„Die Bioenergie-Politik der EU wird nach hinten losgehen“

DISCLAIMER: All opinions in this column reflect the views of the author(s), not of EURACTIV.COM Ltd.

Die derzeitige EU-Politik setzt sich "über die Erkenntnisse hunderter Wissenschaftler, die Aufrufe zahlreicher NGOs und den Willen einer stetig wachsenden Zahl an EU-Bürgern hinweg." [Jakub Kocja/Flickr]

This article is part of our special report Europas Wälder und Strategien gegen den Klimawandel.

EU-Politiker haben es versäumt, das Verbrennen von Holz zur Energiegewinnung sinnvoll mit dem Kampf gegen den Klimawandel zu verknüpfen, schreibt Linde Zuidema. Sie ist Bioenergie-Campaignerin bei der Forst- und Umwelt-NGO Fern.

Am 17. Januar stimmten die Mitglieder des Europäischen Parlaments (MEPs) über den Vorschlag der Europäischen Kommission für die Erneuerbare-Energien-Richtlinie (EER) nach 2020 ab. Diese Richtlinie beinhaltet auch Maßnahmen in Bezug auf die Nachhaltigkeit von Bioenergie.

Das Abstimmungsergebnis setzt sich über die Erkenntnisse hunderter Wissenschaftler, die Aufrufe zahlreicher NGOs und den Willen einer stetig wachsenden Zahl an EU-Bürgern hinweg.

Bioenergie steht für rund 65 Prozent der Produktion von erneuerbarer Energie in der EU. Die bisherige EER ermutigt die Mitgliedstaaten seit 2009 ausdrücklich, „Forst-Biomasse“ zur Energiegewinnung zu verbrennen. Dadurch ist diese Art der Energiegewinnung die größte Quelle für erneuerbare Energie geworden.

Doch die EU-Gesetzgeber haben es versäumt, sicherzustellen, dass diese Unterstützung für das Verbrennen von Holz auch mit dem Kampf gegen den Klimawandel verknüpft wird. Dafür gibt es fünf Hauptgründe:

Holz ist eine Kohlenstoffquelle; das Verbrennen von Holz führt zu sofortigem CO2-Ausstoß (der sogar höher liegt, als wenn man Kohle verbrennt). Inzwischen gibt es überwältigenden wissenschaftlichen Konsens, dass Holzverbrennung nicht CO2-neutral ist. Bäume wachsen nicht schnell genug nach, um diese Emissionen zu kompensieren. Das bedeutet, dass Holz nicht wirklich eine sinnvolle Alternative zu fossilen Brennstoffen ist. Mehr als 800 Wissenschaftler haben die EU gewarnt, dass diese Klimastrategie des Holzverbrennens nach hinten losgehen und die Zusagen unter dem Pariser Klimaabkommen gefährden könnte.

Europas Wälder und Strategien gegen den Klimawandel

Rund 40 Prozent der Landfläche der EU sind mit Wald bedeckt. Die Frage ist: Können Europas Wälder den Klimwandel abschwächen?

Die Nutzung von Holzabfällen und -resten zur Energiegewinnung (im Gegensatz zum Verbrennen ganzer Bäume) hat gegenüber fossilen Brennstoffen ein gewisses Potenzial bei der Reduzierung von Emissionen. Dennoch hat die Mehrheit der MEPs sich entschieden, wissenschaftliche Erkenntnisse zu ignorieren: Sie stimmten gegen Vorschläge, mit denen das Fällen von Bäumen für die Energieproduktion verhindert worden wäre.

Stattdessen gaben sie dem Druck der Forst- und Energieindustrie sowie einiger Mitgliedstaaten – insbesondere Finnland und Schweden – nach. Diese Staaten wollen den Status Quo erhalten, weil sie sich für ihre wachsenden Bioenergie-Industrien auf intensive Forstwirtschaft konzentrieren.

Das EU-Parlament – das ja normalerweise für seinen progressiven Standpunkt in Klima- und Umweltfragen bekannt ist – stimmte dem Ansatz der Kommission für nachhaltige Nutzung von Forst-Biomasse zu und baut somit lediglich auf die bereits bestehenden Regelungen zu nachhaltiger Forstwirtschaft (LULUCF).

Was noch schlimmer ist: die MEPs haben es sogar geschafft, diese Regeln noch zu verwässern. Der Vorschlag zeigt grundlegende Mängel, weil ignoriert wird, dass Biomasse eine begrenzte Ressource ist und dass die Nutzung von Holz als Brennstoff heftige Auswirkungen auf die CO2-Speicherkapazitäten sowie auf holzbasierte Erzeugnisse haben kann.

Man kann in einem nachhaltig bewirtschafteten Wald Bäume fallen, aber das bedeutet nicht, dass es nachhaltig ist, diese Bäume dann zu verbrennen. Ein Emissionsausgleich in diesem Bereich bedeutet nicht automatisch, dass diese Form der Bioenergie die Netto-Emissionen erhöht. Der von den Gesetzgebern gewählte Ansatz erlaubt lediglich business as usual und birgt die Gefahr des Greenwashing bei der Verwendung von Holz als Brennstoff.

Mit einer derart schwachen Nachhaltigkeitspolitik ist es wahrscheinlich, dass die Nutzung von Holz für die Energieproduktion weiter ansteigt. Die Mitgliedstaaten haben bereits vorausgesagt, dass erhöhter Baumeinschlag für Bioenergieerzeugung negative Effekte auf die CO2-Speicherkapazitäten der Wälder haben wird (und somit auch auf die Fähigkeit der Wälder, die tatsächlichen Emissionen der Holzverbrennung auszugleichen). Da die in der EU vorhandene Biomasse möglicherweise nicht ausreichend ist, kann es sogar sein, dass Holz aus Drittländern importiert wird. Diese beiden Punkte befeuern den Klimawandel weiter, statt Emissionen zu reduzieren.

Mit dieser Haltung sendet die EU auch das besorgniserregende Signal an den Rest der Welt, dass das Fällen und Verbrennen von Bäumen in irgendeiner Weise gut für das Klima sei. Länder wie Südkorea, China und Japan folgen bereits dem Beispiel der EU und wechseln von Kohlekraftwerken auf Biomasse – im sehr viel größeren Stil.

Eine Politik, die die Nutzung von Holz als Energiequelle fördert, muss auf der Erkenntnis basieren, dass Holz sowohl eine CO2-Quelle als auch eine begrenzte Ressource ist.

Allerdings hat die EU keine formale Kompetenz, um strikte Forstpolitik durchzusetzen. Und es scheint, dass aus diesem Grund jegliche progressiven Vorschläge zur Begrenzung der Verwendung von Holz als Brennstoff innerhalb der EER blockiert werden.

Das ist eine verpasste Chance. Die Debatte sollte sich gar nicht so sehr darum drehen, auf welche Art Wälder bewirtschaftet werden, sondern welche Art der Holznutzung mit Blick auf den Kampf gegen den Klimawandel unterstützt und gefördert werden muss.

In den kommenden Monaten wird die EU diese Richtlinie weiter verhandeln. Wir hoffen, dass die Politiker sich dazu durchringen, die Nutzung von Biomasse in großen, ineffizienten Kraftwerken zumindest zu begrenzen. Die Alternative – nämlich Milliarden von Euros (oder Pfund) an Steuergeldern aufzuwenden, um Biomasse in Kraftwerken zu verfeuern – kann in keiner Weise gerechtfertigt werden.

Subscribe to our newsletters

Subscribe