Albanien will für 4 Milliarden auf Erdgas umsteigen

Der albanische Premierminister Edi Rama spricht während der Einweihungszeremonie für den Baubeginn der ersten Leitung des TAP-Projekts in der Nähe von Fier, Albanien. [EPA/ARMANDO BABANI]

Angesichts der weltweiten Energiekrise bemüht sich Albanien um eine Diversifizierung seiner Energiequellen, unter anderem durch den Ausbau von Gas und Windenergie, wobei ersteres bis zu 4 Milliarden Euro kosten dürfte.

Albanien bezieht derzeit fast seinen gesamten Strom aus Wasserkraftwerken. Da die gewonnene Energie nicht gespeichert werden kann, wird der Strom im Frühjahr und Sommer, wenn die Produktion höher ist, an andere Staaten verkauft. Im Winter muss Albanien dann jedoch Strom aus den Nachbarländern zukaufen, um die eigene Nachfrage zu decken.

Dies könnte bald nicht mehr nötig sein, nachdem die Regierung Pläne zum Ausbau der Infrastruktur für Erdgas angekündigt hat.

Die Kommission für industrielle Aktivitäten (KVP) erklärte, dass in Albanien insgesamt sechs Projekte umgesetzt werden müssten, um eine effiziente Verteilung von Erdgas zu erreichen.

Dazu gehören insbesondere der Ausbau der Ionisch-Adriatischen Pipeline und die Entwicklung des Wärmekraftwerks Vlora.

Energieministerin Belinda Balluku erklärte in einer Parlamentsrede, dass derzeit an zwei großen Projekten gearbeitet werde, die die Umstellung auf Gas unterstützen sollen.

„Seit zwei Jahren sind wir dabei, die beiden großen Projekte umzusetzen. Dafür arbeiten wir mit den größten amerikanischen Unternehmen zusammen“, so die Ministerin.

„Sie werden die Inbetriebnahme von TEC und die Gaspipeline vom Hafen von Vlora zum TAP-Gebiet in Seman in Rekordzeit fertigstellen. Das Gas soll dann entweder in Italien oder in anderen Ländern wie Bulgarien verteilt werden“, fügte sie hinzu.

Nach Schätzungen von Interessenvertretern kostet diese sogenannte „Gasifizierung“ schätzungsweise 4 Milliarden Euro.

Doch die Umstellung auf Gas, speziell in Länder, die derzeit nicht von diesem fossilen Brennstoff abhängig sind, hat bei Umweltschützer:innen Bedenken ausgelöst. In einem Schreiben forderten Zivilgesellschaft und Umweltorganisationen die Europäische Kommission auf, die Finanzierung von Gasprojekten in der Region einzustellen und sich stattdessen auf nachhaltige Energielösungen zu konzentrieren.

„Wir fordern die Europäische Kommission auf, von der Förderung neuer Gasinfrastruktur in den westlichen Balkanstaaten Abstand zu nehmen, sei es in Form von öffentlichen Erklärungen oder von Investitionen, wie etwa im Rahmen des Wirtschafts- und Investitionsplans. Stattdessen bitten wir die Kommission, ihre Bemühungen zu verstärken, um wirklich nachhaltige Projekte zu fördern, die in den westlichen Balkanstaaten derzeit nicht genügend Beachtung finden“, heißt es in dem Schreiben.

Sie befürchten, dass Geld für teure, zeitaufwändige Projekte verschwendet wird, die nicht zukunftsfähig sind. Sie würden die Region ans Gas binden, während das übrige Europa auf erneuerbare Energien umsteigen will.

Weitere Bedenken beziehen sich darauf, Gas aus Aserbaidschan importieren zu wollen.

Aserbaidschanisches Gas ist insofern problematisch, als das herrschende Regime für seine Korruptionsprobleme bekannt ist, insbesondere im Zusammenhang mit Gasgeschäften.

Premierminister Edi Rama besuchte diese Woche Aserbaidschan, um weitere Schritte im Energiebereich zu erörtern, darunter die Lieferung von Gas an Albanien und die Entsendung eines Teams von Technikern, das sich mit diesem Thema befassen soll.

„Dies ist ein sehr guter Bereich für unsere Zusammenarbeit, mit großem Potenzial, weiter zu wachsen. Unsere Vertreter treffen sich zu Gesprächen über verschiedene Aspekte unserer Kooperation im Energiebereich, darunter Erdgas, Transitlieferungen und Elektrizität“, sagte der aserbaidschanische Präsident Ilam Aliyev nach dem Treffen.

Laut der serbischen Bergbau- und Energieministerin Zorana Mihajlovic will auch Serbien in Zukunft Gas aus Aserbaidschan beziehen.

Neben dem umstrittenen Gas aus umstrittenen Herkunftsländern will Albanien aber auch Wind- und Solarenergie nutzen.

Derzeit befinden sich mindestens 13 Solarprojekte mit einer Gesamtkapazität von 1,24 GW in Planung. Darüber hinaus hat ein kürzlich vorgeschlagener Windpark in Albanien den Status einer strategischen Investition erhalten. Sollte das Projekt realisiert werden, würde es eine Gesamtkapazität von 234 MW umfassen.

Albanien wird durch US-LNG zur Drehscheibe für Gas im Balkan

Albanien könnte zu einem wichtigen Akteur im europäischen Gassektor werden, da das US-Unternehmen Excelerate Energy Inc. plant, das Land für die Lieferung von Erdgas und Erdgasprodukten auf dem Balkan zu nutzen.

Abonnieren Sie unsere Newsletter

Abonnieren