Von Kopenhagen bis Rom, von Sevilla bis Baku: Zum 60-jährigen Jubiläum der Fußball-Europameisterschaft, die am heutigen Freitag (11. Juni) startet, richtet die UEFA 51 Spiele in elf Städten in ganz Europa aus – und verspricht dennoch die „umweltfreundlichste Euro aller Zeiten“. EURACTIV Frankreich berichtet.
Die Europameisterschaft sei „ein Fest des europäischen Fußballs, das auf dem ganzen Kontinent stattfindet“, hatte die UEFA (Union of European Football Associations) 2019 angekündigt. Anlässlich des 60-jährigen Jubiläums solle die Veranstaltung „mehr Städte in ganz Europa erreichen“.
Die 51 Spiele werden entsprechend in London, München, Rom, Amsterdam, Budapest, Bukarest, Sevilla, Glasgow, Kopenhagen, Baku und St. Petersburg ausgetragen.
Doch die Party hat ihren Preis: Angesichts der anstehenden Reisen der Mannschaften und der Fans quer durch den Kontinent stellt sich die Frage nach den Auswirkungen der EM auf die Umwelt. Zwar ist die Anzahl der Zuschauerinnen und Zuschauer in den Stadien aufgrund von Pandemie-Bestimmungen reduziert, dennoch wird die Meisterschaft für tausende Flugreisen, teilweise über beträchtliche Entfernungen hinweg, sorgen.
Sollte die Schweizer Mannschaft das Finale erreichen, müssten Spieler und Fans für die Matches beispielsweise 21.656 Kilometer zurücklegen, hat die BBC errechnet.
Ist die im Jahr 2021 ausgetragene „Euro 2020“ somit ein ökologisches Desaster?
Die UEFA sagt ihrerseits „nein“ und verspricht, dass „die umweltfreundlichste Europameisterschaft aller Zeiten“ stattfinden werde. Da es dieses Mal kein einzelnes Gastgeberland gebe, „besteht keine Notwendigkeit, neue Stadien oder die dafür erforderlichen Verkehrsverbindungen zu bauen“. Gerade die Entwicklung derartiger Infrastruktur habe normalerweise „erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt“, erklärt der Fußballverband.
Auch in Bezug auf die Emissionen, die durch die reisenden Fans entstehen, wolle die UEFA „ihre Verantwortung wahrnehmen“, indem sie die „hunderttausenden Tonnen CO2, die während des Turniers produziert werden“, kompensiert. Dies geschieht durch Investitionen in Projekte im Bereich erneuerbare Energien in Zusammenarbeit mit der Schweizer Consultancy South Pole. Die entsprechenden Projekte seien alle mit dem renommierten Gold Standard-Label für Klimaschutz zertifiziert.
Des Weiteren wolle die UEFA in jedem der Gastgeberländer 50.000 Bäume pflanzen, um so „ein bleibendes, nachhaltiges Erbe dieses Wettbewerbs zu hinterlassen“.
Aus Sicht der grünen Europaabgeordneten und Vorsitzenden des Verkehrsausschusses des EU-Parlaments, Karima Delli, ist die EM angesichts der Klimakrise dennoch „totaler ökologischer Unsinn“, zitiert sie La Dépêche.
„Das Thema ist sensibel, aber leider ist die Debatte nicht wissenschaftlich fundiert,“ erklärt derweil Antoine Miche, Vorsitzender der Organisation Football Ecologie France. Um herauszufinden, ob die Euro 2020 tatsächlich umweltfreundlich(er) oder nachhaltig ist, wäre es notwendig, eine vergleichende Studie durchzuführen, die verschiedene Szenarien untersucht, so Miche.
Er betont jedoch weiter: Obwohl es in Ermangelung einer solchen Studie schwierig bleibe, die wirklichen Umweltauswirkungen der EM genau zu berechnen und zu bewerten, biete die Meisterschaft eine große Chance, den Sport insgesamt umweltbewusster zu machen. Die EM könnte ein „interessanter Moment der Auseinandersetzung“ werden, der „die Fans zum Nachdenken bringt“.
Seine Organisation Football Écologie France, die Fußballvereine dabei unterstützt, Spieler und Fans zu mehr ökologischer Verantwortung im Alltag zu bewegen, wird derweil mit der Kampagne #tousecosupporters in den sozialen Netzwerken aktiv: Mit der Aktion werden Fußballspielerinnen und -spieler vorgestellt, die sich für den Themenkomplex Umwelt, Nachhaltigkeit und Klima engagieren.
Ziel sei es, zu zeigen, dass die Vereine und die Aktiven sich engagieren und dass auch die Fangemeinden durchaus „die Möglichkeit haben, tagtäglich auf ganz konkrete Weise etwas zu verändern“, erklärt Miche.






