Ampelkoalition strebt 80 % erneuerbare Energien bis 2030 an, mehr Gas als Back-up

Die nächste deutsche Regierung wird den Energiemix des Landes grundlegend ändern und dabei den Schwerpunkt auf fossiles Gas und Solarenergie legen. EPA-EFE/CLEMENS BILAN

Die Ampelkoalition kündigte am Mittwoch (24. November) große Pläne zur Beschleunigung der Energiewende an. Ziel ist es, bis 2030 „idealerweise“ aus der Kohle auszusteigen, die Zahl der Solaranlagen auf allen Dächern zu vervierfachen und den Anteil erneuerbarer Energien am Strommix des Landes bis 2030 auf 80 % zu erhöhen.

Was sie aber nicht verraten haben, ist, wie sehr dieser Übergang von Gas abhängen wird. Die Gaserzeugung soll um 50 % gesteigert werden, um die Kohle- und Atomkraftwerke, die abgeschaltet werden, zu ersetzen.

Am Mittwoch traten die Grünen neben SPD und FDP in die Ampelkoalition ein.

„Deutschland ist jetzt das erste große Industrieland auf dem Weg zu einem wirklich erneuerbaren Energiesystem“, sagte der grüne EU-Abgeordnete Sven Giegold, der zu den Verhandlungsführern der Koalitionsgespräche gehörte.

Im Koalitionsvertrag der Parteien ist das Ziel verankert, bis 2030 80 % des Stroms und 50 % des Wärmebedarfs aus erneuerbaren Energien zu erzeugen, den geplanten Ausstieg aus der Kernenergie beizubehalten und bis 2030 „idealerweise“ aus der Kohle auszusteigen.

Diese Ziele stellen eine große Herausforderung für Deutschland dar, das sich in der Vergangenheit mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien schwer getan hat.

„80 % erneuerbare Energien bei einem Strombedarf von 750 TWh 2030 entspricht bis zu 600 TWh erneuerbaren Energien und der gesamten Bruttostromerzeugung aus dem Jahr 2019“, twitterte der Analyst Frank Peter vom Think-Tank Agora Energiewende.

Um dieses Ziel zu erreichen, will der neue Energie-, Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck 2 % der Flächen für die Onshore-Windenergie reservieren, die Offshore-Windkapazität mehr als verdreifachen (auf 30 GW) und die Solar-PV-Installationen vervierfachen (auf 200 GW).

„Alle geeigneten Dachflächen sollen künftig für die Solarenergie genutzt werden“, heißt es im Koalitionsvertrag der Parteien. Während neue Geschäftsgebäude zur Installation von PV-Anlagen verpflichtet werden sollen, soll dies für neu gebaute Privatgebäude zur Regel werden.

Die derzeitige Kapazität an erneuerbaren Energien in Deutschland beträgt 53 GW für Solarenergie, 7,7 GW für Offshore-Windkraft und 54 GW für Onshore-Windkraft.

Während die Einspeisung all dieser erneuerbaren Energien vom Netz abhängt, muss das Stromnetz des Landes dringend ausgebaut und modernisiert werden.

„Nicht nur der Ausbau der erneuerbaren Energien muss den Turbo einschalten, auch der Ausbau und die Optimierung des Netzes müssen deutlich schneller erfolgen“, so der Netzbetreiber Tennet.

Im Koalitionsvertrag heißt es: „Strom- und Wasserstoffnetze sind das Rückgrat des Energiesystems der Zukunft“ und die Bundesnetzagentur wird aufgefordert, ein neues Konzept für ein „klimaneutrales Netz“ zu entwickeln.

Das Gasproblem

Doch Deutschlands Übergang zu einem überwiegend auf erneuerbaren Energien basierenden Energiesystem ist nicht ohne Widersprüche.

Das Best-Case-Szenario eines Kohleausstiegs 2030 „erfordert den massiven Ausbau der erneuerbaren Energien und den Bau moderner Gaskraftwerke“, heißt es im Koalitionsvertrag.

Konkret muss Deutschland die Kapazität der fossilen Gaskraftwerke von 90 TWh im Jahr 2020 um etwa ein Drittel oder mehr auf 120 bis 150 TWh im Jahr 2030 erhöhen, so die Stromverbrauchsprognose.

Diese neuen Anlagen müssen mit Blick auf klimaneutrale Gase gebaut werden, der Koalitionsvertrag spricht von „wasserstofftauglich“.

Gaskraftwerke „sind die Voraussetzung dafür, dass wir diese Zeit des Wandels bewältigen können“, sagte der künftige Bundeskanzler Olaf Scholz am 27. Oktober vor den Teilnehmern eines Kongresses der einflussreichen Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE).

Scholz setzt auf Gas, Grüne schließen sich an

Die Europäische Kommission wird voraussichtlich noch in diesem Jahr die Regeln für nachhaltige Finanzierung mittels der EU-Taxonomie vorlegen. Für den zukünftigen Kanzler des größten EU-Staates ist Gas ein Muss.

[Bearbeitet von Frédéric Simon]

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