Umweltschutzverbände: PtX-Technologien nicht unbedingt klimafreundlich

Damit Strom vollständig aus erneuerbaren Energien gezogen werden kann, braucht es ein flexibles Stromnetz. Power-to-X-Technologien sollen dabei helfen. [urbans/ Shutterstock]

Sogenannte Power-to-X-Technologien gelten als Hoffnungsträger zur Erreichung der Pariser Klimaziele. Die damit gewonnenen Gase oder Flüssigkeiten können Energie speichern und dadurch das Stromnetz stabilisieren, während die erneuerbare Energien ausgebaut werden. Doch ein Positionspapier des BUND und des Öko-Instituts wirft nun einen kritischen Blick darauf.

Künstlich hergestellte Gase, Flüssigkeiten oder Chemikalien, die als Energiespeicher dienen – sogenannte Power-to-X-Technologien (PtX) – werden oft als Schlüssel zur Energiewende bezeichnet. Ein heute, am 29. Juni, veröffentlichtes Positionspapier der Umweltschutzorganisation BUND und des Öko-Instituts betont allerdings, dass diese Art der Energiegewinnung nicht per se umweltschonender als zum Beispiel der Kohleabbau sei.

Denn solange der nötige Strom für den energiereichen PtX-Prozess nicht vollständig aus erneuerbaren Energien stammt, könnte die CO2-Bilanz „sogar noch weitaus schlechter sein als bei fossilen Brennstoffen wie Erdgas oder Diesel“, sagte der BUND-Vorsitzende Ernst-Christoph Stolper.

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Die Stromquelle ist bei PtX bedeutend, weil der Prozess energieintensiv ist. PtX basiert auf Wasserstoff, der künstlich gewonnen werden muss. Das geschieht entweder durch die sogenannte Dampfreformierung, die auf Erdgas basiert und bei der viel CO2 freigesetzt wird, oder durch Elektrolyse. Letztere ist emissionsfrei, benötigt aber viel Strom. Setzt man auf PtX als Energieträger im Stromnetz der Zukunft, müsse daher sichergestellt sein, dass PtX-Stoffe nur mit erneuerbaren Energien hergestellt werden, so die Autoren des Papiers.

Ebenfalls müsse geklärt werden, woher das benötigte Kohlenstoffdioxid kommt. Denn nur zusammen mit CO2 lässt sich der Wasserstoff zum viel genutzten Methan oder zu E-Fuels weiterverarbeiten. Das Problem: Wird CO2 nicht aus Kohle, Erdöl oder -gas gewonnen, sind die Alternativen begrenzt. Holz ist eine der primären Quellen, doch dessen Anbau erfordert große Flächen. Demnach müsse man sicherstellen, dass nur nachhaltige Biomaterie verwendet wird, schlussfolgert das Positionspapier. Alternativ könne Kohlenstoffdioxid aus der Luft abgeschnitten werden. Doch diese Technik ist technisch noch nicht ausgereift genug, geben die Autoren zu: „Die Technologie wird also erst mittelfristig und als im Vergleich teure Option in der Praxis zur Verfügung stehen.“

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Ebenfalls möglich wäre eine Verwendung von CO2, das in industriellen Prozessen entsteht. Doch damit würde den Emissionen, die eigentlich reduziert werden solle, ein wirtschaftlicher Wert gegeben, warnen die Klimaschützer. Das würde den europäischen CO2- Emissionshandel konterkarieren, meint Peter Kasten vom Öko-Institut: „Wir sollten bei PtX nicht dieselben Fehler machen wie bei den Biokraftstoffen. Nur wenn von Anfang an sichergestellt ist, dass PtX wirklich Treibhausgase reduzieren, sollten sie gefördert werden“, so sein Fazit.

Dafür brauche es politische Förderinstrumente für PtX, die der Industrie Planungssicherheit für entsprechende Investitionen verschaffen. Wichtig sei außerdem ein „Nachhaltigkeitsmonitoring“ beim Import von PtX-Produkten. Denn aller Voraussicht nach wird Deutschland Wasserstoff oder die weiterverarbeiteten E-Fuels importieren müssen, da der Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland aufgrund von Platzmangel begrenzt ist. Im Rahmen des Monitorings müsse dann geprüft werden, ob im Exportland zum Beispiel genügend Wasser und nachhaltige Fläche vorhanden sind, um PtX in großem Stil betreiben zu können.

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