Atomkraftwerk bis 2033: Polen wohl zu ehrgeizig, warnen Experten

Polen, das in hohem Maße von fossilen Brennstoffen abhängig ist und über keine kommerziell genutzten Kernkraftwerke verfügt, kündigte im August 2020 an, es werde sechs Kernreaktoren in Betrieb nehmen. Als Standort für diese Reaktoren ist die an der Ostseeküste gelegene Gemeinde Choczewo in Nordpolen vorgesehen. [Shutterstock/Anna Vaczi]

Experten:innen zufolge ist der Plan der polnischen Regierung, bis 2033 ein erstes Atomkraftwerk und bis 2043 sechs Reaktoren in Betrieb zu nehmen, zu ehrgeizig.

Polen, das in hohem Maße von fossilen Brennstoffen abhängig ist und über keine kommerziell genutzten Kernkraftwerke verfügt, kündigte im August 2020 an, es werde sechs Kernreaktoren in Betrieb nehmen. Als Standort für diese Reaktoren ist die an der Ostseeküste gelegene Gemeinde Choczewo in Nordpolen vorgesehen.

Angesichts der Klimakrise und der Notwendigkeit, von russischem Brennstoff unabhängig zu werden, bemüht sich die Regierung nun darum, so schnell wie möglich ein Atomkraftwerk zu errichten. Die Regierungsvertreter:innen versicherten, dass die erste Anlage wie geplant gebaut werden soll.

Einige Expert:innen aus dem Energiebereich, darunter der stellvertretende Chefredakteur von Energetyka24.com, Jakub Wiech, stellen diesen Optimismus jedoch infrage.

In einem Interview mit Onet.pl sagte Wiech, 2033 sei ein „unrealistisches Zeitfenster.“

Seiner Meinung nach sei es keine leichte Aufgabe, eine solch hoch spezialisierte Anlage in einem Land zu bauen, in dem es keine andere gibt, und es werde zu Verzögerungen kommen. Es könnte sich auch als problematisch erweisen, die Komponenten zu beschaffen, die für die reibungslose Inbetriebnahme des Kraftwerks entscheidend sind, fügte er hinzu.

„Wir sprechen hier von Teilen, die lange im Voraus bestellt werden müssen. In den Fabriken, die zum Beispiel Reaktorgehäuse herstellen, muss man Schlange stehen. Ein weiteres Problem ist die Ausbildung von geeignetem Personal, das eine solche Anlage leiten soll“, sagte er.

„Ich denke, dass sich in Europa schon vor dem Krieg in der Ukraine die Einstellung gegenüber Kernkraftwerken geändert hat und dieser von Russland ausgelöste Konflikt als Katalysator gewirkt hat“, kommentierte Wiech.

Polen plant eine enge Zusammenarbeit mit ausländischen Unternehmen, die Erfahrung im Bau von Kernkraftwerken haben. Unter anderem haben französische, koreanische und amerikanische Unternehmen ihr Interesse am Bau einer solchen Anlage in Nordpolen bekundet

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