G7 müssen vorangehen, um Entwaldung zu bremsen

DISCLAIMER: Die hier aufgeführten Ansichten sind Ausdruck der Meinung des Verfassers, nicht die von EURACTIV Media network.

Im Jahr 2021 gingen in den Tropen 3,75 Millionen Hektar Primärwald verloren. Das entspricht einer Fläche von 10 Fußballfeldern pro Minute. Wenn die Welt nicht jetzt gegen die Entwaldung vorgeht, werden die Auswirkungen des Klimawandels immer gravierender und häufiger auftreten. [Shutterstock / Richard Whitcombe]

Die Abholzung der Wälder bedroht die Ernährungssicherheit weltweit. Im Vorfeld des G7-Gipfels stehen die Staats- und Regierungschefs in der Verantwortung, die Entwaldung als eine der Hauptursachen des Klimawandels zu bekämpfen, so Ani Dasgupta.

Ani Dasgupta ist die Geschäftsführerin des World Resources Institute.

Vor kaum sechs Monaten standen Staats- und Regierungschef:innen aus 141 Ländern auf einer Bühne in Glasgow und verpflichteten sich, den Waldverlust und die Landdegradierung bis 2030 aufzuhalten und stattdessen aufzuforsten.

Doch die am 28. April veröffentlichten Daten von Global Forest Watch zeigen, dass die Welt weit davon entfernt ist, diesen Kampf zu gewinnen.

Im Jahr 2021 gingen in den Tropen 3,75 Millionen Hektar Primärwald verloren. Das entspricht einer Fläche von 10 Fußballfeldern pro Minute. Wenn die Welt nicht jetzt gegen die Entwaldung vorgeht, werden die Auswirkungen des Klimawandels immer gravierender und häufiger auftreten.

Das bevorstehende G7-Gipfeltreffen im Juni wird verständlicherweise von Diskussionen über den Konflikt in der Ukraine, die steigenden Lebensmittelpreise, den Wiederaufbau nach der Pandemie und die Klimakatastrophe dominiert.

Diese unmittelbaren Herausforderungen – die auf den ersten Blick gute Gründe für die Verzögerung von Maßnahmen gegen die Abholzung der Tropenwälder zu sein scheinen – sind jedoch eng mit dem Thema verknüpft.

Deshalb ist der G7-Gipfel auch eine Gelegenheit für die Staats- und Regierungschefs einiger der größten Volkswirtschaften der Welt, die alle das Glasgow-Ziel unterzeichnet haben, konkret zu überlegen, was zur Beendigung der Entwaldung erforderlich ist.

Es ist erwiesen, dass die Abholzung eine der Hauptursachen des Klimawandels ist. Die zunehmenden Klimaschwankungen werden voraussichtlich dazu führen, dass regionale Ernährungsketten in verschiedenen Teilen der Welt ausfallen.

Der Einmarsch Russlands in die Ukraine und der anhaltende Konflikt haben gezeigt, wie sich eine Unterbrechung der Rohstoffexporte auf die Ernährungssicherheit überall auswirkt. So sieht die Zukunft aus, wenn wir nicht dringend etwas gegen die Abholzung der Tropenwälder unternehmen.

Die deutsche G7-Präsidentschaft hat das Thema Tropenwaldzerstörung zu Recht ganz oben auf ihre Agenda gesetzt. Die G7-Länder sind Großverbraucher von Rohstoffen, die den Verlust der Wälder vorantreiben – darunter Sojabohnen, Rindfleisch, Palmöl, Zellstoff und Papier, Gummi sowie Leder.

Zwischen 2007 und 2015 waren die G7-Mitglieder (einschließlich der EU) gemeinsam für fast ein Drittel der Abholzung von Tropenwäldern im Zusammenhang mit international gehandelten Agrarrohstoffen verantwortlich. Das entspricht in etwa der Fläche Costa Ricas – ironischerweise bekannt für seine üppigen Tropenwälder und seine reiche Artenvielfalt.

Jetzt ist es an der Zeit, dass die Staats- und Regierungschef:innen der G7-Staaten Verantwortung übernehmen und zeigen, wie sie ihre Versprechen von Glasgow in die Tat umsetzen. Während sich die G7-Umweltminister:innen auf ihr Treffen vorbereiten, können sie die folgenden Sofortmaßnahmen ergreifen:

Erstens müssen die G7-Staaten ihre Bemühungen um den Erlass von Maßnahmen wie Sorgfaltspflichtgesetzen, die die Einfuhr von Waren, die mit verschiedenen Arten der Abholzung in den Tropen in Verbindung stehen, verbieten würden, abstimmen und konsequent umsetzen. Die EU, die USA und das Vereinigte Königreich unternehmen alle Anstrengungen in diese Richtung.

US-Präsident Joe Biden hat seine Regierung kürzlich angewiesen, mit der Prüfung von Optionen für einen gesamtstaatlichen Ansatz zur Bekämpfung der internationalen Entwaldung (einschließlich Gesetzesvorschlägen) zu beginnen. Dieser Schwerpunkt wird auch von einem Gesetzesentwurf der Europäischen Kommission verfolgt, der derzeit geprüft wird.

Großbritannien befindet sich in der letzten Phase der Annahme seines eigenen Gesetzesvorschlags zur Sorgfaltspflicht. Diese Schritte sollten positiv gesehen werden, aber die Zeit drängt.

G7-Staaten, die noch keine derartigen Anstrengungen unternommen haben – wie Kanada und Japan – müssen aufholen. Und innerhalb der G7-Mitgliedschaft sollten Maßnahmen ergriffen werden, um die Angleichung der vorgeschlagenen Gesetze zu gewährleisten.

Zweitens müssen die G7-Länder anerkennen, dass eine Regulierung auf Seiten der Nachfrage zwar unerlässlich ist, aber durch technische und finanzielle Unterstützung für Erzeugerländer ergänzt werden muss, die glaubwürdige Verpflichtungen zur Verringerung der Entwaldung an ihrem Ende der Lieferkette eingehen. Letztlich erfordern Lösungen für die Entwaldung partnerschaftliche Zusammenarbeit.

Viele der weltweiten Erzeuger von Agrarrohstoffen sind Kleinbauern, wie etwa die Kakaobauern in Westafrika oder die Palmölproduzenten in Südostasien. In einer Zeit der Marktvolatilität und des weltweiten Anstiegs der Lebensmittelpreise ist es Aufgabe der Verbraucherländer, die vorgeschlagenen Sorgfaltsmaßnahmen mit einem großzügigen Unterstützungspaket zu verbinden.

Technische Hilfe und Klimafinanzierung können die Erträge nachhaltig steigern, während die Wälder erhalten bleiben und die Produzenten bei einem gerechteren und integrativen Übergang unterstützt werden. Letztlich findet die schwierige Aufgabe, die Entwaldung zu stoppen, vor Ort in den Tropenwaldländern statt.

Drittens sollten die G7-Mitglieder mit anderen aufstrebenden Verbrauchermärkten zusammenarbeiten und sie ermutigen, dem Beispiel der G7 zu folgen. China war 2017 für ein Viertel der rohstoffbedingten Tropenwaldabholzung verantwortlich. Es wird prognostiziert, dass die Nachfrage nach risikobehafteten Rohstoffen enorm ansteigen wird, da China immer mehr Lebens- und Futtermittel importieren muss.

Bemerkenswert sind auch die aufstrebenden Erzeuger-Verbraucher-Märkte wie Brasilien und Indonesien, wo die Abholzung im zusamenhang mit Produkte steht, die im Inland konsumiert werden.

Die G7-Mitglieder müssen das gesamte politische Instrumentarium nutzen, um Anreize für Schutzmaßnahmen zu schaffen. Gemeinsam verfügen sie über eine Reihe von Instrumenten und haben ein erhebliches wirtschaftliches Gewicht. Die Grundlage muss eine echte Partnerschaft mit den Erzeugerländern sein. Die G7-Handelsminister:innen, die sich im September in Berlin treffen, können ebenfalls Maßnahmen in diesem Bereich vorantreiben.

Für die G7 bietet sich die einmalige Gelegenheit, die Führung zu übernehmen und globale Maßnahmen gegen die Abholzung der Tropenwälder voranzutreiben, um auch in Zukunft einen lebenswerten Planeten für alle zu gewährleisten. Das Zusammenspiel von Konfliktrisiken, steigenden Lebensmittelpreisen, der Regeneration nach der Pandemie und einem unbeständigen Klima ist ein zwingendes Argument für die Stärkung der Widerstandsfähigkeit der Weltwirtschaft.

Diese dreiminütige Lektüre regt zwar zum Nachdenken an, aber sie könnte uns auch 30 Fußballfelder Wald kosten. Wir haben einfach keine Zeit mehr zu verlieren.

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