UN-Bericht: Billionengewinne durch mehr Ressourceneffizienz

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Ressourceneffizienz und Klimaschutz – laut Erik Solheim eine ökologische "Win-win-Situation". [Dave Goodman/Flickr]

Mehr Ressourceneffizienz könnte der Weltwirtschaft jedes Jahr zusätzliche zwei Billionen Euro einbringen. So lautet das Ergebnis eines Berichts des UN-Umweltprogramms. EURACTIV Brüssel berichtet.

Am gestrigen Donnerstag veröffentlichte das UN-Umweltprogramm seinen aktuellen Bericht „Resource Efficiency: Potential and Economic Implications“ (Ressourceneffizienz: Potenzial und wirtschaftliche Folgen), der auf der Forschungsarbeit des International Resource Panel beruht. Das Ergebnis: Ein effizienter Einsatz von Ressourcen weltweit würde der zukünftigen Generation bis 2050 etwa zwei Billionen Euro im Jahr einbringen.

Lebender Beweis für diese Theorie ist laut Bericht ein Programm in Großbritannien. Zwischen 2005 und 2010 sorgte es dafür, dass sieben Millionen Tonnen an Abfällen, die eigentlich für Deponien vorgesehen waren, recycelt wurden. Dadurch sanken die Geschäftskosten um fast 180 Millionen Euro und man sparte sechs Millionen Tonnen an CO2-Emissionen ein.

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Darüber hinaus würde eine nachhaltige Nutzung von Rohstoffen und Energie dazu beitragen, die Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, wie im Pariser Klimaabkommen vorgesehen, so der Bericht. „Ökologisch gesehen, ist das eine Win-win-Situation“, betont Erik Solheim, Leiter des UN-Umweltprogramms, mit Blick auf die Forschungsergebnisse.

Der Bericht erschien nur drei Tage, nachdem sich die Europaabgeordneten dafür ausgesprochen hatten, das bis 2030 angestrebte Recyclingziel im Paket für die Kreislaufwirtschaft auf 70 Prozent anzuheben. „[Das Abstimmungsergebnis] war ein großer Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft“, unterstreicht Simona Bonafè, leitende Abgeordnete des Gesetzentwurfes für die Kreislaufwirtschaft. „Wir wollen vom Modell der Wegwerfwirtschaft und der schnellen Umsätze abrücken, hin zu einer Wirtschaft, in der Produkte darauf ausgelegt sind, lange zu halten, repariert, wiederverwendet, recycelt und wiederaufgearbeitet werden.“

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Wirtschaftliches Für und Wider

„Wenn wir die Gaben der Natur besser nutzen, geben wir der Wirtschaft damit eine Finanzspritze, die mehr Arbeitsplätze und bessere Lebensgrundlagen schafft“, sagt Solheim voraus.

Die Ergebnisse des Berichts sind jedoch nicht ausschließlich positiv. So wird der wirtschaftliche Nutzen der Ressourceneffizient wahrscheinlich nicht gleichmäßig verteilt werden. „Verlangsamter Ressourcenabbau würde in einigen Branchen Einnahmen und Arbeitsplätze kosten, zum Beispiel im Bergbau und bei der Gewinnung von Steinen und Erden“, heißt es im Bericht. Insgesamt würde es sich für alle Länder jedoch eher lohnen, neue Maßnahmen einzuführen, die den Übergang in die Kreislaufwirtschaft erleichtern, als ineffiziente Praktiken beizubehalten.

„Wenn es darum geht, die Ressourceneffizienz zu verbessern, steht jedes Land beziehungsweise jede Region vor eigenen Chancen und Herausforderungen“, erklärt Solheim.

„Man muss also auf allen Ebenen den Dialog zwischen Wissenschaft und Politik fördern und auf die besonderen regionalen Umstände eingehen.“

Den Forschungsergebnissen zufolge könnten die G7 ihr BIP bis 2050 um fast 600 Milliarden Euro steigern, würden sie vermehrt auf Ressourceneffizienz und ambitionierten Klimaschutz setzen. „Ich hoffe, dass dieser Bericht öffentliche und private Entscheidungsträger sowohl informiert als auch dazu motiviert, mehr solcher Unterfangen zu wagen“, so Solheims Fazit.