Wie nachhaltig kann Fußball sein?

Plastikabfall am Spielfeld. [Vitali Michkou/shutterstock]

Fußball begeistert, bringt zusammen und ist für manche wie eine Religion – so auch beim Finale der Fußballweltmeisterschaft der Frauen in Frankreich am Sonntag. Aber Fußball hat auch wenig beachtete Schattenseiten: Müllberge, Wasserverschwendung und ein großer CO2-Fußabdruck. Das Projekt Life Tackle will das jetzt ändern.

Wer ein Fußballmatch besucht, hat in erster Linie den Erfolg seiner Mannschaft im Kopf. Der Einwegbecher aus Plastik für das gekühlte Bier in der Halbzeitpause, der Wasserbedarf der Rasensprinkler oder die Frage, wie Tausende Fußballfans in ganz Europa jedes Wochenende in die Stadien kommen, beschäftigen nur wenige – bislang.

Life Tackle will Bewusstsein für Nachhaltigkeit sowohl unter Fußballfans als auch unter Organisatoren schaffen. Gegründet wurde das Projekt vom Institut für Management der Scuola Superiore Sant’Anna in Pisa, Italien, zusammen mit sieben weiteren europäischen Partnerorganisationen. Auch die UEFA, der europäischen Fußballverband, und nationale Fußballverbände in Italien, Rumänien und Schweden unterstützen das Projekt, das von der LIFE-Initiative der Europäischen Kommission mitfinanziert wird.

Ziel von Life Tackle ist es, herauszufinden, wie ein Fußballmatch möglichst nachhaltig ausgetragen werden kann. Dafür werden alle Aspekte rund um ein Spiel unter die Lupe genommen: vom Rasen bis hin zu den Halbzeit-Snacks. Am Ende des Projekts, das noch bis 2021 läuft, wird ein Katalog an Richtlinien und Ideen zusammengestellt. Dieser wird Fußballvereinen und Sportorganisatoren in ganz Europa zur Verfügung gestellt und soll als Orientierungshilfe für ein nachhaltigeres Fußballerlebnis dienen.

Bis es soweit ist, besuchen die Teilnehmer des Projekts verschiedene Spielstätten in Europa, um herauszufinden, wie nachhaltig Spiele bislang ausgetragen werden und wo es besser laufen könnte. Die Zahlen sprechen bislang dafür, das es vielerorts noch Verbesserungsbedarf gibt.

Umweltsünde Fußball

Im Durchschnitt erzeugt ein Fußballfan laut Life Tackle pro Besuch im Stadium 0,8 Kilogramm Müll. Das klingt zuerst nicht nach viel. Hochgerechnet auf alle Fans, die europaweit Spiele von nationalen Fußballverbänden besuchen, sind das laut Life Tackle 750 000 Tonnen Abfall pro Jahr. Das ist mehr Müll, als Liechtenstein jährlich produziert.

Auch die CO2-Bilanz von Fußballspielen wurde in letzter Zeit zum Thema. Das Finale der Europa League fand Ende Mai in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, statt. Die Gegner kamen beide aus London: Arsenal und Chelsea. Mit ihnen reisten 12.000 Fußballfans von der britischen Hauptstadt London zur Spielstätte. Der CO2-Verbrauch: 5.595 Tonnen. Ein einzelner Mensch verbraucht durchschnittlich knapp zehn Tonnen CO2 pro Jahr.

Wenige Tage später standen sich im spanischen Madrid mit Tottenham und Liverpool erneut zwei englische Vereine im Champions League Finale gegenüber. Diesmal reisten über 30.000 Fans mit ihren Mannschaften mit. Der CO2-Ausstoß für beide Spiele wird auf rund 35.450 Tonnen Kohlendioxid geschätzt.

Die Belastung der Umwelt durch Anreisen zum Stadium wird auch während der kommenden Fußball-Europameisterschaft ein Thema sein. Zwölf Städte in elf verschiedenen Ländern tragen kommendes Jahr das Turnier aus. Spieler und Fans müssen zwischen den Spielstätten hin- und herreisen. Die UEFA hat bereits angekündigt, die dadurch entstehenden Schadstoffe zu kompensieren.

Veränderung durch mehr Bewusstsein

Die Mengen an Müll und Schadstoffen nimmt Life Tackle als Ausgangspunkt. Dass sich über den Sport Botschaften verbreiten lassen, haben andere Kampagnen, beispielsweise gegen Diskriminierung, bereits bewiesen. Das liegt auch daran, dass Fußball Massen erreicht. 3,5 Milliarden Menschen haben die Weltmeisterschaft 2018 im Fernsehen verfolgt. 40 Prozent der Bevölkerung bezeichnen sich als fußballinteressiert.

Ein europäischer Klub hat bereits angekündigt, so grün sein zu wollen, wie seine Fußballdressen: Real Betis aus Sevilla. Dafür soll die Flutlichtanlage mit LED-Lampen ausgestattet und die Müllsammlung verbessert werden. Der Bau eines neuen Trainingsgelände ist klimaneutral geplant. Wird Life Tackle ein Erfolg, schließen sich in den nächsten Jahren noch mehr Vereine und Organisatoren dem Beispiel von Real Betis an.

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