Die Bundesregierung blickt bei der Wasserstoffversorgung in den kommenden Jahren über Europa hinaus. Mit Algerien hat sie eine Taskforce gebildet, um die Rahmenbedingungen für Importe zu erleichtern.
Während Fortschritte bei einer europäischen Wasserstoffpipeline, die spanische Elektrolyseure mit deutschen Industriezentren verbinden soll, von Paris blockiert werden, blickt Berlin auf andere Teile des ehemaligen französischen Weltreichs.
„Deutschland und Algerien pflegen seit 2015 eine enge Energiepartnerschaft. Diese wollen wir jetzt erweitern und Algerien darin bestärken, zukünftig verstärkt grünen Wasserstoff zu produzieren“, sagte Vizekanzler Robert Habeck am Donnerstag (8. Februar).
Die Bundesregierung rechnet bis 2030 mit einem jährlichen Wasserstoffimportbedarf, der 45 bis 90 Terawattstunden beträgt. Das ist etwas weniger als die Hälfte der vorausgesagten inländischen Produktion und liegt hinter den Ausbauzielen zurück. Das bedeutet, dass Importe eine bedeutendere Rolle spielen könnten als bisher angenommen.
Ein Großteil des klimafreundlichen Gases könnte über das gut ausgebaute Erdgasleitungsnetz kommen, welches das nordafrikanische Tunesien mit dem europäischen Festland verbindet.
Die Eigentümer des Pipeline-Netzwerkes – darunter der italienische Betreiber Snam – wollen in den 2030er Jahren auf Wasserstoff umstellen. Das Projekt wird alternativ SoutH2 oder „Southern Hydrogen Corridor“ genannt. Berlin und Rom haben bereits politische Unterstützung für das Projekt zugesagt.
Algerien und Deutschland wollen eine gemeinsame Taskforce einrichten, um die Versorgung mit Wasserstoff zu gewährleisten. Algerien seinerseits hofft, bis 2040 zehn Prozent des Wasserstoffbedarfs der EU decken zu können.
„Jetzt geht es darum, die notwendigen technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für Wasserstofflieferungen zwischen Algerien und Europa zu schaffen“, sagte Habeck, der das Land mit einer Wirtschaftsdelegation besucht hatte.
Vorerst Gas
Während selbst ein teilweiser Wasserstofftransport nach Europa, bei dem Erdgas mit Wasserstoff „gemischt“ wird, um seine Umweltfreundlichkeit zu erhöhen, noch in weiter Ferne liegt, haben deutsche Unternehmen damit begonnen, Geschäfte mit dem algerischen Energiesektor zu schließen.
VNG, der zweitgrößte Gasgroßhändler Osteuropas, war das erste deutsche Energieunternehmen, das algerisches Gas erwarb. Am 8. Februar schloss es einen Vertrag mit dem staatlichen Unternehmen Sonatrach.
Der „historische Vertrag“ diene dazu, die „Energiepartnerschaft von Sonatrach mit Europa“ zu stärken und „markiert den Beginn der Erdgaslieferungen nach Deutschland“, erklärte der Geschäftsführer des Unternehmens, Rachid Hachichi, in einer Mitteilung.
Über die Vertragsdauer oder die vereinbarten Mengen machten die Unternehmen keine Angaben.
Der Geschäftsführer von VNG, Ulf Heitmüller, sprach in der Mitteilung von Sonatrach von einem „mittelfristigen Gasliefervertrag.“ Sein Unternehmen hoffe, in Zukunft auch Wasserstoff importieren zu können.
[Bearbeitet von Alice Taylor/Kjeld Neubert]

