Warum Europas Wasserstoff-Ambitionen einen flexiblen politischen Ansatz erfordern

DISCLAIMER: Die hier aufgeführten Ansichten sind Ausdruck der Meinung des Verfassers, nicht die von EURACTIV Media network.

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Hamburg, Deutschland - Heimat eines der weltweit ersten Projekte zur Dekarbonisierung einer ganzen Hafenwirtschaft mit Wasserstoff., schreibt Verena Faber. (Quelle: hghh.eu)

Ein flexibler EU-Rechtsrahmen kann zukunftsorientierten Unternehmen dabei helfen, bei Projekten zusammenzuarbeiten, die das Potenzial von Wasserstoff in ganz Europa ausschöpfen, schreibt Verena Faber.

Verena Faber ist Leiterin des Hauptstadtbüros der Hamburger Energiewerke.

Die Notwendigkeit einer größeren Energiesicherheit war noch nie so offensichtlich wie heute.

Die verheerenden Bilder des Konflikts in der Ukraine haben Schockwellen um die Welt geschickt. Die erste und dringendste Aufgabe besteht natürlich darin, auf die humanitäre Krise zu reagieren und auf eine friedliche Lösung hinzuarbeiten.

Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, sich mit der Abhängigkeit von russischem Gas und den steigenden Preisen auseinanderzusetzen. Lassen Sie mich vor diesem Hintergrund die Rolle von Wasserstoff als alternative und grüne Energiequelle für den Kontinent beleuchten.

Wasserstoff ist ein zentraler Pfeiler der europäischen Energiewendepläne. In der 2020 veröffentlichten EU-Wasserstoffstrategie für ein klimaneutrales Europa wird Wasserstoff als „unverzichtbar für die Unterstützung der Verpflichtung der EU, bis 2050 Kohlenstoffneutralität zu erreichen“ bezeichnet.

Mit einem politischen Rahmen, der auf die Ankurbelung der Wasserstoffwirtschaft ausgerichtet ist, ist meiner Meinung nach Flexibilität der Schlüssel zur Ausschöpfung des Potenzials von kohlenstofffreien und kohlenstoffarmen Wasserstoffprojekten in ganz Europa.

Hamburgs Green Hydrogen Hub

Der EU-Politikrahmen trägt zur Schaffung strategisch wichtiger Projekte bei, wie dem Hamburg Green Hydrogen Hub, einer von mehreren europäischen Initiativen im Thema Brennstoff.

An dem Projekt sind der Energiekonzern Shell, die Ingenieurgruppe Mitsubishi Heavy Industries (MHI) und die Hamburger Energiewerke beteiligt.

Die drei Unternehmen arbeiten gemeinsam mit ihren strategischen Partnern wie dem Energieversorger Vattenfall, politischen Entscheidungsträgern und der lokalen Industrie an der Umwandlung des Geländes eines ehemaligen Kohlekraftwerks in ein grünes Wasserstoff-Cluster mit einer Leistung von 100 MW, das 2025 in Betrieb gehen soll.

Der Hamburger Green Hydrogen Hub wird ein Industriecluster und die Stadt Hamburg mit kohlenstofffreier Energie versorgen. Quelle: MHI

Nach seiner Fertigstellung wird im Hamburger Stadtteil Moorburg einer der größten Elektrolyseure Europas stehen, der mit Offshore- und Onshore-Wind- und Solarenergie betrieben wird. Damit wird sauberer Wasserstoff erzeugt, der zur Dekarbonisierung der regionalen Industrie und des Verkehrs beitragen wird.

Die Hamburger Energiewerke und ihre Partner erforschen gemeinsam Möglichkeiten zur Rückgewinnung der Abwärme aus dem Elektrolyseur-Projekt, die dann für eine kohlenstofffreie Fernwärmeversorgung genutzt werden kann.

Mit der Unterstützung der Stadt wird dieses Leuchtturmprojekt Hamburg, der Region und ganz Norddeutschland zugutekommen. Es ist eine klare Vision für den Aufbau eines sauberen Wasserstoffnetzes in Deutschland und für die Erreichung der Klimaneutralität im Rahmen der nationalen Ziele.

Das Potenzial von Wasserstoff ausschöpfen

Das Projekt bietet die einmalige Gelegenheit, einen wesentlichen Teil eines ganzen Wasserstoff-Ökosystems zu schaffen, das eine sichere Versorgung der Industrie mit nachhaltiger Energie gewährleistet und zur Dekarbonisierung der schwer abbaubaren Industriesektoren in der Region beiträgt.

Die Sektorkopplung, wie im Fall von Power-to-Gas (PtG) mit Elektrolyseuren, ermöglicht es dem Cluster der stromintensiven lokalen Industrie in Hamburg, sich als Abnehmer an die erweiterte Wasserstoffinfrastruktur anzuschließen.

Der Hamburger Gasnetzbetreiber arbeitet an einem Wasserstoffnetz mit dem Ziel, die regionale Industrie mit Wasserstoff zu versorgen. Pionierprojekte wie diese sind ein Schritt in die richtige Richtung für den Plan der Europäischen Kommission, die Treibhausgasemissionen in der EU bis 2030 zu halbieren.

Die Umstellung der Industrie, des Verkehrs, der Heizung und anderer Sektoren einer Stadt von fossilen Brennstoffen auf nachhaltigen Wasserstoff erfordert natürlich einen hohen Versorgungsgrad. Pionierprojekte wie das Hamburger Green Hydrogen Hub sind gut aufgestellt, um die Versorgung mit sauberem Wasserstoff zu verbessern und die Kosten zu senken, was seine Wettbewerbsfähigkeit gegenüber fossilen Brennstoffen erhöht.

Und da Versorgungsunterbrechungen weltweit auf der Tagesordnung stehen, könnte aus erneuerbaren Stromquellen erzeugter Wasserstoff auch dazu beitragen, die Energieversorgung Europas stabiler und sicherer zu machen.

Eine flexible Zukunft

Solche Großprojekte erfordern hohe Investitionen, sind aber von entscheidender Bedeutung für die europäischen Bemühungen, die nachhaltige Wasserstoffproduktion zu steigern. Aus diesem Grund gibt es EU-weite Förderinitiativen wie das Programm „Important Projects of Common European Interest“ (IPCEI), um sicherzustellen, dass vorteilhafte Projekte vom Reißbrett geholt und zum Leben erweckt werden. Das Bundeswirtschaftsministerium hat den Hamburger Hydrogen Hub in die Auswahlliste der Projekte aufgenommen, die für eine Förderung in Frage kommen.

Doch die Finanzierung ist nicht die einzige Herausforderung für die Energieversorger. Die EU muss Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass Wasserstoff zu einem Instrument der Dekarbonisierung wird und nicht zu Lasten der vorhandenen erneuerbaren Energien geht.

Die Richtlinie für erneuerbare Energien stellt sicher, dass die neue Nachfrage nach Wasserstoff durch die zusätzliche Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien gedeckt werden muss, ein Konzept, das als „Zusätzlichkeit“ bekannt ist.

Ohne diese Politik könnte die neue Wasserstoffnachfrage die vorhandene Kapazität an erneuerbaren Energien in Mitgliedstaaten mit wenig erneuerbaren Energien aufzehren und ein Defizit hinterlassen, das mit Strom aus fossilen Brennstoffen gefüllt werden könnte. Dies würde den Übergang zu nachhaltigeren Energien untergraben.

Es ist wichtig, die Maßnahmen zur Dekarbonisierung abzusichern und sicherzustellen, dass die Wasserstoffziele auch zu zusätzlichen, neuen Kapazitäten für erneuerbare Energien beitragen, aber Flexibilität ist bei politischen Ansätzen wie diesem unerlässlich.

Langwierige Planungsprozesse für neue erneuerbare Kapazitäten, zu starre Beschränkungen in Bezug auf die Zusätzlichkeit – oder andere Hindernisse, die die Inbetriebnahme neuer Wasserstoffkapazitäten verhindern – könnten als Bremse für neue Wasserstoffprojekte wirken und die Wachstumsstrategie der EU für die grüne Wasserstoffproduktion beeinträchtigen.

Es ist wichtig, dass die Politik den Ausbau der Wasserstoffproduktionskapazitäten parallel zum Wachstum der erneuerbaren Energien ermöglicht. Es ist auch notwendig, bestehende Erneuerbare-Energien-Anlagen zu nutzen, in denen bereits viel Strom aus erneuerbaren Energien vorhanden ist, der stattdessen für PtG-Elektrolyseure verwendet werden könnte.

In Deutschland ist das bereits geschehen, wo es leider zu bestimmten Zeiten des Jahres einen Überschuss an erneuerbarer Energie gibt, der aufgrund von Netzengpässen abgeschaltet wird.

Maßnahmen wie die Optimierung der Planungsverfahren für neue Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien und die Nutzung vorhandener freier Kapazitäten im Bereich der erneuerbaren Energien, anstatt sie zu kürzen, könnten dem Wasserstoffausbau die nötige Flexibilität verleihen und dazu beitragen, das Problem der „Zusätzlichkeit“ im Rahmen der Richtlinie über erneuerbare Energien zu lösen.

Flexibilität ist entscheidend für die Verbesserung des europäischen Politikrahmens, der darauf abzielt, die Infrastruktur und die Versorgung mit sauberem Wasserstoff in ganz Europa auszubauen, um das Ziel der EU zu erreichen, bis 2050 kohlenstoffneutral zu werden.

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