Unternehmen mahnen Klima-Abkommen nach Brexit an

Unternehmen auf beiden Seiten des Kanals sind zunehmend besorgt über die Aussicht auf einen möglichen No-Deal-Brexit. [Martin Cooper / Flickr]

Eine prominent besetzte Gruppe von Wirtschaftsunternehmen hat die Staats- und Regierungschefs Großbritanniens und der EU aufgefordert, dafür zu sorgen, dass das Brexit-Abkommen ein umfassendes Klima- und Energiekapitel enthält. Dies verdeutlicht die Besorgnis über die zukünftige Form des Klima-Engagements des Vereinigten Königreichs, nachdem das Land die Europäische Union verlassen hat.

„Die weitere Umsetzung des Pariser Abkommens über den Klimawandel ist unerlässlich, um klare, langfristige und stabile Signale für Unternehmensinvestitionen in kohlenstoffarme Infrastrukturen zu geben,“ heißt es in dem Schreiben.

Der Brief, der von CEOs von zehn führenden Energieunternehmen und Wirtschaftsverbänden unterzeichnet wurde, wurde am heutigen Dienstag an den Präsidenten der Europäischen Kommission, Jean-Claude Junker, und die britische Premierministerin Theresa May geschickt.

Unterzeichner sind unter anderem der britisch-niederländische Konsumgüterkonzern Unilever, die französischen Energieriesen EDF und Engie sowie die Branchenverbände Energy UK, Renewable-UK und WindEurope.

„Es wird für die EU27 und das Vereinigte Königreich wichtig sein, durch die Zusammenarbeit bei der Suche nach langfristigen Emissionsziele eine internationale Führungsrolle zu übernehmen,“ heißt es im Brief weiter. Außerdem werden „Netto-Null-Treibhausgasemissionsziele als ein wesentliches Element des Pariser Abkommens“ genannt.

„Wir würden es begrüßen, wenn auf der 24. Vertragsstaatenkonferenz (COP) der UN-Klimarahmenkonvention im Dezember dieses Jahres weitere Hinweise dazu gegeben würden, wie dies erreicht werden könnte,“ schreiben die Industrievertreter.

Brexit? Kein Thema

In den Vorbereitungen zu Jean-Claude Junckers letzter Rede zur Lage der EU scheint der Brexit keine Rolle zu spielen.

Die britische Regierung hat sich bisher nicht festgelegt, ob sie sich nach dem Brexit weiterhin zu den auf europäischer Ebene vereinbarten Zielen für saubere Energie bekennen wird. Dazu gehört die EU-weite Verpflichtung, 32 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen und den Energieverbrauch bis 2030 um 32,5 Prozent zu senken.

Unternehmen auf beiden Seiten des Kanals sind zunehmend besorgt über die Aussicht auf einen harten Brexit.

Im April erklärte die Institutional Investors Group on Climate Change (IIGCC), die Investoren mit einem Vermögen von über 21 Billionen Euro vertritt, ein umfassendes Klima- und Energiekapitel in den Brexit-Verhandlungen würde „helfen, die erhebliche Unsicherheit in den Märkten zu bewältigen“, die das Brexit-Referendum mit sich gebracht habe.

Im heute versendeten Brief fordern die Industrievertreter unter anderem, ein Energie- und Klimakapitel müsse folgende Punkte beinhalten:

  • Kooperation bei der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens
  • Keine Zölle auf Energiehandel
  • Beibehaltung hoher Umweltstandards
  • Barrieren für den Handel mit kohlestoffarmen Produkten vermeiden
  • Starke diplomatische Zusammenarbeit in der Klimapolitik
  • Maßnahmen zur Vermeidung eines Stopps von kohlenstoffarmen Investitionen
  • Teilnahme des Vereinigten Königreichs am EU-Emissionshandelssystem (ETS) mindestens bis zum Ende von Phase IV.

Den Brief können Sie im englischen Original hier herunterladen.

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