Zertifikate für CO2-Entfernung: EU-Parlament will gegen Greenwashing vorgehen

"Die Zertifizierung wird dazu beitragen, dass private Investitionen in Projekte zur Entnahme von Treibhausgasen getätigt werden, was uns beim ökologischen Wandel unterstützt und Europas Führungsrolle im Bereich des Klimaschutzes stärkt", sagte die Verhandlungsführerin des Europäischen Parlaments, Lídia Pereira. [Mathieu Cugnot / European Union 2023 - Source : EP]

Das Europäische Parlament hat am Dienstag (21. November) seinen Standpunkt zu einem Zertifizierungssystem zur CO2-Entnahme festgelegt. Damit soll ein Erreichen der Klimaziele erleichtert, und Greenwashing erschwert werden.

Der Rahmen für die Zertifikate wurde von der Europäischen Kommission vorgeschlagen, um die Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre zu fördern. Damit das dem Klima zugutekommt, sind allerdings strikte Regeln vonnöten.

„Der Klimawandel ist bereits so gravierend, dass wir uns nicht nur auf Emissionsreduzierungen verlassen können, sondern auch CO2 abbauen müssen“, sagte Lídia Pereira, eine portugiesische Abgeordnete der Europäischen Volkspartei (EVP) und Verhandlungsführerin des Parlaments in Bezug auf diesen Gesetzesvorschlag.

„Dieses Instrument macht dies möglich, da es zur Regulierung eines Marktes beiträgt, der von Greenwashing, Unklarheit und Misstrauen geplagt ist“, fügte sie hinzu.

Das Europäische Parlament verabschiedete seinen Standpunkt mit 448 Ja-Stimmen, 65 Nein-Stimmen und 114 Enthaltungen. Breite Unterstützung also. Das Parlament betont, dass das System internationalen Standards entsprechen und transparent sein muss, um Betrug und Doppelzählungen zu vermeiden.

Das Pflanzen von Bäumen, die der Atmosphäre während ihres Wachstums CO2 entziehen, ist heute die am weitesten verbreitete Form der CO2-Entnahme. Es werden aber auch Industrieverfahren entwickelt, wie zum Beispiel das Direct Air Capture (DAC), bei dem riesige Ventilatoren CO2 direkt aus der Atmosphäre absaugen und dauerhaft speichern.

Das EU-Zertifizierungssystem soll dazu beitragen, dass private Investitionen in diese Projekte zum Abbau von CO2-Emissionen getätigt werden.

Mit seinem Votum schafft das Parlament Klarheit über vier verschiedene Arten von Aktivitäten, die unter den Zertifizierungsrahmen fallen: CO2-Entnahme, landwirtschaftliche Kohlenstoffbindung im Boden, landwirtschaftliche Verringerung von CO2-Emissionen und Kohlenstoffspeicherung in Produkten.

Damit wird der Forderung von Umweltorganisationen und Wissenschaftlern Rechnung getragen, die befürchteten, dass die Gleichbehandlung von Tätigkeiten mit unterschiedlichem Grad an CO2-Entnahme und Dauerhaftigkeit das Gesetz zu untergraben drohe.

Bereit für die abschließenden Verhandlungen

Das Votum des Europäischen Parlaments folgt auf die Einigung der EU-Länder über ihre Haltung zu dem Gesetzesentwurf am 17. November. Damit sind nun beide Seiten bereit, Verhandlungen über die endgültige Fassung des Gesetzes aufzunehmen.

Umwelt-NGOs hoffen auf Änderungen. „Die Verhandlungsführer müssen den Gebrauch und die Rolle des Emissionsabbaus in den Mittelpunkt ihrer Diskussionen stellen“, sagte Wijnand Stoefs von Carbon Market Watch, einer grünen NGO.

Sonst gäbe es das Risiko, „dass CO2-Entnahme, vorübergehende Speicherung und/oder Emissionsminderung dazu missbraucht werden, die Verringerung von Emissionen hinauszuzögern und schmutzigen Industrien ein grünes Image zu verschaffen“, so Stoefs.

Laut Rodica Avornic, Associate Policy Director bei der NGO Carbon Gap, muss die Zertifizierung zweckgebunden und auf definierte Ziele ausgerichtet sein, um Greenwashing zu vermeiden.

„Wir begrüßen die Schritte des Parlaments in Richtung eines robusteren Zertifizierungsrahmens [für den Abbau von Emissionen]“, meinte sie trotzdem.

Carbon Gap fordert, dass Zertifikate nur zum Ausgleich von Emissionen verwendet werden, die nicht anderweitig reduziert werden können, und dass die aus fossilen Brennstoffen stammenden Emissionen durch eine dauerhafte Bindung von CO2 ausgeglichen werden, im Sinne des sogenannten „like for like“-Prinzips.

EU-Abgeordnete wollen CO2-Entnahme aus der Atmosphäre vorantreiben

Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments hat am Dienstag (24. Oktober) dafür gestimmt, den Weg für neue Technologien zu ebnen, die CO2 aus der Atmosphäre entfernen. Dabei unterstützt er Pläne für eine EU-weite Zertifizierung der CO2-Entnahme.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald und Frédéric Simon]

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