Der grüne Investitionsplan wird zum Impuls für das Wirtschaftswachstum

DISCLAIMER: Die hier aufgeführten Ansichten sind Ausdruck der Meinung des Verfassers, nicht die von EURACTIV Media network.

Michał Kurtyka

Die Coronavirus-Pandemie zwang die Entscheidungsträger, ihre Sichtweise auf die Wirtschaft zu ändern und sich an die neue Normalität anzupassen. In diesem beispiellosen Moment schlägt Polens Regierung Lösungen vor, die einen neuen Entwicklungsimpuls auslösen werden.

Von Polens Klimaminister Michał Kurtyka.

Die Coronavirus-Pandemie zwang die Entscheidungsträger, ihre Sichtweise auf die Wirtschaft zu ändern und sich an die neue Normalität anzupassen. In diesem beispiellosen Moment schlagen wir Lösungen vor, die einen neuen Entwicklungsimpuls auslösen werden. Polens Bestreben ist es, grüne Investitionen zum Pfeiler der Veränderungen zu machen, da sie den Aufbau einer modernen Wirtschaft von morgen und eine Annäherung an die Ziele der EU-Klimapolitik ermöglichen.

Die gegenwärtige Pandemie hat uns in unserer Überzeugung bestärkt, dass der Weg der Transformation hin zu niedrigen und Null-Emissionen absolut richtig ist.  Polen braucht unbedingt grüne Investitionen, da sie dazu beitragen werden, die Wirtschaft anzukurbeln, neue Arbeitsplätze zu schaffen und den Wettbewerbsvorteil unserer heimischen Unternehmen auf den internationalen Märkten zu stärken. Wenn wir diesen Weg einschlagen, haben wir die Chance, uns zu entwickeln, und das wird uns konkrete wirtschaftliche Vorteile bringen. Aus diesem Grund wird das Klimaministerium allein in diesem Jahr beispielsweise die Mittel der EU, Norwegens und nationaler Fonds nutzen und 7,8 Milliarden PLN (etwa 2 Milliarden Euro) für die Förderung grüner Investitionen bereitstellen. Die Mittel werden für die Durchführung von Projekten zur Energieumwandlung, zur Verbesserung der Luftqualität, zur thermischen Sanierung von Gebäuden, zur Entwicklung der Elektromobilität, für Investitionen in EE-Kleinstanlagen oder für Lösungen zur Milderung der Auswirkungen von Dürren verwendet.

Polen hat die Entwicklung erneuerbarer Energiequellen konsequent unterstützt, z.B. in Form eines Auktionssystems. Seit 2016 wurden neue Kapazitäten kontrahiert – insgesamt 1,7 GW an Photovoltaikanlagen und rund 3,4 GW an Windparks. Der Gesamtwert der Förderung belief sich auf über 38 Mrd. PLN (ca. 8,7 Mrd. EU), von denen 37 Mrd. PLN (ca. 8,4 Mrd. EUR) für neue Anlagen bereitgestellt wurden. Die für dieses Jahr geplanten Versteigerungen werden dazu führen, dass eine Leistung von über 2,4 GW aus neuen, grünen Energiequellen erzeugt wird, davon 800 MW aus Windenergie und 1,5 GW aus Sonnenenergie. Diese Tatsache positioniert Polen in Bezug auf die Gesamtfläche für den Bau von Onshore-Windparks an die erste Stelle in der EU.

Die Umsetzung der neuen Investitionen wird die Transformation ebenfalls beschleunigen. Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass das Coronavirus die Probleme und Herausforderungen des Energiesektors nicht verschwinden ließ. Im Zusammenhang mit Polen wird die Schlüsselfrage darin bestehen, die alten Kohlekraftwerke durch emissionsfreie Stromquellen zu ersetzen, die in Onshore- und Offshore-Windkraftanlagen, in der Photovoltaik und in emissionsarmen Stromquellen wie Erdgas oder Kernkraft unter Wahrung der Energiesicherheit installiert werden. Das Ausmaß der Herausforderungen, vor denen unser Land steht, ist mit anderen EU-Mitgliedstaaten nicht zu vergleichen. Wir glauben, dass die Klimaveränderung mit dem Plan zum Wiederaufbau der Wirtschaft nach der Pandemie kombiniert werden kann, aber das erfordert den Einsatz erheblicher Ressourcen, um unsere Ambitionen Wirklichkeit werden zu lassen.

Noch vor einigen Jahren hätte niemand gedacht, dass Schlesien, das seit Jahrhunderten ein Zentrum des Kohlebergbaus und ein Industriegebiet mit zahlreichen energieintensiven Industrien ist, in den Mittelpunkt der weltweiten Diskussion über die Klimapolitik und die Suche nach Methoden zur Bekämpfung des Klimawandels rücken würde. Die wichtigsten Entscheidungen zum Schutz des Klimas unseres Planeten wurden während des COP24-Gipfels in Katowice getroffen. Was unmöglich schien, ist nun eine Tatsache geworden. Es zeigte, dass Polen ein aktiver Teilnehmer an der globalen Diskussion über den Klimawandel und die Transformation der Wirtschaften hin zu niedrigen und kohlenstofffreien Emissionen ist. Das Konzept des „gerechten Übergangs“ – die Gewährleistung des Umweltschutzes ohne Verlangsamung der Wirtschaft und unter gebührender Berücksichtigung der Arbeitsplätze – wurde von Polen eingeführt.

Unser Land unterstützt die Bestrebungen der EU, die Klimaneutralität der gesamten Union bis 2050 zu erreichen. Allerdings hängt die Akzeptanz der genannten Verpflichtung durch Polen als nationales Ziel von der Verfügbarkeit der Mittel für die Energieumwandlung, der gesellschaftlichen Akzeptanz und der Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie ab. Wir können nicht zulassen, dass die Kosten der Veränderungen den Schwächsten aufgebürdet werden, während die Industrie aus Angst vor zusätzlichen Kosten beschließt, ihre Produktion in Länder außerhalb der Europäischen Union zu verlagern.  Die Klimaziele der Europäischen Union müssen daher realistisch sein, d.h. sie müssen die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie und die Situation in den einzelnen Ländern berücksichtigen. Seit Beginn der Diskussion über die Klimaneutralität haben wir betont, dass die Entwicklung der Wirtschaft und des Energiesektors zwar in unserem Interesse liegt, dass sie aber verantwortungsvoll und mit Rücksicht auf die Ärmsten erfolgen muss. Wir sollten keine Diskussionen beginnen, die die Belastung erhöhen und die Erholung der Wirtschaften nach einer Pandemie behindern könnten. Jede Krise birgt nicht nur Herausforderungen, sondern vor allem auch Chancen für einen Neuanfang und den Aufbau einer Zukunft auf der Grundlage neuer, grüner, emissionsarmer Investitionen. Daher begrüßen wir den von der Europäischen Kommission vorgeschlagenen Erholungsfonds mit einem geschätzten Gesamtwert von 750 Milliarden Euro, der unter anderem darauf abzielt, das Wirtschaftswachstum auf der Grundlage grüner Investitionen zu erleichtern. Aus der Perspektive der Umgestaltung des Energiesektors wird die Aufstockung des Fonds für den gerechten Übergang von 7,5 auf 40 Milliarden Euro die Schlüsselrolle spielen, da Polen zu einem der Hauptnutznießer dieses Fonds werden wird. Wir betrachten den Vorschlag der Kommission als Ausdruck des Vertrauens, dass unser Land aktive Maßnahmen für eine kohlenstoffarme Wirtschaft ergreifen wird. Wir glauben, dass Investitionen in den Energiesektor, insbesondere in erneuerbare Energiequellen, sowohl in Polen als auch in der gesamten EU erforderlich sind, da sie den Impuls für die Erholung der Wirtschaften nach der Coronavirus-Pandemie wesentlich vorantreiben können. Heute müssen wir darüber nachdenken, wie wir die Chancen und Möglichkeiten nutzen können, um das Tempo der wirtschaftlichen Transformation in Polen zu erhöhen.

 

 

Subscribe to our newsletters

Subscribe
UNTERSTÜTZEN