Trotz COVID: Windenergie lieferte 16 Prozent des europäischen Stroms 2020

In Dänemark wurde 2020 fast die Hälfte des Stroms aus Windkraft erzeugt, in Irland waren es 40 Prozent und in Deutschland sowie dem Vereinigten Königreich jeweils 27 Prozent. [Hans Braxmeier / Pixabay]

Windenergie hat im Jahr 2020 insgesamt 16,4 Prozent des Strombedarfs in der EU und im Vereinigten Königreich gedeckt. Damit kommt die Branche ihrem Ziel näher, bis 2050 50 Prozent des gesamten Stroms in der EU zu produzieren. Doch Genehmigungsprobleme, Lockdowns und sich ändernde Vorschriften drohen den weiteren Ausbau zu verlangsamen.

In Dänemark wurde 2020 fast die Hälfte des Stroms aus Windkraft erzeugt, in Irland waren es 40 Prozent und in Deutschland sowie dem Vereinigten Königreich jeweils 27 Prozent. Insgesamt gingen neue Kapazitäten in einer Größenordnung von 14,7 GW ans Netz.

Dies ist allerdings ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr, inklusive einem 22-prozentigen Einbruch bei Offshore-Windenergie. Insbesondere Verzögerungen bei Lieferungen und die nationalen Lockdowns hemmten das Wachstum, so die Industrie.

Die Niederlande haben derweil am meisten neue Windenergiekapazität installiert, Deutschland liegt auf Platz zwei. Hinzu kommen neue Marktteilnehmer wie Polen. Auch der große Nachbar Russland nahm Anlagen mit 0,8 GW in Betrieb.

„Dieses Jahr gab es viel mehr Diversifizierung als in den Vorjahren. Man sieht einige neuere Gesichter in den Top Fünf,“ kommentiert Ivan Komusanac vom Branchenverband WindEurope.

Rekordinvestitionen in Offshore-Windenergie

Im Jahr 2020 wurden in Europa 26,3 Milliarden Euro in neue Offshore-Windparks investiert. Dadurch konnten 7,1 GW an neuer Kapazität finanziert werden – trotz der COVID-19-Pandemie.

Ziele in weiter Ferne

Derzeit gibt es in Europa rund 220 GW Windkraftkapazität; Deutschland liegt dabei weit vorne. Zu weiteren neuen Akteuren gehören neben Polen derweil auch Schweden und die Türkei, die mit dem Aufbau von Anlagen beginnen.

Komusanac warnt jedoch, dass die EU-Länder immer noch nicht ehrgeizig genug seien, um das aktuelle Ziel der Kommission für erneuerbare Energien bis 2030 zu erreichen – ganz zu schweigen von der notwendigen Steigerung, um die neuen EU-Klimaziele zu erreichen. Demnach sollen die Netto-Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55 Prozent reduziert werden. Der Lobbyist betont, dass die Länder dafür jedes Jahr 18 GW an neuen Windenergiekapazitäten installieren müssten. Die aktuellen Planungen liegen mindestens drei GW unter diesem Wert.

In seinen aktuellen Simulationen geht WindEurope davon aus, dass in den kommenden fünf Jahren 105 GW installiert werden. Diese Prognose könne sich jedoch auf nur noch 79 GW reduzieren, wenn COVID-bedingte Einschränkungen, Genehmigungsprobleme und Verzögerungen beim Netzausbau weiter anhalten sollten.

„Wir müssen sicherstellen, dass die Regierungen ihre Arbeit bei den Genehmigungen machen. Wenn man das Ziel von minus 55 Prozent erreichen will, wird es viel mehr Bedarf an Offshore-Wind geben,“ drängt Komusanac.

Er fügt hinzu, Mittel aus dem Recovery Fund seien für die Windindustrie „absolut entscheidend“: Sie müssten dringend für den Aufbau von Netzen und Infrastruktur verwendet werden.

Offshore-Windkraft boomt weiter – aber nicht genug für die Klimaziele

Im Jahr 2019 wurde in Europa ein Rekord bei der Bereitstellung neuer Offshore-Windkraftkapazitäten aufgestellt. Diese nahmen um 3,6 Gigawatt zu. Das Tempo ist dennoch nicht ausreichend, um die ehrgeizigen Klimaziele der EU zu erreichen.

Alte Windräder

Ein weiteres Problem, mit dem die Windindustrie konfrontiert ist, sind alternde Windräder: Etwa 26 GW der aktuellen Kapazitäten stammen aus Anlagen, die in den kommenden fünf Jahren über 20 Jahre alt sein werden; 1,5 GW aus mindestens 30-jährigen Windrädern. Neue Windkraftanlagen sind weitaus effizienter, allerdings kann es sich schwierig gestalten, Genehmigungen für Ersatzanlagen zu erhalten: Grund dafür ist, dass sich die Vorschriften für die maximale Windrad-Höhe seit dem Bau der alten Windparks in gewissen Gebieten geändert haben könnten – und neue Anlagen tendenziell höher sind.

Einige Planungsprobleme können umgangen werden, indem man kleinere Änderungen vornimmt, wie beispielsweise den Einbau neuer Rotorblätter und Getriebe, aber letztendlich müssen die Anlagen ersetzt werden, sonst gehe das Potenzial verloren: „Rund sieben GW sind dann komplett weg. Das sind dann vollständig stillgelegte Projekte, die komplett verloren wären. Wir würden diese Menge an sauberem Strom verlieren, auf die wir in den vergangenen 20 Jahren bauen konnten,“ warnt Komusanac.

Bezüglich der Schwierigkeiten, Akzeptanz für neue (und große) Windkraftanlagen zu schaffen, müsse man dringend die lokale Bevölkerung in die Planungsprozesse einbeziehen, so der Branchenvertreter weiter: „Der einfachste Weg ist, die lokale Bevölkerung so früh wie möglich einzubinden. Auf diese Weise verringern Sie das Risiko einer geringen öffentlichen Akzeptanz.“

Komusanac betont abschließend die wirtschaftlichen und arbeitspolitischen Potenziale seiner Branche: Die Windindustrie könne im Rahmen der EU-Programme für eine „gerechte Energiewende“ (Just Transition Fund) bei der Umschulung von Arbeitnehmenden behilflich sein.

Derzeit beschäftige die Branche 300.000 Menschen in ganz Europa. Diese Zahl werde in den kommenden zehn Jahren voraussichtlich auf 450.000 ansteigen.

[Bearbeitet von Frédéric Simon und Tim Steins]

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