Wasserstoff: 5 Staaten sprechen sich ausdrücklich für erneuerbare Energie aus

Teresa Ribera, Spaniens Ministerin für den ökologischen Übergang. Spanien führt die Gruppe von fünf EU-Mitgliedsstaaten an, die fordern, dass Europa grünem Wasserstoff aus erneuerbaren Energien Priorität einräumen sollte. [Copyright: European Union]

Österreich, Dänemark, Luxemburg, Portugal und Spanien haben in einem gemeinsamen Brief die Europäische Union aufgefordert, erneuerbaren Energien im Rahmen eines EU-geführten Projekts zur Beschleunigung des Einsatzes, der Forschung und der Infrastruktur von Wasserstoff eindeutig den Vorrang zu geben.

Die Europäische Union hat am vergangenen Donnerstag ein „wichtiges Projekt von gemeinsamem europäischem Interesse“ (IPCEI) gestartet, bei dem mehrere EU-Staaten ein Manifest unterzeichnet haben, das den Weg für eine saubere Wasserstoff-Wertschöpfungskette ebnet.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier leitete am Donnerstag die Auftaktveranstaltung, bei der Norwegen und 22 weitere europäische Länder eine Absichtserklärung zur Unterstützung der Initiative unterzeichneten.

Fünf EU-Länder sehen den Schritt jedoch mit Skepsis und warnen, die Initiative dürfe nicht als Hintertür zur Finanzierung fossiler Gasinfrastruktur genutzt werden.

„Spanien setzt ausschließlich auf erneuerbaren Wasserstoff und ist der Meinung, dass EU-Gelder und regulatorische Unterstützung für erneuerbaren Wasserstoff vor CO2-armem Wasserstoff, der mit Erdgas (blauer Wasserstoff) oder Atomkraft hergestellt wird, Priorität haben sollten“, so eine EU-Quelle gegenüber EURACTIV.

Die Europäische Kommission sieht Wasserstoff als „ein wichtiges fehlendes Puzzlestück“, um eine weitgehende Dekarbonisierung in Industrien wie der Stahlproduktion und der Chemie zu erreichen – die nach aktuellem Stand wohl nicht vollständig elektrifiziert werden könnten.

„Sauberer Wasserstoff wird unseren europäischen Industrien helfen, sich zu dekarbonisieren, widerstandsfähig zu sein und global wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagte Thierry Breton, EU-Kommissar für den Binnenmarkt, der bei der Auftaktveranstaltung anwesend war.

Erneuerbar oder nur "low-carbon"? EU-Länder streiten über Wasserstoff

In der EU stehen sich zwei gegensätzliche Lager gegenüber: die Befürworter von grünem Wasserstoff, der ausschließlich aus erneuerbarem Strom hergestellt wird, und die Befürworter einer breiter gefassten Definition von „CO2-armen“ Produktionsmöglichkeiten, die auch Kernkraft und dekarbonisierte Gase einschließt.

Die EU-Mitgliedsstaaten haben sich in den vergangenen Wochen darüber gestritten, welche Art von Wasserstoff unterstützt werden soll; dabei standen sich zwei Lager gegenüber: die Befürworter von grünem Wasserstoff, der ausschließlich aus erneuerbarem Strom hergestellt wird; und die Befürworter einer lascher angelegten, sogenannten „kohlenstoffarmen“ Definition, die auch Kernkraft und sogenannte dekarbonisierte Gase einschließt.

Die Befürworter dieses letzteren „blauen“ Wasserstoffs betonen, dass kurzfristig Erdgas benötigt werden wird, um die Produktionsmengen hochzufahren und den EU-Wasserstoffmarkt zu vergrößern.

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager versuchte ihrerseits, den Ansatz der Kommission zu verdeutlichen, indem sie sagte, dass regulatorische Unterstützung nur für Projekte vorgesehen sei, die einen signifikanten Beitrag zu den langfristigen Klimazielen der EU leisten können.

„Die Entwicklung von Technologien für CO2-armen und insbesondere grünen Wasserstoff sowie der Aufbau der notwendigen Infrastruktur für deren Einsatz werden uns einen Schritt näher daran bringen, Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent zu machen“, sagte sie in einer Rede.

IPCEIs wurden 2014 erstmals eingeführt und erlauben es den EU-Mitgliedsstaaten, risikoreiche grenzüberschreitende Forschung und Innovation sowie Infrastrukturprojekte zu subventionieren, ohne dabei die normalerweise strengen EU-Beihilfevorschriften einhalten zu müssen.

„Kein Mitgliedsstaat und kein Unternehmen kann das alleine schaffen“, betonte Vestager. „Deshalb ist es sinnvoll, dass sich die europäischen Regierungen zusammenschließen, um solche wichtigen Projekte von gemeinsamem europäischem Interesse zu unterstützen, wenn der Markt allein das Risiko nicht tragen würde. Und dies ist der Grund, warum wir spezielle Regeln für staatliche Beihilfen eingeführt haben, um den Weg zu ebnen.“

Allerdings sind fünf EU-Länder besorgt, dass das neue Wasserstoff-IPCEI dazu benutzt wird, sogenannten „CO2-armen“ Wasserstoff aus Erdgas oder Atomkraft zu unterstützen.

Sie betonen, dass sie zwar das entsprechende Manifest unterschrieben haben – aber nur „mit dem Verständnis, dass sich diese Initiative ausschließlich auf Wasserstoff aus erneuerbaren Energiequellen beziehen sollte, da wir diese Technologie als die einzige langfristige, nachhaltige Lösung betrachten, um bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen.“

In einem gemeinsamen Brief heißt es: „Projekte innerhalb einer IPCEI müssen das Prinzip des Ausstiegs aus umweltschädlichen Subventionen respektieren,“ schreiben die Unterzeichner des Briefes. „Daher darf ein IPCEI auf Wasserstoff nur dann förderfähig sein, wenn es aus erneuerbaren Quellen hergestellt wird und eine klare Marktlücke identifiziert wird.“

Mit "blauem Wasserstoff" gegen das Huhn-Ei-Problem

Die Europäische Kommission hat ein klares langfristiges Ziel der Förderung von sogenanntem „grünem Wasserstoff“, der zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien hergestellt wird. Als Brückentechnologie will man in Brüssel aber auf Wasserstoff auf fossiler Basis in Kombination mit CO2-Speicherung setzen.

Der Brief wurde von den Umweltministerinnen und -ministern Österreichs (Leonore Gewessler), Dänemarks (Dan Jørgensen), Luxemburgs (Claude Turmes), Portugals (João Pedro Matos Fernandes) und Spaniens (Teresa Ribera Rodríguez) unterzeichnet.

Unterstützt werden sie dabei von Umweltgruppen, die Zweifel an dem Wasserstoff-Manifest der EU geäußert haben.

„Diese Initiative darf nicht zu einem Deckmantel werden, um öffentliche Gelder in fossile Brennstoffe zu pumpen,“ warnte Rita Tedesco von der Organisation ECOS.

„Jegliche öffentliche Unterstützung darf nur für Wasserstoff verwendet werden, der zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen hergestellt wird. Die Kommission muss dies genau beobachten und sicherstellen, dass der erneuerbare Ursprung des öffentlich geförderten Wasserstoffs durch ein glaubwürdiges Zertifizierungssystem bestätigt wird.“

Tedesco weiter: „Alle anderen Arten von Wasserstoff müssen von der öffentlichen Unterstützung ausgeschlossen werden, einschließlich sogenanntem ‚CO2-armem Wasserstoff‘, der das Risiko von Greenwashing erhöht und nur fossile Brennstoffe durch die Hintertür bringen würde.“

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]

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