Über 100 Großunternehmen verpflichten sich den UN-Klimazielen

Insgesamt haben sich mehr als 370 Firmen, darunter über 100 global agierende Unternehmen, den Klimaschutzzielen verpflichtet. [Jeff Kubina / Flickr]

L’Oreal und Electrolux folgen dem Beispiel von Unternehmen wie McDonald’s und Sony, und haben heute gemeinsam ihre Emissionsziele an das 2°C-Ziel des Pariser Klimaabkommens angepasst.

103 global agierende Unternehmen haben sich inzwischen zu Emissionsminderungszielen verpflichtet, die dem entsprechen, was Klimawissenschaftler zur Verhinderung einer gefährlichen globalen Erwärmung für nötig halten, so die Science Based Targets Initiative (SBTi). Die SBTi ist eine Kooperation zwischen dem CDP, dem Global Compact der Vereinten Nationen, dem World Resources Institute (WRI) und dem World Wide Fund for Nature (WWF).

Die kombinierten Emissionen der Unternehmen entsprechen den jährlichen CO2-Emissionen von 100 Kohlekraftwerken. Ihr gemeinsamer Marktwert liegt bei 3,4 Billionen US-Dollar, was in etwa dem gehandelten Wert an der Londoner Börse entspricht, so die SBTi in einer Erklärung.

Die Mehrheit der Unterzeichner (57) sind europäische Unternehmen.

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„Über wissenschaftliche Ziele richten wir unsere Geschäftsstrategie an den Zielen der Pariser Vereinbarung aus,“ erklärte Uday Gupta, Managing Director bei Mahindra Sanyo Special Steel, das ebenfalls heute als erstes indisches sowie erstes Stahlunternehmen der SBTi beigetreten ist.

„Wir sind dafür verantwortlich, unseren Beitrag zur Verhinderung des gefährlichen Klimawandels zu leisten, aber wir sichern auch unser Wachstum und unsere Profitabilität, indem wir gemeinsam mit unseren Partnern in der Wertschöpfungskette Klimaschutz betreiben. Wissenschaftliche Ziele liefern uns einen klaren Fahrplan für solche Aktionen,“ sagte Gupta weiter.

Die Ziele wurden mit einer in Zusammenarbeit von CDP, WRI und WWF entwickelten Methodik und mit Unterstützung des Beratungsunternehmens Ecofys offiziell validiert. Unternehmen können demnach entweder einen branchenspezifischen Dekarbonisierungsansatz oder absolute Emissionsminderungsziele verfolgen.

Emissionsreduktionen gelten als „wissenschaftlich fundiert“, wenn sie dem Grad der Dekarbonisierung entsprechen, der erforderlich ist, um den globalen Temperaturanstieg unter 2°C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu halten. So wird es vom Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) der Vereinten Nationen festgeschrieben.

„Wissenschaftliche Ziele werden schnell zur neuen Normalität für Unternehmen, die einen Wettbewerbsvorteil beim Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft erlangen wollen,“ erwartet Lila Karbassi vom Global Compact der Vereinten Nationen. „Ihr Handeln sendet ein starkes Signal an Regierungen auf der ganzen Welt, dass sie zuversichtlich sein können und ihren eigenen Ehrgeiz steigern sollten,“ sagte sie in einer Erklärung.

Insgesamt haben sich dem SBTi seit seinem Start Mitte 2015 im Vorfeld der Pariser Klimakonferenz mehr als 370 Firmen angeschlossen.

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Gleichzeitig zur Ankündigung der SBTi wurde auch ein Appell von globalen Investoren mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 1 Billion Dollar veröffentlicht. Darin werden große Unternehmen aufgefordert, die Klimaschutzmaßnahmen zu verstärken und somit die Investitionen der Anleger vor den Risiken der globalen Erwärmung zu schützen.

Die so genannte Investor Decarbonisation Initiative schickte Briefe an die Geschäftsführer von 15 Unternehmen und forderten sie auf, ihre Emissionen zu reduzieren und sich zu sauberer Energie zu verpflichten.

In den Briefen erklären die Investoren, dass sie „in ökologisch und finanziell nachhaltige Unternehmen investieren wollen, die auf die kohlenstoffarme Wirtschaft vorbereitet sind und dazu beitragen.“ Die Briefe wurden an die CEOs großer Marken wie Netflix und The Walt Disney Company sowie an emmissionsintensive Firmen aus den Bereichen Energieerzeugung und Zement verschickt.

„Der Klimawandel wird heute von Investoren und Aufsichtsbehörden auf der ganzen Welt als Hauptrisiko für die Finanzstabilität angesehen,“ so auch Isabelle Cabie von der Candriam Investors Group, die ein Vermögen von 97 Milliarden Pfund verwaltet.

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