36 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen in der EU verantwortlich ist.

„Etwa 50 Prozent der gesamten in der EU verbrauchten Energie wird heute für Heizung und Kühlung verwendet. Mehr als 70 Prozent des Heizens und Kühlens basieren immer noch auf fossilen Brennstoffen, vor allem auf Erdgas. Im Wohnungssektor werden etwa 80 Prozent des Endenergieverbrauchs für die Raumheizung und die Warmwasserbereitung verwendet“, schrieb die Kommission in ihrer eigenen Aufforderung zur Einreichung von Stellungnahmen, als sie die öffentliche Konsultation einleitete.

Die Kommission schätzt, dass die Emissionen aus dem Verkehrs- und Gebäudesektor mit der derzeitigen Politik um 6,2 Prozentpunkte geringer ausfallen werden.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic/Frédéric Simon/Kjeld Neubert]

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