Von COP zu COP in den Klimakollaps!?

Klimaaktivisten fordern mehr Engagement gegen die globale Erwärmung. [shutterstock/dominika zarzycka]

Bei internationalen Klimakonferenzen wird im Normalfall viel geredet, einiges vereinbart aber hinterher wenig umgesetzt. Es scheint, die Welt hangelt sich von Gipfel zu Gipfel in den Klimakollaps. Doch auf dem Weg zur COP24 in Polen soll alles anders werden.

Immer dringlicher warnen Klimaexperten, immer größere Anstrengungen brauche es in immer kürzerer Zeit, soll der Kollaps verhindert werden. Zum globalen Benchmark wurde das 1,5 Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens von 2015. Nichtregierungsorganisationen beklagen jedoch beständig das Fehlen von Konsequenzen der nationalen Regierungen. „Wir haben das Pariser Abkommen vor zweieinhalb Jahren unterzeichnet und uns darauf verständigt, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Aber wir sehen nichts von der massiven Transformation und dem verstärkten Handeln, das notwendig wäre, um dieses Ziel zu erreichen“, sagte etwa Teresa Anderson von der britischen NGO Action Aid gegenüber EURACTIV.

Bei der Konferenz des UN-Klimasekretariates, die in den vergangenen beiden Wochen in Bonn stattfand, sollte ein neues Format zu besseren Resultaten führen: Talanoa. Durch das Erzählen von Geschichten und die Pflicht zum Zuhören, den Verzicht auf Tische und weitere atmosphärische Kniffe sollte Vertrauen und Verständnis aufgebaut werden. In der Sache ging es in Bonn vor allem um das so genannte rulebook, ein verbindliches Regelwerk, das im Dezember beschlossen werden soll – auch damit die Verpflichtungen klarer werden und künftig den wohlwollenden Worten auf den Konferenzen mehr konkrete Taten folgen.

Talanoa gegen den Klimawandel

Derzeit tagt das UN-Klimasekretariat in Bonn. Viele zivilgesellschaftliche Organisationen setzen große Hoffnung in das von den Fidschi-Inseln eingeführte Talanoa-Format.

Das Talanoa-Format stieß auf viel Zustimmung. Der Dialog „war erfolgreich darin, Barrieren zwischen verschiedenen Stakeholdern abzubauen. In einem Umfeld des Vertrauens und der Offenheit war klar, dass Freiwilligkeit uns alle zusammenbindet. Es war evident, dass die gegenwärtigen nationalen Zugeständnisse absolut unangemessen sind. Der Talanoa-Dialog legt den Grundstein für die politischen Diskussionen, die für ein ambitioniertes Ergebnis der COP24-Konferenz gebraucht werden“, sagte etwa Juan Pablo Osornio von Greenpeace International nach dem Dialog gegenüber EURACTIV.

Natürlich bleibt die Skepsis, ob sich das positive und inspirierende Feeling tatsächlich in politische Praxis übertragen lässt. Der Erfolg des Formates lässt sich nicht daran messen, dass die Teilnehmenden einen schönen Nachmittag hatten. Erst wenn die nationalen Klimapläne bis 2020 tatsächlich sichtbar und messbar aufgewertet wurden und für vereinbarte Maßnahmen auch das nötige Kleingeld bereitgestellt ist, kann man von einem Erfolg sprechen.

Der polnische COP24-Präsident, Michal Kurtyka, gab sich ambitioniert: „Es ist jetzt Zeit, die nächsten Schritte in der Vorbereitung des Talaona-Dialogs in der politischen Phase des COP24 zu gehen“, sagte er. Will heißen: Der von der COP23-Präsidentschaft der Fidschi-Inseln eingeführte Dialog soll auf der nächsten Konferenz fortgesetzt werden. Damit wäre eine wichtige Forderung vieler zivilgesellschaftlicher Organisationen erfüllt, die sich durch das neue Format erstmals angemessen eingebunden sehen.

Auch mit den Fortschritten beim rulebook zeigten sich viele Teilnehmer zufrieden. Es seien gute Fortschritte erzielt worden, aber es gibt noch viel zu tun, war der allgemeine Tenor. Insbesondere in Fragen der Bestandsaufnahme und der Bewertung der nationalen Aktionen der letzten fünf Jahre wurden weitreichende Einigungen erzielt. Diese Analysen sollen eine Basis sein um neue, ambitioniertere Handlungen auszulösen.

„Die Fortschritte bei den technischen Verhandlungen zum rulebook entsprechen im Großen und Ganzen den Erwartungen. Was aber klar wurde ist, dass ärmere Länder viel stärkere Signale brauchen, dass die zugesagten Finanzmittel zur Umsetzung ihrer Pläne zur Emissionsminderung auch tatsächlich fließen werden“, wies etwa Mohamed Adow, der bei Christian Aid für Klimafragen zuständig ist, auf die große Bedeutung von mehr Verbindlichkeit hin.

NGOs: Kommission muss zwischen guten und schlechten Biokraftstoffen unterscheiden

NGOs haben die Europäische Kommission aufgefordert, bei der Überarbeitung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie eine deutliche Trennlinie zwischen nachhaltigerem Ethanol und ölbasierten Kraftstoffen mit hohem Treibhausgasausstoß zu ziehen.

Gino Van Begin, Generalsekretär der Organisation ICLEI, sagte mit Blick auf den weiteren Prozess: „Entscheidend ist, dass die Nationen in Bangkok substanzielle Fortschritte machen und bei der COP24-Konferenz in Katowice ein robustes und inklusives rulebook liefern, mit dem die Ziele des Pariser Abkommens erreicht werden können.“

Bangkok, Katowice – das sind die nächsten Stationen der globalen Klimadiplomatie. In Bangkok findet im September die nächste Verhandlungsrunde auf dem Weg zur COP24 statt. Diese wiederum steigt dann im Dezember im polnischen Katowice. Dann soll das Regelwerk beschlossen werden. Danach weiß man vielleicht besser, ob die Zuversicht nach der Bonner Konferenz berechtigt war, oder ob Talanoa bloß für bessere Laune auf dem Weg zum Kollaps sorgt.

Positionen

Camilla Born, Senior Policy Advisor Climate Diplomacy and Risk, E3G: “Negotiations went better than expected. Parties showed they are serious about delivering the Paris Agreement so in Bonn they got down to serious business. The next challenge is to mobilise the political will to get the COP24 outcomes over the line in Katowice. This won’t be easy but the Polish Presidency has the chance to up their game and make the most of moments like the Petersburg Dialogue, MOCA and the UN General Assembly.”

Urszula Stefanowicz, Polish Climate Coalition: “Our Presidency must do everything possible to change the negative evaluation of Polish reactive climate policy in the international arena. The delegates from other countries are concerned about the internal disputes about who should be the President of COP24 and the special bill that limits the activities of NGOs and gives the police the right to gather personal information about all participants of the summit. We must also remember that the COP will be held in Katowice – the heart of the coal region. So if we keep in mind the pro-coal declarations of our politicians and their negative approach to higher ambitions and targets, reasonable suspicion arises that the Presidency shall not be as unbiased as it should be to positively collaborate with the UNFCCC Secretariat, while at the same time showing that we must treat climate protection and mitigation in a serious way.”

Li Shuo, senior global policy advisor for Greenpeace: “The Paris Agreement cannot be a one-off achievement which is left like a trophy in a box to be admired but never acted on. The box needs to be unlocked, it needs to happen in 2018 and the key to that is trust. Trust has to be built at a ministerial level through exchanges on important issues such as differentiation and finance. In the months before Bangkok, ministers must engage to start a dynamic process that leads to a robust rulebook and much greater ambition.

Emmanuelle Pinault, Head of City Diplomacy, C40 Cities: "The Talanoa Dialogue has changed the way that cities participate in these negotiations by enabling everyone involved to talk frankly and openly with one another. We hope this is the beginning of a new approach to decision-making, informed by the real life experiences and solutions implemented in our cities. Through the stories of Paris and Mexico, C40 proudly joined the collective call for urgent action and reiterated our cities’ commitment to achieving emissions-neutrality by 2050, in line with the 1.5C objective of the Paris Agreement. We look forward to bold decisions and announcements on the NDC’s at COP24 and our cities stand ready to help nations states deliver a sustainable, prosperous and healthy future for all."

Thomas Lingard, Climate Advocacy & Sustainability Strategy Director, Unilever: “It is imperative that countries, when considering how far and fast they can commit to go, are informed by the best available evidence of what businesses, financial institutions and industry area already committing to do – and in many cases are already doing – within the boundaries of those very same countries. In many cases, the reality of the financial and economic business cases for an accelerated low carbon transition is now running ahead of the national rhetoric about what is and isn’t possible. The Talanoa Dialogue is one of a number of innovations – along with the Marrakech Partnership for Global Climate Action where we can close this gap, build shared understanding between sectors and raise much needed ambition and action.”

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