Großbritannien verschärft Klimaziel: 68 Prozent weniger Emissionen bis 2030

North Sea wind turbines [diego_torres / Pixabay]

Großbritannien kündigte am Donnerstag (3. Dezember) ein neues Ziel zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen um mindestens 68 Prozent bis 2030 im Vergleich zu 1990 an. Die Ankündigung erfolgt eine Woche, bevor das Land einen UN-Gipfel zum fünften Jahrestag des Pariser Abkommens mit ausrichten wird.

Mit seinem neuen Klimaziel für 2030 will Großbritannien die schnellste Reduzierung der Treibhausgasemissionen aller großen Volkswirtschaften erreichen und setzt damit die europäischen Staats- und RegierungschefInnen unter Druck, die nächste Woche, kurz vor dem UN-Gipfel, über ein vorgeschlagenes 55-Prozent-Ziel abstimmen.

„Wir übernehmen die Führung mit einem ehrgeizigen neuen Ziel, um unsere Emissionen bis 2030 zu reduzieren, schneller als jede andere große Volkswirtschaft. Unser Zehn-Punkte-Plan hilft uns auf dem Weg dorthin“, kündigte der britische Premierminister Boris Johnson an.

Das Vereinigte Königreich verfolgt das Ziel, bis 2050 klimaneutral zu sein, während Schottland ankündigte, dieses Ziel bis 2045 erreichen zu wollen.

Bislang war eine Senkung von 53 Prozent angepeilt. Das neue Ziel basiert auf dem Expertenrat des unabhängigen Ausschusses für Klimawandel und soll das Land auf den richtigen Weg bringen, um bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen.

Klimaziele: Schottland macht Druck auf London

Die schottische Regierung und britische Unternehmen machen im Vorfeld eines Gipfeltreffens zum fünften Jahrestag des Pariser Klimaabkommens Druck auf die britische Regierung, ehrgeizigere Klimaziele für 2030 festzulegen.

Erst letzten Monat stellte das Vereinigte Königreich einen Zehn-Punkte-Plan für den Klima- und COVID-Aufschwung vor, der mit 12 Milliarden Pfund ausgestattet ist und Projekte wie Offshore-Windenergie, Wasserstoff, Kernkraft und Elektrofahrzeuge fördert.

„Wir haben bewiesen, dass wir unsere Emissionen reduzieren und dabei Hunderttausende von Arbeitsplätzen schaffen können – indem wir Unternehmen, Akademiker, NGOs und lokale Gemeinschaften in einem gemeinsamen Ziel vereinen, um weiter und schneller gegen den Klimawandel vorzugehen“, so Johnson.

Großbritannien forderte auch andere Länder auf, ehrgeizige, national festgelegte Klimapläne vor den COP 26-Klimagesprächen in Glasgow im nächsten Jahr vorzulegen.

„Der Kampf gegen den Klimawandel ist eine der dringlichsten gemeinsamen Aufgaben unserer Lebenszeit und verlangt von jeder Nation mutige Maßnahmen, um eine katastrophale globale Erwärmung zu verhindern“, hob Alok Sharma, Wirtschafts- und Energieminister und COP26-Präsident, hervor.

Canfin: EU-Staaten sollten sanktioniert werden, wenn sie die Klimaziele nicht einhalten

Da die Verhandlungen über das von der EU vorgeschlagene Klimagesetz auf die Zielgerade gehen, zeigt der EU-Abgeordnete Pascal Canfin erneut die roten Linien des Europäischen Parlaments in den Gesprächen mit den EU-Mitgliedsstaaten auf.

„Als Land haben wir bewiesen, dass wir sowohl die Kohlendioxidemissionen schnell reduzieren können, als auch neue Arbeitsplätze, neue Technologien und zukunftssichere Industrien schaffen können, die das Wirtschaftswachstum für die kommenden Jahrzehnte generieren werden“, fügte er hinzu.

In den letzten Tagen ist der Druck auf die britische Regierung gestiegen, ein ehrgeizigeres Klimaziel zu verabschieden. Schottland hat bereits Ende November einen indikativen, national festgelegten Beitrag veröffentlicht, der eine 75-prozentige Reduzierung der Treibhausgasemissionen bis 2030 anstrebt.

Über 75 britische Unternehmen unterzeichneten zudem einen Brief, in dem sie die dringende Notwendigkeit betonten, ein Ziel festzulegen, das mit dem Pariser Abkommen und dem Netto-Null-Ziel Großbritanniens übereinstimmt.

„Es gab noch nie einen wichtigeren Zeitpunkt für Unternehmen, sich zu engagieren, zu investieren und Maßnahmen zu ergreifen, um sowohl die nationalen Ambitionen als auch die globalen Bedürfnisse zu unterstützen, und diese Erwartung ist etwas, das unsere Kunden sehr deutlich zum Ausdruck gebracht haben“, erklärte Peter Simpson, CEO von Anglian Water und Co-Vorsitzender der The Prince of Wales’s Corporate Leaders Group.

EU übererfüllt Klimaziele 2020, muss sich für 2030 und 2050 dennoch anstrengen

Die Treibhausgasemissionen in der EU sind im vergangenen Jahr um 3,7 Prozent zurückgegangen. Damit ist der Block auf bestem Wege, sein Emissionsreduzierungsziel 2020 um vier Prozentpunkte zu überbieten.

Jedes Unterzeichnerland des Pariser Abkommens legt in einem national festgelegten Beitrag fest, welche Maßnahmen es ergreifen wird. Für 2030 strebt die EU derzeit eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 40 Prozent an. Die Europäische Kommission hat jedoch vorgeschlagen, diesen Wert bis 2030 auf 55 Prozent zu erhöhen, um bis zur Mitte des Jahrhunderts klimaneutral zu sein.

„Während das Niveau der Ambitionen nicht alle Aktivisten zufrieden stellen wird, ist dies die bisher bedeutendste NDC-Ankündigung* einer großen Volkswirtschaft, die das Tempo der Kohlenstoffreduzierung um etwa 50 Prozent erhöht und die Chancen für Unternehmen in kohlenstoffarmen Sektoren beschleunigt“, sagte Richard Black, Direktor der Energy and Climate Intelligence Unit.

Höchstes Gericht verdonnert Frankreichs Regierung zu effektiver Klimapolitik

Die höchste französische Justizbehörde hat ihr Urteil über einen Beschwerdeantrag der Gemeinde Grande-Synthe gefällt. Von nun an sind die Klimaziele Frankreichs rechtlich bindend.

[Bearbeitet von Frédéric Simon und Britta Weppner]

*Nationally determined contributions (NDCs)

Subscribe to our newsletters

Subscribe
UNTERSTÜTZEN