Winds of Change: Sieben Statistiken zur boomenden Windenergie-Branche

Offshore-Windenergie wird immer mehr zu einer Mainstream-Energiequelle, so WindEurope. [Statkraft / Flickr]

2017 war ein Rekordjahr für Offshore-Windenergie in Europa, zeigt ein am Dienstag veröffentlichter Bericht von WindEurope. EURACTIVs Medienpartner edie.net hat sich die Daten angesehen und zeigt sieben Statistiken zur boomenden Windenergiebranche auf.

Dank fallender Installationskosten wird Offshore-Windenergie für einige Nationen zur absoluten Mainstream-Energiequelle. Für Großbritannien war 2017 aus energiepolitischer Sicht „das grünste Jahr aller Zeiten“ – und Offshore-Projekte haben daran großen Anteil.

Wie der neueste Bericht von WindEurope zeigt, sind die Aussichten für ganz Europa positiv: Der Windenergiemarkt werde wohl weiterhin stark wachsen.

WindEuropes Chef Giles Dickson erklärte: „Offshore-Wind ist inzwischen Mainstream und die Kosten sind rapide gefallen. Heute sind Investitionen in Offshore-Windanlagen nicht mehr kostspieliger als Investments in konventionelle Energieerzeugung.“

Dickson kommentierte weiter: „Das zeigt, dass Europa sich ein sehr viel höheres Erneuerbare-Energien-Ziel für 2030 setzen könnte. 35 Prozent sind locker zu erreichen. Insbesondere, wenn die neuen schwimmenden Windkraftanlagen nun auch ans Netz kommen.“

Zunächst stehen aber die Ziele für 2020 an. Was sind in dieser Hinsicht die wichtigsten aktuellen und zukünftigen Entwicklungen in der Windenergie? Edie hat den Bericht von WindEurope unter die Lupe genommen und präsentiert sieben teils überraschende Beobachtungen.

1) Großbritannien ist führend

Bei den Kapazitäten, die 2017 neu ans Netz angeschlossen wurden, liegen Großbritannien (1,7 GW) und Deutschland (1,3 GW) in Front. Das Vereinigte Königreich liefert nun 53 Prozent aller Netto-Windenergiekapazitäten im europäischen Netz. 67 Prozent der gesamten Offshore-Windenergie werden in der Nordsee erzeugt.

Dieses Jahr sollen weitere 400 MW aus britischen Windenergieprojekten eingespeist werden. Der Offshore-Markt wird sich wohl auch in Zukunft besonders um Großbritannien drehen: Das Land will bis 2020 zusätzliche 3,3 GW Windenergie bereitstellen. Das ist deutlich mehr als das deutsche Ziel von 2,3 GW.

Großbritannien und Deutschland haben 2017 die meisten neuen Windenergiekapazitäten ans Netz gebracht.

2) Europas Kapazitäten sind um ein Viertel gewachsen

In ganz Europa wurden im vergangenen Jahr 3,1 GW Netto-Windenergiekapazitäten ans Netz gebracht. Insgesamt werden nun 15,8 GW produziert. Somit haben sich die Kapazitäten in nur einem Jahr um 25 Prozent vergrößert.

4.000 Offshore-Windturbinen arbeiten nun in 11 Ländern. 13 neue Windparks wurden 2017 fertiggestellt, darunter die erste schwimmende Windkraftanlage der Welt in Schottlland. Für dieses Jahr sind 11 Projekte geplant. WindEurope erwartet, dass die europäische Windkraftbranche im Jahr 2020 Kapazitäten von 25 GW erreichen wird.

3) Nur fünf Länder sind wirklich aktiv

Während das Wachstum also immens ist, konzentriert sich die Offshore-Windkraft in Europa auf nur wenige Länder. Tatsächlich werden 98 Prozent der Kapazitäten in Großbritannien, Deutschland, Dänemark, den Niederlanden und Belgien erzeugt.

Dabei ist 43 Prozent der in Europa produzierten Offshore-Windenergie britisch, 34 Prozent kommen aus deutschen Anlagen.

98 Prozent der Offshore-Windkapazitäten kommen aus Großbritannien, Deutschland, Dänemark, den Niederlanden und Belgien.

4) Die Investitionen sinken, aber das muss kein schlechtes Zeichen sein

Im Jahr 2017 fielen die in neue europäische Offshore-Projekte investierten Gelder um fast 60 Prozent. Insgesamt wurden 7,5 Milliarden Euro ausgegeben. Aus Sicht von WindEurope liegt dies aber nicht an nachlassendem Interesse sondern an den rapide sinkenden Kosten der Technologie.

Aus Vergaberunden der vergangenen zwei Jahre werden dieses Jahr wohl rund 9 Milliarden Euro investiert, erwartet WindEurope.

5) Frankreich will global führend werden

Frankreich hat 2017 seine erste Offshore-Windturbine mit einer Netto-Kapazität von 2 MW in Betrieb genommen. Präsident Emmanuel Macron hat versprochen, das Erneuerbare-Energien-Portfolio des Landes zu vergrößern und insbesondere den Ausbau der Windenergie voranzutreiben. WindEurope prognostiziert daher, dass Frankreich im Jahr 2021 der zweitgrößte Windenergiemarkt der EU sein wird.

Projekte entlang der französischen Küsten sollen vor allem nach 2020 realisiert werden. In den zehn Jahren bis 2030 sollen Nettokapazitäten von insgesamt 4,3 GW installiert werden.

6) Siemens Gamesa hat die Kontrolle in Europa

51 Prozent der im letzten Jahr neu gebauten Anlagen wurden von Siemens Gamesa Renewable Energy gefertigt und aufgestellt. MHI Vestas folgt mit einigem Abstand (24,7 Prozent Marktanteil). Zwar kamen 2017 einige neue Hersteller auf dem Markt hinzu, diese beiden Firmen stehen aber noch immer für rund drei Viertel der installierten Kapazitäten.

Siemens Gamesa Renewable Energy hat 51 Prozent der neuen Anlagen gebaut.

7) Der Markt braucht Sicherheit und Klarheit von der Politik

Der Bericht von WindEurope warnt, dass die Anzahl der ans Netz angeschlossenen Windparks um das Jahr 2020 herum wieder fallen könnte, wenn die EU-Mitgliedstaaten ihre nationalen Ziele unter der  Erneuerbare-Energien-Richtlinie erreichen.

Belgien und Dänemark wollen derweil in den kommenden Jahren jeweils zwischen 1 und 1,3 GW an Offshore-Kapazitäten hinzufügen. Auch die Niederlande haben angekündigt, zwischen 2023 und 2030 jedes Jahr rund 1 GW neue Kapazitäten an die europäischen Netze zu bringen. Bis 2022 sollen die Windparks Borselle III und IV sowie Hollandse Kust Zuid I, II, III & IV fertiggestellt sein.

In Großbritannien werden unter der nächsten sogenannten Contract for Difference Auction im Jahr 2019 insgesamt 557 Millionen Pfund an Fördergeldern für „weniger etablierte“ erneuerbare Energien wie Offshore-Windprojekte vergeben.

Trotz dieser nationalen Verpflichtungen wird es dennoch auch an der EU liegen, neue Ziele für erneuerbare Energie festzulegen und damit weiteres Wachstum im Offshore-Windenergiesektor anzuregen.

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