Unterseekabel nach Griechenland und Israel: Zypern beendet Energie-Isolation

Schulterschluss beim Zypern-Griechenland-Israel-Gipfel diesen Sommer: Zyperns Präsident Nikos Anastasiadis, der griechische Premier Alexis Tsipras und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (v.l.n.r.) [Ververidis Vasilis / Shutterstock]

Zypern will seine Energieisolation beenden: Gemeinsam mit dem EU-Partner Griechenland soll ein Unterwasser-Stromkabel verlegt werden, das dann die Insel zusätzlich mit Israel verbinden würde. Damit soll auch das Potenzial der großen Gasreserven im östlichen Mittelmeer  genutzt werden.

Zypern ist das einzige EU-Land, das nach wie vor keine Verbindungsleitungen zu anderen Staaten hat. Das ist ein Schönheitsfehler in den EU-Zielen, zehn Prozent Energieaustausch und -querverbindungen zwischen den Mitgliedstaaten zu erreichen.

Nun soll sich die Situation verbessern: Nikosia und Athen haben sich bei der Finanzierung des geplanten EuroAsia-Kabels geeinigt. Israel wird das Abkommen wohl kommenden Monat unterzeichnen, so ein Projektmitarbeiter.

Das 1.520 Kilometer lange Unterwasserkabel, das Israel mit der zyprischen West- und Südküste sowie mit der griechischen Insel Kreta verbinden soll, würde eine Kapazität von 2.000 MW haben und es ermöglichen, Elektrizität in beide Richtungen zu transportieren.

Wenn Israel das Projekt wie erwartet mittragen will, könnten die Arbeiten Anfang 2018 starten und bis 2022 abgeschlossen sein. Die geschätzten Kosten liegen bei ungefähr 3,5 Milliarden Euro.

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EuroAsia ist eins der sogenannten Vorhaben von gemeinsamem Interesse der EU-Kommission. Mit diesen Vorhaben soll der Binnenmarkt weiterentwickelt und komplettiert, die Energiesicherheit verstärkt und die Potenziale erneuerbarer Energien besser ausgeschöpft werden, um die ambitionierten Energie- und Klimaziele zu erreichen.

Mit der Verbindung von Israel via Zypern bis zum europäischen Festland soll außerdem das Energie-Potenzial der Gasfelder ausgeschöpft werden, die zwischen den Küsten Zyperns und Israels entdeckt worden sind.

Der geplante Verlauf des Kabels von der israelischen Küste bis nach Athen.

Im April hatten Italien, Israel, Griechenland und Zypern angekündigt, die längste Unterwasser-Gaspipeline der Welt zu bauen – ebenfalls, um die Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer zu nutzen.

Die Kosten für diese Pipeline wären allerdings doppelt so hoch wie die des EuroAsia-Kabels. Darüber hinaus gibt es aufgrund der fallenden Gaspreise Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des Projekts. Sollte mit dem Bau der Pipeline trotzdem begonnen werden, würde sie wohl erst Mitte des kommenden Jahrzehnts fertiggestellt.