Nachhaltiger Strukturwandel im Energiesektor: Wie Unternehmen Profitabilität und Klimaschutz vereinen können

DISCLAIMER: Die hier aufgeführten Ansichten sind Ausdruck der Meinung des Verfassers, nicht die von EURACTIV Media network.

Energieunternehmen stehen vor einer einmaligen Chance. [SEBASTIEN NOGIER/EPA]

Die EU-Kommission hat das ambitionierte Ziel ausgerufen, Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent zu machen. Dies ist nur in Zusammenarbeit mit den europäischen Unternehmen möglich.

Die Autoren arbeiten für Strategy&, die globale Strategieberatung von PwC. Oliver Golly ist dort Partner seit September 2018. 

Eine tragende Rolle spielt dabei die Energiewirtschaft. Innovative, umweltfreundliche und effiziente Energielösungen sind gefragt. Für Energieunternehmen ergeben sich durch den Einstieg in dieses regulatorisch geförderte Feld profitable Wachstumsoptionen – insbesondere durch anorganisches Wachstum.

Nachhaltiger Strukturwandel im Energiesektor: Wie Unternehmen Profitabilität und Klimaschutz vereinen können Dekarbonisierung, Dezentralisierung und Digitalisierung – so lauten die drei maßgeblichen Trends auf dem Weg zu einer nachhaltigen globalen Energiewirtschaft. Angesichts des Klimawandels sind Energieunternehmen in der Pflicht, einen grundlegenden Wandel ihrer Industrie anzustoßen.

Politischer und regulatorischer Druck kommt unter anderem von Seiten der EU-Kommission, die mit dem Green Deal die Weichen klar auf eine ökologische europäische Wirtschaft stellt. So fördert und unterstützt die EU ausdrücklich Investitionen in neue, umweltfreundliche Technologien, wie die Dekarbonisierung des Energiesektors.

Unternehmen sollten diese politischen Rahmenbedingungen für einen dauerhaften Strukturwandel nutzen und durch strategische Partnerschaften oder Übernahmen
vorantreiben. Damit können sie nicht nur zum Klimaschutz beitragen, sondern sich im
gleichen Zuge auch bedeutende Wachstumschancen sichern.

B2B-Energiegeschäft: Die Weichen auf Nachhaltigkeit und Wachstum stellen
Gerade im B2B-Geschäft gibt es regulatorisch, aber auch von Nachfrageseite mehrere Gründe
für Energieunternehmen, in neue Energielösungen zu investieren: Politische Entscheidungsträger verschärfen zunehmend ihre regulatorischen Instrumente wie CO2 -Preise, Emissionshandel, Berichtspflichten (SFDR), Normierungen und zusätzliche Steuern.

Energieverbraucher und -erzeuger werden verpflichtet, ihre CO2 -Emissionen und ihren Energieverbrauch zu senken und gleichzeitig transparenter zu gestalten. Dadurch werden auch umweltfreundliche und vernetzte Energielösungen immer relevanter.

Der durch die COVID-19-Pandemie verursachte Nachfrageschock der Weltwirtschaft hat zusätzlich den Bedarf an effektiven und kosteneffizienten Lösungen für das Energiemanagement erhöht. Darüber hinaus verlangt der von der EU angestrebte nachhaltige und grüne Wirtschaftsaufschwung eine höhere Effizienz und Stärkung der Energieunabhängigkeit auf Seiten der Unternehmen, was die Nachfrage nach passenden Energielösungen ebenfalls antreibt.

Abseits politischer Vorgaben werden auch zunehmend Forderungen von Kunden und Mitarbeitern produzierender Unternehmen laut, die Herstellungsprozesse mit geringerem CO 2 -Fußabdruck fordern. Auch hier steigt der Druck auf (Energie-)Unternehmen, in grüne und energieeffiziente Technologien zu investieren.

Energieunternehmen haben einen weiteren Vorteil gegenüber reinen Lösungsanbietern: Einen bestehenden und aktiven Kundenstamm. Darüber hinaus werden neue Technologien, z.B. im Bereich Photovoltaik, zunehmend kostengünstiger und erleichtern somit die Umsetzung neuer innovativer Energiedienstleistungen. Hinzu kommt, dass die Margen im Kerngeschäft von Energieunternehmen in vielen Marktsegmenten stagnieren.

Kultur, Fähigkeiten und Commitment sind die entscheidenden Erfolgsfaktoren für erfolgreichen Aufbau des Lösungsgeschäfts.

Die beschriebenen politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen machen deutlich, vor welchen Herausforderungen die traditionelle Energiewirtschaft steht. Umso wichtiger ist es, dass etablierte Marktteilnehmer ihren großen Kundenstamm und ihr tiefes Know-how zu Nachfragetrends nutzen, um sich im Markt neuer Energielösungen erfolgreich zu positionieren.

Mit diesem Ziel setzen daher zahlreiche Unternehmen neben organischem Wachstum auch auf Übernahmen. Untersuchungen von Strategy& zeigen, dass sich die Zahl der Übernahmen von Lösungsanbietern durch Energieunternehmen zwischen 2016 und 2019 mehr als verdoppelt hat. Beim Aufbau und der Integration einer Energielösungs-Sparte sind drei Faktoren erfolgsentscheidend:

Eine große Herausforderung liegt für traditionelle Energieunternehmen im Aufbau von
erfolgskritischen Kernkompetenzen und -fähigkeiten, z.B. im Markenmanagement,
Produktdesign, Kundenverständnis oder auch innovativen Finanzierungsmodellen.
Systematische Bestandsanalysen helfen dabei, die für die Unternehmen individuell notwendigen Maßnahmen abzuleiten und die richtigen Partner für strategische Synergien zu
identifizieren.

Bei Zusammenschlüssen und Übernahmen sollte zudem frühzeitig das Bewusstsein für mögliche Kulturkonflikte geschaffen werden. Treffen Energieunternehmen mit etablierten Strukturen und hohen Standards für Compliance, Regulierung und Sicherheit auf Firmen mit agilen, risikofreudigen Strukturen, kommt es nicht selten zu grundsätzlichen Kulturfragen.

Dies kann behoben werden, indem der Energielösungssparte ein großes Maß an operativer und strategischer Freiheit gewährt wird und das Top-Management eine langfristige Erwartungshaltung einnimmt. Neue und nachhaltige Energielösungen erfolgreich am Markt zu etablieren, setzt außerdem ein hohes Maß an Unternehmergeist und Risikobereitschaft voraus.

Der Einstieg in dieses Geschäft erfordert es, groß zu denken, Risiken einzugehen und vor allem zu Beginn auch finanzielle Rückschläge in Kauf nehmen zu können. Ebenso entscheidend sind die Bereitstellung ausreichend zeitlicher und personeller Ressourcen sowie die volle Aufmerksamkeit und das Commitment des Top-Managements. Die Führungsebene hat dafür Sorge zu tragen, die Mitarbeiter durch eine klare, unterstützende und motivierende interne Kommunikation zu begleiten.

Die Zeit zu handeln ist jetzt

Mehrere große Versorgungsunternehmen, Öl-, Gas- und Lösungsanbieter sind bereits in den Energielösungsmarkt eingestiegen. Um als neuer Marktteilnehmer aufzuholen und sich relevante Marktanteile sowie die notwendigen technologischen Fähigkeiten zu sichern, sind Übernahmen eine Option mit hoher Schnelligkeit und Synergiepotenzial. Dabei geht es nicht um die eine große Übernahme, sondern in der Regel um eine Reihe kleinerer, intelligent kombinierter und durchdacht integrierter Akquisitionen. Um das volle Potenzial der zugekauften Kompetenzen freizusetzen, müssen Unternehmen jedoch die richtigen Rahmenbedingungen schaffen.

Besonders herausfordernd wird das, wenn Größe, Kultur und Reifegrad der Unternehmen sehr unterschiedlich sind. Was es dazu braucht, ist ein Gleichgewicht zwischen der Erreichung der Ziele des Energieunternehmens und dem Erhalt der einzigartigen Kultur, die es dem Energielösungsbusiness ermöglicht, seine vollen Fähigkeiten zu entfalten. Der Erfolg von Markteintrittsaktivitäten und Übernahmen steht und fällt am Ende mit einem engagierten Team, das in langfristige Beziehungen investiert und die Verantwortung für die Durchführung der Transaktionen sowie der anschließenden Integrationen übernimmt.

Der Markt für Energielösungen bietet Energieunternehmen attraktive Wachstumschancen und steht gleichzeitig im Einklang mit der Wachstumsstrategie der Europäischen Union und ihrem Ziel einer modernen, ressourceneffizienten und wettbewerbsfähigen Wirtschaft.

Hier finden Sie die vollständige Strategy&-Studie.

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