Polen bei E-Mobilität auf der Überholspur

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Polen will in Sachen Elektromobilität ganz vorne mitspielen. Im Bild: Elektrische Taxis in Warschau. [meowKa / Shutterstock]

This article is part of our special report Umbruch in der europäischen E-Mobilität.

Die EU startet immer mehr neue Initiativen zur weiteren Verbreitung der Elektromobilität sowie von alternativen Kraftstoffen. Michał Kurtyka beschreibt den ambitionierten Plan seines Heimatlandes Polen für den Transportsektor der Zukunft.

Michał Kurtyka ist Staatssekretär im polnischen Energieministerium.

Die Tatsache, dass der Verkehrssektor den Mitgliedstaaten der Europäischen Union viele Vorteile bringt, ist unbestreitbar: Die Industrie beschäftigt fast 11 Millionen EU-Bürger und trägt fünf Prozent zum BIP der Union bei.

Leider hat sie auch negative Auswirkungen in Form von Umweltverschmutzung. Der Verkehr ist derzeit für 25 Prozent aller Treibhausgasemissionen verantwortlich, während 70 Prozent dieser Ausstöße allein auf den Straßenverkehr zurückzuführen sind.

Prognosen zufolge könnte der Verkehr bis 2030 die Hauptemissionsquelle in der EU werden. Der Sektor braucht daher tiefgreifende Reformen.

Polen will gemeinsam mit anderen EU-Ländern Initiativen verfolgen, die darauf abzielen, die Mobilitätsbedürfnisse der europäischen Bevölkerung mit dem Schutz ihrer Gesundheit und dem Schutz der Umwelt in Einklang zu bringen.

Um den hohen Erwartungen des Verkehrs- und Transportsektors gerecht zu werden, haben wir mehrere Richtlinien entwickelt, die auf die Verbreitung emissionsarmer und emissionsfreier Fahrzeuge in Polen abzielen.

Das Maßnahmepaket für sauberen Verkehr umfasst Dokumente zur Umsetzung der EU-Richtlinie über den Einsatz alternativer Kraftstoffe aus dem Jahr 2014.

Europa will die Elektro-Revolution

Transport ist einer der wenigen Wirtschaftssektoren in der EU, in dem die Treibhausgas-Emissionen steigen. In Brüssel will man mit der Ausweitung der E-Mobilität diesen Trend stoppen.

Aufgrund mehrerer im Paket vorgesehener Initiativen haben wir auch beschlossen, ein Finanzinstrument zur Unterstützung der Durchführung der in diesen Dokumenten vorgesehenen Maßnahmen zu schaffen.

Dies wird der sogenannte Fonds für emissionsarmen Transport (FNT) sein. Aus dem Fonds werden sowohl Wachstumsinitiativen im Bereich der Elektromobilität als auch Verkehrsprojekte mit alternativen Kraftstoffen wie Wasserstoff, Erdgas (CNG) und Flüssiggas (LNG) unterstützt.

Das Spektrum der finanzierungsfähigen Projekte ist sehr breit gefächert – gefördert werden unter anderem Fahrzeughersteller, Kommunen, die in saubere öffentliche Verkehrsmittel investieren, Hersteller von Biokomponenten sowie Unternehmen, die den Kauf von Neufahrzeugen planen.

Der Fonds soll auch die Förderung von und Aufklärung über den Einsatz alternativer Kraftstoffe im Verkehrssektor unterstützen. Dafür wird der FNT bis 2027 über ein Budget von rund 6,7 Milliarden Zloty (rund 1,56 Milliarden Euro) verfügen.

Die von Polen vorgeschlagenen Maßnahmen zur Finanzierung von Projekten zur Entwicklung der Elektromobilität und alternativer Kraftstoffe ergänzen die Initiativen der EU in diesem Bereich.

Das EU-Paket für saubere Mobilität (Clean Mobility Package) zeigt, dass in den kommenden Jahren die Verbesserung der Verkehrsorganisation (insbesondere die Verbesserung der Effizienz und Integration verschiedener Verkehrsträger), die Verbreitung saubererer Fahrzeuge (durch die Einführung neuer CO2-Emissionsgrenzwerte für Fahrzeuge) sowie die Erhöhung der Verfügbarkeit alternativer Energien für den Verkehrssektor, unter anderem durch den Aufbau der entsprechenden Infrastruktur, im Vordergrund stehen werden.

Für die Umsetzung dieser Vorhaben ist auf nationaler Ebene der FNT zuständig.

Die stadtplanerischen Initiativen der EU (die sogenannte Urban Agenda) zeigt, dass die von der Mehrheit der EU-Bürger bewohnten städtischen Gebiete auch die Triebkraft der Wirtschaft der Union sind. Wir sind sehr daran interessiert, dass polnische Städte von dem innovativen und kollaborativen Ansatz bei der Entwicklung und Umsetzung lokal ausgerichteter Strategien profitieren und gleichzeitig eine bedeutende europäische Dimension beibehalten.

Ich bin überzeugt, dass mit der Einrichtung des FNT-Verkehrsfonds lokale Regierungen, Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen gleichberechtigte Partner der Initiative werden.

Die Ziele des FNT sind identisch mit denen der städtischen Agenda für die EU: In erster Linie geht es um die Verbesserung der Lebensqualität der Bürger und die Bewältigung der wichtigsten Herausforderungen für die Städte – von der Beschäftigung bis hin zu Mobilität, Umwelt und Klimawandel.

Darüber hinaus wird der Erfolg der Stadtentwicklung das Schlüsselelement der Strategie „Europa 2020“ für intelligentes, nachhaltiges Wirtschaftswachstum sein.

Heute steht die Elektromobilität exemplarisch für die Bestrebungen der Union, innerhalb der EU wirtschaftliche und technologische Lösungen zu schaffen, die ihr einen Wettbewerbsvorteil verschaffen können. Polen begrüßt es sehr, dass diese Bestrebungen auf eine technologische Herausforderung ausgerichtet sind.

Brüssel mit Unterstützung für die europäische Batterie-Industrie

Mit dem Boom der Elektromobilität und der erneuerbaren Energien werden Batterien immer wichtiger. Die EU will dazu beitragen, dass die aufstrebende europäische Industrie international mithalten kann.

Die Erreichung der vereinbarten Elektromobilitätsziele erfordert außerdem eine innovative, nachhaltige und wettbewerbsfähige Batterie-Wertschöpfungskette in ganz Europa. Batterien spielen eine Schlüsselrolle in der aktuellen industriellen Revolution um uns herum.

Die europäischen Universitäten und Unternehmen streben danach, ein wichtiger Teil dieser entstehenden Wertschöpfungskette zu werden. Aus diesem Grund ist Polen auch mit viel Enthusiasmus der EU-Batterieallianz der Kommission beigetreten, die eine wettbewerbsfähige Wertschöpfungskette und auch die Produktion von Batterien in Europa entwickeln und vorantreiben will.

Der Ausbau der Elektromobilität in Polen und in der EU erfordert weitere gesetzgeberische Maßnahmen und eine konsequent engere internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten.

Nationale Universitäten betreiben umfangreiche Forschung auf dem Gebiet der Energieumwandlung und der angewandten Elektrochemie. Wichtig ist, dass Polen auch über Rohstoffressourcen verfügt, die für die Batterieherstellung benötigt werden. Und polnische Unternehmer haben das Potenzial, sich in diesem Sektor zu engagieren.

Die Mittel aus dem FNT werden das letzte ergänzende Element sein, das eine Finanzierung nationaler Initiativen im Rahmen der EU-Batterieallianz ermöglicht.

Durch die Kombination von internationaler Zusammenarbeit, staatlicher Unterstützung sowie wissenschaftlichem und industriellem Potenzial wird Polen in einigen Jahren zu einem Schlüsselakteur der europäischen Batterielieferkette werden und die EU wiederum in die Lage versetzt, moderne technologische Innovationen zu entwickeln, die mit Lösungen aus anderen Teilen der Welt konkurrieren können.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, auf den die Initiativen im Rahmen der Finanzierung aus dem FNT Einfluss haben werden, ist die Verringerung der durch den Straßenverkehr verursachten Umweltverschmutzung.

Die Unterstützung des Wachstums der Elektromobilität und einer weiteren Verbreitung alternativer Kraftstoffe eröffnet realistische Perspektiven für Verbesserungen der Luftqualität – nicht nur in Polen, sondern in allen EU-Ländern.

Es sei darauf hingewiesen, dass die Verbesserung der Luftqualität nicht nur die öffentliche Gesundheit verbessert (geringere Gesundheitskosten), sondern auch die Umwelt- und Gebäudeschäden verringert. Sie wird darüber hinaus auch zur Verringerung des Verkehrslärms beitragen.

Mobilität: Der Machtkampf zwischen Städten und Tech-Riesen fängt gerade erst an

US-Techgiganten wie Google und Uber sehen sich verstärkt Maßnahmen der europäischen Regulierungsbehörden gegenüber.

Die Maßnahmen zur Einführung der Elektromobilität und zur Verbreitung alternativer Kraftstoffe in Polen ergänzen die einschlägigen Initiativen der Europäischen Union.

Als Gemeinschaft schaffen wir einen Rechtsraum und Bedingungen für die Entwicklung eines neuen innovativen und wettbewerbsfähigen Marktes in der EU.

Die tatsächliche Form des europäischen Modells für die weitere Verbreitung der Elektromobilität wird jedoch vor allem von Unternehmern, Wissenschaftlern sowie von den Nutzern von Fahrzeugen und öffentlichen Verkehrsmitteln abhängig sein.

Aufgabe der Mitgliedsstaaten ist es also, die optimalen Förderinstrumente zu etablieren, mit denen die Akzeptanz von Elektromobilität und alternativen Kraftstoffen in ihren Ländern gefördert werden können.

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