Nachhaltige Lebensräume für die nächsten Generationen: Ein Statement zum Klimakabinett

DISCLAIMER: Die hier aufgeführten Ansichten sind Ausdruck der Meinung des Verfassers, nicht die von EURACTIV.COM Ltd.

Klimaaktivisten vor dem Kanzleramt fordern einen Richtungswechsel der Klimapolitik. Morgen, Freitag, findet ein weltweiter Klimastreik statt. [EPA-EFE/FELIPE TRUEBA]

Am Freitag wird das Klimakabinett Eckpfeiler für die Klimapolitik in den nächsten 10 Jahren festlegen, um die 2030-Ziele zu erreichen. Dies ist ein Meilenstein für mehr Klimaschutz und nachhaltige Lebensräume – mit direkten Auswirkungen auf jeden von uns. Und es ist die Chance für unsere Generation, erfolgreich die Weichen für die Zukunft unserer Nachkommen zu stellen. Der Erfolg hängt wesentlich von den folgenden Faktoren ab.

Erstens: Die Bürger müssen von Energiewende und Klimaschutz profitieren. Von Gebäuden, die ein angenehmes, gesundes Raumklima für Wohnen und Arbeiten bieten – mit bezahlbaren Energiekosten. Vom Strom, den sie selbst erzeugen, speichern, verbrauchen und ins Netz einspeisen. Von Quartierslösungen, die Wärme, Kälte und Strom intelligent vernetzen. Eine bürgernahe Energiewende sichert Zustimmung und mobilisiert privates Kapital – nur so kann sie gelingen.

Zweitens: Wir brauchen die Gebäudewende. Gebäude sind zentral für effektiven Klimaschutz, ihr Anteil an den CO2 Emissionen beträgt etwa 40%. Wir müssen sie zukunftssicher an die nächsten Generationen übergeben. Damit erhalten wir unser kulturelles Erbe und schaffen Lebensräume mit optimalem Raumkomfort und Luftqualität, für Wohlbefinden zuhause und am Arbeitsplatz.

"Das wird kein Spaziergang"

Während ihre früheren Kollegen im Bundeskabinett noch über der deutschen Klimastrategie brüten, hat Ursula von der Leyen der EU schon eine Menge versprochen.

Das bedeutet konkret: wir brauchen praxisorientierte, individuell maßgeschneiderte Lösungsangebote. Denn jedes Gebäude hat seine eigenen Charakteristika, jeder Nutzer hat individuelle Ansprüche und Möglichkeiten. Dafür benötigen wir einen breiten Mix von Technologien und Energieträgern – Wärmepumpen betrieben mit Strom, der in der Zukunft vollständig erneuerbar ist. Heute sind es erst etwa 40%. Erneuerbare gasförmige und flüssige Brennstoffe für Heizen, Verkehr und Industrie. Sie speichern erneuerbaren Strom – Stichwort Power-to-X – und reduzieren Stromspitzenlast.

Und auf dem Weg zur Klimaneutralität: eine wesentliche Verbesserung der Energieeffizienz als erster überfälliger Schritt. Unsere Heizungen sind im Schnitt 30 Jahre alt, moderne Technologien senken Heizkosten und CO2-Ausstoß. Eine konsequente Modernisierung der etwa 13 Mio veralteten Anlagen könnte den Endenergieverbrauch Deutschlands um etwa 13 bis 15 Prozent verringern. Je Anlage beträgt die CO2-Minderung bis zu drei Tonnen CO2 – jedes Jahr. Eine relativ kleine Investition mit großer Wirkung. Kombinationen aus fossiler und erneuerbarer Wärmeerzeugung – etwa Solarthermie oder mit selbstverbrauchten Strom aus der PV-Anlage – verbessern die Bilanz weiter. Damit kann jeder schon jetzt seinen CO2-Fußabdruck deutlich senken.

Protest-Bündnis erhöht Druck auf Klimakabinett in Berlin

Am Freitag werden in Berlin wohl so viele Menschen wie nie zuvor für eine wirkungsvolle Klimapolitik demonstrieren – womöglich auch mit drastischen Mitteln.

Drittens: für eine bürgernahe Energie- und Gebäudewende brauchen wir Politikinstrumente, die jedem von uns flexible, auf unsere Bedürfnisse zugeschnitte Investitionen ermöglicht. Ein marktbasierter CO2-Handel ist ein geeignetes Instrument, um einen optimierten Technologie- und Energieträgermix zu generieren. Ein Ölverbot ist nicht notwendig, da der CO2-Reduktionspfad feststeht. Es wäre kontraproduktiv, da es Handlungsoptionen zur CO2-Minderung beschränkt.

Kurzfristig wirkende, langfristig konzipierte Anreize zur energetischen Gebäudesanierung müssen den CO2-Handel flankieren – die Einführung braucht Zeit, und die Höhe des CO2-Preises darf die Menschen nicht überfordern.

Unsere Generation muss jetzt die Weichen für eine erfolgreiche Energie- und Gebäudewende stellen. Sie muss dazu beitragen, die global vereinbarten Klimaschutzziele zu erfüllen und den Temperaturanstieg auf 1,5°C zu beschränken. Das Klimakabinett muss jetzt klare und verlässliche Rahmenbedingungen schaffen, damit jeder von uns seinen Beitrag leisten kann. Die Zeit des Abwartens ist vorüber

Über die Autorin:

Alix Chambris ist Head of Public Affairs der Viessmann Group, einem Hersteller von Heiz-, Industrie- und Kühlsystemen. 

Subscribe to our newsletters

Subscribe

Wissen was in Europas Hauptstädten passiert - abonnieren Sie jetzt unseren neuen 10 Uhr Newsletter.