Neuer Pipeline-Teil für Europas Gasversorgung wird eingeweiht

Die Präsidenten Aserbaidschans, der Türkei und Georgiens (vlnr.) Ilham Alijew, Recep Tayyip Erdogan und Giorgi Margwelaschwili während einer vorherigen Veranstaltung zur Trans-Anatolischen Erdgaspipeline (TANAP) im türkischen Kars, am 17. März 2015. [Handout photo/EPA/EFE]

Die Präsidenten der Türkei, Aserbaidschans und Georgiens weihen heute die Trans-Anatolische Erdgaspipeline (TANAP) ein, einen wichtigen Abschnitt des lange verzögerten südlichen Gaskorridors (Southern Gas Corridor, SGC) für Lieferungen nach Europa.

Recep Tayyip Erdoğan, Ilham Alijew und Giorgi Margwelaschwili werden an der Eröffnungsfeier in der Stadt Eskişehir in der Zentraltürkei teilnehmen, so eine Mitteilung des türkischen Präsidentenbüros.

Staats- und Regierungschefs, Energieminister sowie Führungskräfte von Energieunternehmen und hochrangige Bürokraten aus befreundeten Ländern seien ebenfalls eingeladen, so die Erklärung.

Der Southern Gas Corridor (SGC) besteht aus drei Pipelines: der Südkaukasus-Pipeline durch Aserbaidschan und Georgien, der anschließenden TANAP-Pipeline durch die Türkei, und der Trans-Adria-Pipeline (TAP) von Griechenland über Albanien und einen Offshore-Abschnitt durchs Mittelmeer nach Süditalien.

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Aserbaidschan hat kürzlich ein Terminal eingeweiht, das künftig der Ausgangspunkt des SGC sein soll.

10 Milliarden Kubikmeter Gas für die EU

Das TANAP-Projekt, für das rund 8,5 Milliarden US-Dollar investiert wurden, wird sechs Milliarden Kubikmeter aserisches Gas pro Jahr in die Türkei und 10 Milliarden Kubikmeter nach Europa transportieren. Der europäische Teil der Pipeline-Strecke soll 2020 in Betrieb gehen.

Doch gerade dieser letzte Abschnitt des SGC könnte nun erneut in Frage gestellt werden, seit eine populistische Regierung in Italien an der Macht ist. Der von der 5-Sterne-Bewegung nominierte neue Umweltminister Sergio Costa hat sich bereits kritisch zur Zukunft der TAP-Pipeline geäußert: Diese sei im Grunde „sinnlos“.

Derweil berichteten bulgarische Medien, dass auch Premierminister Bojko Borissow an der Zeremonie in Eskişehir teilnehmen wird. Bulgarien ist zwar nicht Teil des SGC, wird aber über eine Verbindungsleitung mit Griechenland rund eine Milliarde Kubikmeter aserbaidschanisches Gas importieren. Dies entspricht etwa einem Drittel des Jahresverbrauchs des Landes. Aktuell ist Bulgarien vollständig von der Einfuhr russischen Gases abhängig.

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Der SGC und Turkish Stream

Der SGC gilt als Alternative zur Turkish-Stream-Gaspipeline, die unter dem Schwarzen Meer hindurch russisches Gas in den europäischen Teil der Türkei bringen soll. Bulgarien ist sowohl am SGC als auch am Eintrittspunkt von Turkish Stream auf EU-Territorium interessiert. Die andere Alternative für diesen Eintrittspunkt in die EU wäre Griechenland.

Die bulgarische Zeitung Dnevnik zitiert auf ihrer Website den Vorstandsvorsitzenden von Gazprom mit der Erklärung, die Entscheidung über die Wahl des Einspeisepunkts hänge von den Ergebnissen der Auktionen zur Bestellung von Gasimporten „auf der Grundlage rechtsverbindlicher Verträge“ ab. Diese Buchungen müssten von den bulgarischen und den griechischen Gastransportunternehmen abgerufen werden.

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