Der Weg aus der Klimakrise führt in den Wald

DISCLAIMER: Die hier aufgeführten Ansichten sind Ausdruck der Meinung des Verfassers, nicht die von EURACTIV.COM Ltd.

Bundesweit gibt es laut Waldbesitzern, Forstexperten, Politik und Umweltschützern derzeit massive Baumschäden in einem bisher nicht gekannten Ausmaß. Die Rede ist von einem "Kollaps" ganzer Wälder. [Bildquelle DFWR]

Der Deutsche Forstwirtschaftsrat fordert eine wirksame Klimaschutzpolitik und die Beachtung der Potentiale einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung für den Klimaschutz in entsprechenden Gesetzen, schreibt Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates, am Tages des Waldes.

Die letzten Jahre sind die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. 2018 war eines der niederschlagsärmsten Jahre. Diese bereits spürbaren Klimawandelfolgen haben einen massiven Einfluss auf die Forstwirtschaft in Deutschland und ganz Europa. Dürre und Hitze schwächen unsere Wälder und bieten gleichzeitig optimale Entwicklungsbedingungen für bekannte, aber auch neue Schadorganismen.

Die deutsche Forstwirtschaft hat im Klimawandel eine Doppelrolle. Zum einen leidet der Wald bereits spürbar unter den Folgen des Klimawandels. Politik und Gesellschaft müssen jetzt handeln und deutlich mehr tun, um das Klima zu schützen. Zum anderen kann eine nachhaltige Waldwirtschaft große Potentiale entfalten, klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) der Atmosphäre zu entziehen und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Der deutsche Wald entzieht durch sein ständiges Wachstum jährlich rund 58 Mio. Tonnen CO2 der Atmosphäre. Weiter wird der bei der Verwendung von Holz in langlebigen Produkten (Dachstühle, Möbel, Bauholz etc.), der sogenannte Holzproduktspeicher, jährlich um 3 Mio. Tonnen CO2 erhöht. Mit diesen Produkten gelingt es, energieintensive Materialien wie Beton, Stahl oder weitere zu ersetzen und so weitere gut 30 Mio. Tonnen CO2  zu vermeiden. Als letzte Säule entsteht durch die Nutzung von Holz als Energieträger bei der Substitution fossiler Brennstoffe ein Einsparungspotential von schätzungsweisen 36 Mio. Tonnen CO2. In Relation zu den gesamten Emissionen Deutschlands von 900 Mio. Tonnen CO2 im Jahr 2014 entspricht das ganzen 14 Prozent.

Der Deutsche Forstwirtschaftsrat fordert eine wirksame und zielgerichtete Klimaschutzpolitik und die angemessene Beachtung der Potentiale einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung für den Klimaschutz in entsprechenden Gesetzen.

Das geplante Klimaschutzgesetz 2019 soll regeln, wie die Treibhausgasemissionen in einzelnen Sektoren reduziert werden kann, um die Folgen des Klimawandels zu begrenzen. Damit eine nachhaltige Forstwirtschaft ihr CO2-Minderungspotenzial voll entfalten kann ist es unabdingbar, dass das neue Gesetz alle Belange einer solchen Bewirtschaftung vollumfänglich berücksichtigt. Die vorgesehene sektorale Betrachtung berücksichtigt dabei gerade nicht die Klimaschutzleistungen, die eine nachhaltige Forstwirtschaft über den Waldspeicher hinaus erbringt. Vielmehr muss gesichert sein, dass die Leistung der Bewirtschaftung durch Zuwachs, Holzproduktespeicher und Substitution anderer Materialien, sowohl stofflich als auch energetisch, in der Gesamtheit anerkannt wird.

Der Deutsche Forstwirtschaftsrat setzt sich dafür ein, dass durch nachhaltige Waldwirtschaft die Wälder weiter stabil und klimaflexibel entwickelt werden und sie auch an die künftige Klimasituation angepasst sind. Die Waldbesitzenden und Forstleute beheben die durch den Klimawandel bedingten Schäden und bringen klimastabile Laub- und Nadelbaumarten ein, für einen gemischten, vitalen, zuwachsstarken und stabilen Wald für die kommenden Generationen.

Wald erbringt für die Gesellschaft viele Ökosystemleistungen. Er schützt Wasser, Gewässer, Boden und Arten, er reinigt die Luft und ist Ort der Erholung. Deshalb ist für den Deutschen Forstwirtschaftsrat die Walderhaltung auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Deshalb ist eine finanziellen Förderung von Waldanpassungsmaßnahmen (Pflanzung klimaplastischer Baumarten, Pflege von Jungbeständen, Erschließung der Wälder) notwendig sowie eine flächendeckende Beratung der Waldbesitzenden und Betreuung von Waldflächen maßgeblich für den Erfolg, die Wälder an zukünftige Klimasituationen anzupassen. Dazu muss gewährleistet sein, dass sowohl die staatlichen Forstverwaltungen als auch Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse auf ausreichend qualifiziertes Personal zurückgreifen können. Wir müssen mehr in die forstliche Ausbildung auf allen Ebenen investieren sowie attraktive Arbeitsplätze anbieten. Es darf keinen weiteren Personalstellenabbau in der Forstwirtschaft zur Sanierung der Haushalte geben.

Der Deutsche Forstwirtschaftsrat setzt sich dafür ein, dass mehr in die forstliche Grundlagenforschung investiert wird, um die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald besser zu verstehen. Nur so können die richtigen Anpassungsstrategien gefunden und zeitnah umgesetzt werden. Die Produktionszyklen im Wald sind sehr lang. Die forstlichen Forschungsanstalten müssen langfristig mit Personal und Finanzmitteln ausgestattet sein.

Die Anpassung der Wälder an ein sich veränderndes Klima wird den Laubholzanteil erhöhen. Wir müssen nach neuen Wegen suchen und mehr Holzbau-Forschung betreiben, um Laubholz in eine höherwertige stoffliche Verwendung zu bringen.

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