Frankreich könnte bald mehrere Atomkraftwerke in Schweden bauen. Dies geht aus einer Absichtserklärung hervor, welche die Energieministerinnen beider Länder im Rahmen eines Treffens der EU-Energieminister am Dienstag (19. Dezember) unterzeichnet haben.
Die Vereinbarung wurde getroffen, da der französische Präsident Emmanuel Macron und der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson bereits im Januar eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet hatten, um der Atomenergie eine zentrale Rolle in der bilateralen Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern einzuräumen.
Auf nationaler Ebene hat die französische Regierung beschlossen, bis 2035 sechs neue Kraftwerke und bis 2050 möglicherweise acht weitere Kraftwerke zu bauen. Auch Schweden hat Pläne zur Wiederbelebung seiner Atomindustrie.
Schwedens neue rechtsgerichtete Regierung hat mit einer sehr knappen Mehrheit im Parlament den Bau von zwei neuen Kraftwerken bis 2035 und zehn weiteren bis 2045 gebilligt.
Um dies zu erreichen, setzt Schweden insbesondere auf „die Vorteile des Austauschs von Fachwissen zwischen den französischen und schwedischen Akteuren im Bereich der Atomenergie“, heißt es in der Absichtserklärung, die am Dienstag von der französischen Ministerin für den ökologischen Wandel Agnès Pannier-Runacher und ihrer schwedischen Amtskollegin Ebba Busch unterzeichnet wurde.
In dem Schreiben wird „das Interesse der französischen Industrie an der Unterbreitung eines Angebots für französische Atomkraftwerke in Schweden“ bekundet.
Um die Entwicklung neuer Reaktoren vorzubereiten, werden sich Frankreich und Schweden „bemühen, den technischen Austausch zu erleichtern, um ihre Industrie bei der Reaktorwartung, Verlängerung der Betriebsdauer und Leistungssteigerung der Reaktoren zu beteiligen“, heißt es in dem Schreiben weiter.
Die beiden Länder wollen auch den „Erfahrungsaustausch über mögliche Finanzierungsmodelle für den Bau neuer Atomreaktoren“ innerhalb des europäischen Rechts- und Finanzrahmens fördern.
Die Partnerschaft erstreckt sich auch auf den Brennstoffkreislauf, die Verbesserung der Versorgungssicherheit und die Entsorgung abgebrannter Brennelemente und radioaktiver Abfälle. Darüber hinaus sollen Forschung und Entwicklung, insbesondere die Entwicklung von Forschungszentren, sowie Humanressourcen im Atomsektor durch die Erleichterung des Erfahrungsaustauschs gefördert werden.
Lobbyarbeit in Brüssel
„Die Atomkraft ist zurück in Europa“, sagte Pannier-Runacher nach der Unterzeichnung des Dokuments am Dienstag (19. Dezember).
In diesem Zusammenhang bekräftigten Frankreich und Schweden die Bedeutung des Grundsatzes der „technologischen Neutralität, mit dem Ziel, Europas Souveränität und Energiesicherheit zu stärken.“
Um diese Botschaft zu vermitteln, setzen die beiden Regierungen auf die im Februar 2023 in Stockholm ins Leben gerufene Nuklearallianz, der mittlerweile mehr als zehn EU-Staaten, darunter Frankreich und Schweden, angehören.
Für ihr Treffen am Dienstag hatte die Nuklearallianz ein klares Ziel. Sie will „eine Botschaft an die nächste Europäische Kommission über die Bedeutung eines technologieneutralen Ansatzes für die Erfüllung unserer Klimaverpflichtungen senden. Dieser Ansatz basiert auf Dekarbonisierungsmethoden, unabhängig davon, ob es sich dabei um erneuerbare Energien oder Atomkraft handelt“, erklärte das Büro von Pannier-Runacher am Montag.
Die in der Allianz zusammengeschlossenen EU-Staaten werden auch den Rahmen für eine „schnellere Einführung kleiner modularer Reaktoren (SMR)“ erörtern, nachdem EU-Energiekommissarin Kadri Simson die bevorstehende Gründung einer EU-weiten Industrieallianz in diesem Bereich angekündigt hatte.
[Bearbeitet von Frédéric Simon/Nathalie Weatherald]


