Methan: Der neue Schauplatz in Europas Kampf gegen den Klimawandel

DISCLAIMER: Die hier aufgeführten Ansichten sind Ausdruck der Meinung des Verfassers, nicht die von EURACTIV Media network.

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Die EU ist einmal mehr gefragt, bei einem entscheidenden Thema mit gutem Beispiel voranzugehen, schreibt Dagmar Droogsma. [Mehmet Cetin / Shutterstock.com]

Europa ist seit langem weltweit führend, was ehrgeizige Strategien zur Bekämpfung des Klimawandels angeht. Da die Herausforderungen immer akuter werden, ist die EU jetzt einmal mehr gefragt, bei einem entscheidenden Thema mit gutem Beispiel voranzugehen: Methan.

Die Autorin Dagmar Droogsma ist Assistant Vice President für den Bereich European Strategy & Engagement bei der NGO Environmental Defense Fund (EDF).

Wissenschaftler zeigen auf, dass die Reduzierung von Methanemissionen aus der Öl- und Gasindustrie, der Landwirtschaft und anderen Aktivitäten der schnellste Weg wäre, um die Erderwärmung zu verlangsamen – wobei natürlich weiterhin CO2 und weitere Treibhausgase ebenfalls so schnell wie möglich reduziert werden sollten.

Politische Entscheidungsträger auf der ganzen Welt haben erst spät den Schaden erkannt, den Methan anrichtet – oder eben die Chancen, die es jetzt bietet. Die EU-Beamten haben die Möglichkeit, die Methanemissionen in großem Umfang zu reduzieren – nicht nur innerhalb der EU, sondern weltweit – wenn sie einen umfassenden Ansatz zur Verringerung dieser Emissionen in Gesetzesvorschlägen verankern, die noch in diesem Jahr vorgelegt werden sollen.

Durch die Verringerung der Methanemissionen – die in zwei Jahrzehnten in der Atmosphäre mehr als 80-mal so erderwärmend wirken wie CO2 – können wir die immer bedrohlicher werdende Geschwindigkeit der Erderwärmung bremsen. Diese Erwärmung ist für stärkere Stürme, längere Dürren und das immer schneller schmelzende Eis im arktischen Meer verantwortlich.

Eine im vergangenen Monat veröffentlichte Studie der Environmental Defense Fund-Wissenschaftlerin Ilissa Ocko zeigt, dass eine schnelle, umfassende Anstrengung zur Reduzierung der Methanemissionen aus menschlichen Quellen die globale Erwärmung um bis zu 30 Prozent verlangsamen könnte.

Die vollständige Umsetzung bereits bekannter Lösungen in sechs Schlüsselsektoren, die für einen Großteil der Methanemissionen verantwortlich sind, könnte die Freisetzung dieses aggressiven Treibhausgases bis 2030 um die Hälfte reduzieren und damit eine zusätzliche Erwärmung um 0,25 Grad Celsius bis zur Jahrhundertmitte und um mehr als 0,5 Grad bis 2100 verhindern.

Zur Erinnerung: In einer Welt, die versucht, die Erwärmung auf unter 2,0 Grad Celsius zu halten, kann ein halbes Grad einen wesentlichen Unterschied machen: Dies könnte bedeuten, dass zehn Millionen Menschen weniger vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht wären; dass die Zahl der Menschen, die unter Wasserknappheit leiden, halbiert würde; dass die Zahl der Pflanzen- und Tierarten, die ihren Lebensraum verlieren, ebenfalls um die Hälfte reduziert würde.

Diese Ergebnisse decken sich mit den Erkenntnissen in einem neuen UN-Bericht, der besagt, dass die vom Menschen verursachten Methanemissionen in diesem Jahrzehnt mit den derzeit bereits verfügbaren Maßnahmen um bis zu 45 Prozent reduziert werden können. Im Bericht wird auch auf erhebliche Vorteile für die Luftqualität und die Wirtschaft hingewiesen. Mit entsprechenden Maßnahmen gegen Methanemissionen könnten eine Viertelmillion vorzeitige Todesfälle, 775.000 asthmabedingte Krankenhausaufenthalte, 73 Milliarden Stunden Arbeitsausfall aufgrund extremer Hitze und 26 Millionen Tonnen Ernteverluste jährlich verhindert werden.

Eine Chance für die EU, Führungsstärke zu beweisen

Die im vergangenen Jahr veröffentlichte EU-Methanstrategie legt den Grundstein für Gesetzesvorschläge, die Ende 2021 kommen sollen und zu bedeutenden Emissionsreduzierungen führen könnten. Die Gesetzgebung im Energiesektor – dem Sektor mit dem größten Potenzial für schnelle, kosteneffiziente Reduzierungen – dürfte Unternehmen dazu verpflichten, alle Methanemissionen zu messen, zu melden und zu verifizieren; außerdem würde die Erkennung und Reparatur von Lecks in der gesamten fossilen Gasinfrastruktur verbessert und das routinemäßige Ablassen und Abfackeln von Gas verboten.

Doch es gibt eine weitere potenzielle Maßnahme, die wirklich große Auswirkungen auf die Emissionen weit über die EU-Grenzen hinaus haben könnte.

Als weltgrößter Erdgasimporteur, der 85 Prozent seines Bedarfs von außerhalb der eigenen Grenzen bezieht, kann die EU einigen Einfluss auf ihre Lieferanten ausüben. Der Methan-Fußabdruck des in diesen Lieferländern produzierten Gases ist schätzungsweise drei- bis achtmal größer als die Methanemissionen der Gaslieferkette innerhalb der EU-Grenzen.

Genauso wie alle Autos, die in der EU produziert oder in die Union importiert werden, strenge Emissionsstandards einhalten müssen, sollte auch alles Gas, das in die EU fließt, die gleichen strengen Standards einhalten, die für in der EU produziertes Gas gelten. Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, ist ein Methanemissionen-Standard für jegliches in der EU verbrauchtes Gas.

Ein solcher Methan-Performance-Standard könnte andere vorgeschlagene Maßnahmen ergänzen und eine signifikante Methanreduzierung gewährleisten. Ein von der Florence School of Regulation und dem Environmental Defense Fund Europe entwickelter Policy Brief beschreibt Wege für einen solchen Standard für Erdgas. Mit ihm könnten die vorgelagerten Emissionen sowohl für importiertes als auch für in der EU produziertes Gas angegangen werden.

Führende Unternehmen, darunter viele mit Hauptsitz in Europa, haben sich verpflichtet, die Methanintensität bis 2025 auf 0,20 Prozent zu senken, und haben damit begonnen, entsprechende Maßnahmen zur Reduzierung zu ergreifen. Gleichzeitig tragen ein Netzwerk von Methan-trackenden Satelliten der Europäischen Weltraumorganisation ESA und neue Projekte wie MethaneSAT dazu bei, den Weg für eine Vielzahl neuer Innovationen zu ebnen. Diese werden es letztendlich schneller, einfacher und billiger machen, Methanemissionen zu reduzieren.

Vieles von dem, was getan werden muss, um den Klimawandel einzudämmen, ist schwierig, störend und unbequem. Aber die Bekämpfung von Methanemissionen aus Öl und Gas ist eine vergleichsweise einfache Schlacht im Klimakampf.

Es tut sich was in Sachen Methan: Da die EU, die USA und Russland das Problem inzwischen anerkannt haben, entsteht ein globaler politischer Wille, die Methanemissionen zu bekämpfen. Darüber hinaus zeigen die wissenschaftlichen Erkenntnisse nur allzu deutlich, dass jetzt entschlossen gehandelt werden muss. Die Industrie ist bereit, ihren Teil dazu beizutragen. Europa muss diese Chance ergreifen.

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