Umweltagentur beobachtet „allgemeine Verlangsamung“ bei grüner Energie

Der Ausbau der erneuerbaren Energien geht inzwischen langsamer voran. Noch ist die EU aber auf gutem Weg, ihre Ziele für 2020 zu erreichen. [Jack Regan / Flickr]

Die Fortschritte bei erneuerbarer Energie und Energieeffizienz verlangsamen sich in der gesamten EU. Grund dafür ist vor allem der steigende Energieverbrauch im Verkehrsbereich, so die neuesten Daten der Europäischen Umweltagentur (EUA).

Nach vorläufigen Daten der EUA, die am heutigen Montag veröffentlicht wurden, machten die erneuerbaren Energien im vergangenen Jahr 17,4 Prozent des gesamten Energiemixes aus –  gegenüber genau 17 Prozent im Vorjahr 2016.

Obwohl die EU als Ganzes somit „auf Kurs“ bleibt, um ihr Ziel von 20 Prozent erneuerbarer Energien bis 2020 zu erreichen, ist das Tempo bei der Erreichung dieses kurzfristigen Ziels „nur geringfügig gestiegen“, stellte die EUA fest und warnte vor einer „allgemeinen Verlangsamung“ bei der Einführung sauberer Energien in Europa, der Verbesserung der Energieeffizienz und der Verminderung der Treibhausgasemissionen.

Insbesondere die Fortschritte in Richtung des Zehn-Prozent-Ziels für erneuerbare Energien im Verkehrs- und Transportsektor seien „unzureichend“, merkt die EUA in ihrer aktualisierten Bewertung an.

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Nach Angaben der EUA ist die „allgemeine Verlangsamung“ auch auf den steigenden Energieverbrauch zurückzuführen. Dadurch sinke der Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtenergieverbrauch.

Tatsächlich steigt der Energieverbrauch seit dem Jahr 2015 an. Die vorläufigen Schätzungen der EUA für 2017 deuten darauf hin, dass der Verbrauch inzwischen über den ursprünglichen Voraussagen auf dem Weg zu den 2020er-Zielen liegt.

Die Agentur erklärte dazu: „Während die EU insgesamt auf gutem Weg ist, ihre Ziele zur Verringerung der Treibhausgasemissionen und zur Steigerung der Nutzung erneuerbarer Energien bis 2020 zu erreichen, müssen die jüngsten Zunahme-Trends beim Energieverbrauch umgekehrt werden, um die 2020er-Ziele zu erreichen.“

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Die EU hat sich verpflichtet, bis zum Jahr 2020 mindestens 20 Prozent ihres Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien zu decken und ihre Treibhausgasemissionen ebenfalls um 20 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Ein weiteres 20-Prozent-Ziel wurde für die Energieeffizienz festgelegt, wobei dieses Ziel für die EU-Länder allerdings nicht rechtsverbindlich ist.

Die Europäische Union arbeitet derzeit an der Festlegung neuer Energie- und Klimaziele für 2030, darunter neue CO2-Emissionsgrenzen für Personenkraftwagen sowie das erste EU-Gesetz zur Verringerung der Emissionen von Lastkraftwagen.

Am kommenden Mittwoch wird die Europäische Kommission darüber hinaus eine Reihe von Szenarien zum Erreichen der langfristigen Klimaziele für 2050 vorstellen, darunter ein Szenario mit dem Ziel von Netto-Null-Emissionen.

Aktuelle Entwicklung in Bezug auf erneuerbare Energie (RES), Energieeffizienz (EE) und Treibhausgasemissionen (GHG). Quelle: Europäische Umweltagentur

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