Wildtier-Populationen seit den 1970er-Jahren um 68 Prozent geschrumpft

Esther Asin vom WWF: "Wir müssen auch den globalen Fußabdruck der EU eindämmen, der die Zerstörung von Wäldern, Grasland und anderen wertvollen Ökosystemen außerhalb Europas vorantreibt." [RecondOil / Flickr]

Die Art und Weise, wie die Menschheit Nahrungsmittel, Energie und Waren produziert, zerstört die Lebensräume tausender wild lebender Tierarten, führt zu einem Einbruch der Populationsgrößen und trägt wohl auch zur Entstehung von Krankheiten wie COVID-19 bei, so der Living Planet Report 2020 des WWF, der heute veröffentlicht wurde.

Die weltweiten Populationen von Säugetieren, Vögeln, Amphibien, Reptilien und Fischen sind laut dem Bericht des WWF zwischen 1970 und 2016 um durchschnittlich 68 Prozent zurückgegangen. Dies ist eine weitere drastische Verschlechterung seit der vor zwei Jahren veröffentlichten Vorgängerversion des Index, die damals einen Rückgang der Wildtiere um 60 Prozent feststellte.

„Diese Ergebnisse sind verheerend und eine deutliche Erinnerung daran, dass ein gesunder Planet eine Voraussetzung für eine gesunde menschliche Gesellschaft ist – und dass der European Green Deal so relevant ist wie eh und je,“ kommentierte Ester Asin, Direktorin des WWF für Europapolitik.

Der Living Planet Index spiegelt die durchschnittliche proportionale Veränderung der Größe der Tierpopulationen seit 1970 wider. Überwacht werden derzeit 4.392 Arten und 20.811 Populationen. Dabei stützt man sich auf die Daten von Mitgliedern, Tierfreunden und Fachleuten aus der ganzen Welt.

Der Verlust und die Zerstörung von Lebensräumen, beispielsweise durch Rodung und Abholzung, werden hauptsächlich durch die Art und Weise angetrieben, wie die Menschheit Nahrung produziert, so der Bericht: Die Landwirtschaft sei die Hauptursache für den starken Rückgang der Populationsgrößen auf dem Land.

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Die Umweltzerstörung dürfte auch die Anfälligkeit für Pandemien erhöhen, warnt der WWF: „COVID-19 ist eine klare Manifestation unserer zerrütteten Beziehung zur Natur und unterstreicht die tiefgehende Verknüpfung zwischen der Gesundheit sowohl der Menschen als auch des Planeten,“ schreibt Marco Lambertini, Generaldirektor von WWF International, in einem Vorwort zu dem Bericht.

Um den Verlust der biologischen Vielfalt rückgängig zu machen, hat ein Konsortium aus dem WWF und mehr als 40 Universitäten, Naturschutzorganisationen und zwischenstaatlichen Organisationen 2017 die „Bending the Curve Initiative“ ins Leben gerufen.

Heute wurde ein Papier über die bisherigen Erkenntnisse und Ergebnisse der Gruppe in der renommierten Wissenschaftszeitschrift Nature veröffentlicht.

Eingeschränktes Lob für die EU

Mit Blick auf die Politik der EU lobte der WWF die Biodiversitätsstrategie und die „Farm to fork“-Initiative der Europäischen Kommission, die beide im vergangenen Mai vorgestellt wurden. Insbesondere begrüßte der Naturschutzverband die Verpflichtung, im Jahr 2021 rechtsverbindliche EU-Ziele zur Wiederbelebung der Natur in Europa vorzulegen.

„Die kürzlich vorgeschlagenen EU-Strategien für biologische Vielfalt sowie Farm to Fork sind potentielle Game-Changer und müssen nun von den Mitgliedstaaten und dem Parlament unmissverständlich gebilligt und umgesetzt werden,“ so die beim WWF für Europapolitik zuständige Esther Asin.

Die Naturschutzgruppe begrüßte auch die Entscheidung der EU-Kommission vom Dezember vergangenen Jahres, die Gesetze über sauberes Wasser unangetastet zu lassen. Die Wasserrahmenrichtlinie sei „ihrem Zweck angemessen“, schloss die EU-Exekutive im Ende 2019 und bekräftigte damit, dass die Ziele des Gesetzes „heute genauso relevant sind wie zum Zeitpunkt der Verabschiedung“ vor zwanzig Jahren.

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Um den Verlust an biologischer Vielfalt und die Entwaldung wirklich umzukehren, müsse die EU jedoch auch Verantwortung für die globalen Auswirkungen ihrer Produktions- und Verbrauchsmuster übernehmen, so der WWF. Das erfordere zusätzliche Gesetze.

„Wir müssen auch den globalen Fußabdruck der EU eindämmen, der die Zerstörung von Wäldern, Grasland und anderen wertvollen Ökosystemen außerhalb Europas vorantreibt. Ein starkes neues Gesetz, um Produkte, die mit Entwaldung in Zusammenhang stehen, vom EU-Markt fernzuhalten, ist dringend erforderlich,“ so Asin.

Darüber hinaus plädiert der WWF für mehr finanzielle Mittel zur Unterstützung der politischen Verpflichtungen.

Asin dazu: „Jetzt ist der Moment für unsere Politikerinnen und Politiker, Geld in die Hand zu nehmen: Die Hälfte des EU Recovery Fund sollte für Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen bereitgestellt sowie gleichzeitig sichergestellt werden, dass kein einziger Cent in fossile Brennstoffe und andere schädliche Wirtschaftsbereiche fließt.“

[Bearbeitet von Frédéric Simon und Tim Steins]

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